Lauda / Königshofen

Bildung Abiturienten des Martin-Schleyer-Gymnasiums erhielten ihre Abschlusszeugnisse / Schweigeminute für tödlich verunglückten Mitschüler

Es gibt gleich dreimal die Traumnote 1,0

Beim Abiball des Martin-Schleyer-Gymnasiums in Lauda wurde aus Träumen Wirklichkeit.

Lauda-Königshofen. Manchmal werden Träume „à la Hollywood“ wahr. Und dies, obwohl der Abijahrgang des Martin-Schleyer-Gymnasiums (MSG) Lauda-Königshofen das Motto „Abiwood. Zwölf Jahre im falschen Film“ gewählt hatte, was überspitzt zunächst nach Scheitern einer langen Schul(film)karriere klingt. Tatsächlich aber war der vor acht Jahren am MSG eingeschulte große Jahrgang mit dem dreimal erreichten Traumschnitt 1,0 sehr erfolgreich.

Wozu diese „Stars“ in der Lage waren, zeigte der zur Eröffnung des Abiballs gezeigte Trailer eines Films über das Leben am Gymnasium: Schüler waren wechselweise Generation Cabrio, Gangsterrapper, Hippies, Skater, Fußballer, Cheergirls, Influencer, Gossipgirls und Rocker, aber auch Schülersanitäter – die, die einfach anders sind – Engagierte und Streber, bevor sie zu entnervten Abiturienten mutierten.

Keine Frage, dass der Einzug der „hochbegabten Schauspieler“ zur anstehenden „Oscarverleihung“ mit stürmischem Applaus gefeiert wurde. Doch der Erfolg war nur die eine Seite dieses Abijahrgangs. Die andere Seite war geprägt durch den Unfalltod eines Mitschülers im vergangenen Jahr, eine gemeinsame schmerzliche Erfahrung, die sie nach eigener Aussage zu einer einzigartigen Gemeinschaft zusammengeschweißt hätte. Die Schulleitung, alle Lehrer, hätten ihrer Trauer Raum gegeben, so die Mitschüler Daniel Hönninger und Daniel Dörner.

Ein Raum der Stille sei eingerichtet worden, Klausuren wären verschoben worden, die Schulgemeinde hätte in einer Gedenkfeier in der Schule und einem Gottesdienst Abschied nehmen können von Michael. Mit einer Schweigeminute, zu der alle Festgäste aufgefordert waren aufzustehen, wurde dann nochmals seiner gedacht.

Nach der Begrüßung der Festgäste durch das charmante Moderatorenteam Laura Kaesler und Christopher Kraus ergriff der Schulleiter Dr. Gernert das Wort. Er würdigte die Eltern für das der Schule entgegengebrachte Vertrauen wie auch alle, die die Organisation des festlichen Rahmens der Abifeier übernommen hätten, für ihre Arbeit; ganz besonders aber auch die Kollegen und die Oberstufenberaterinnen Kinscher und Rohe sowie seinen Stellvertreter Harald Bähr, die alle drei erneut für die perfekte Organisation der Abiturprüfungen verantwortlich zeichneten. So hätte im Team mit dem nahezu komplett anwesenden Kollegium das Bestmögliche für die Schüler nach acht Jahren MSG erreicht werden können.

Rede der Scheffelpreisträgerin

Diese acht Jahre nahm auch die Scheffelpreisträgerin Lena Leber in ihrer etwas anderen Preisrede in den Blick. Sie lud ein „zu einer sehr persönlichen, individuellen und doch kollektiven“ Traumflugreise durch die gemeinsame Zeit am MSG, ausgehend vom Einschulungsgottesdienst als Fünftklässlerin mit dem gemeinsam gesungenen Lied von einem Adler: „I want to fly like an eagle, till I’m free“. „Wir wurden dort ermutigt, unser Nest zu verlassen, unternahmen unsere ersten Flugversuche“, auch wenn das Abitur „in unendlich weiter Ferne, praktisch unerreichbar“ schien.

Dabei sei man sich „gegenseitig Flugbegleiter, Fluglotse und Pilot gewesen“, auf einem Flug, der nicht nur „neue Kenntnisse, neue Fähigkeiten und neue Freundschaften“ bot, sondern „vor allem wahnsinnig viel Spaß“ gemacht hätte. Auch den Lehrern und der Schulleitung gebühre Dank. Sie hätten als treue Flugbegleiter und Piloten dafür gesorgt, dass „wir gemeinsam sicher landen konnten“.

Mit einem anderen Bild, dem des Gipfelstürmers, verglich der Schulleiter Dr. Gernert die Abiturienten, hätten sie doch mit dem Reifezeugnis am allgemeinbildenden Gymnasium den höchsten schulischen Bildungsabschluss in Deutschland erreicht. „Jüngste Untersuchungen auf Bundesebene oder die Vera 8-Studie auf Landesebene“ hätten den Schülern des allgemeinbildenden Gymnasiums „die niveauvollste Bildung und die höchsten Erfolgschancen an den Universitäten“ attestiert.

Die lange Schulzeit führe dazu, „dass humanistische Bildungsinhalte am Gymnasium am intensivsten gelehrt und gelernt werden“. Dies sei im Zeitalter von Globalisierung und Digitalisierung noch nötiger als früher, „die Gesellschaft brauche selbstbewusste und engagierte Persönlichkeiten mit klaren Wertmaßstäben, kurz mit einem ethisch-moralischen Bewusstsein“. Vielen Fragen und Krisenphänomenen der heutigen Zeit – etwa der Existenzkrise der EU, der rasant voranschreitenden Digitalisierung, der Migration, dem Pflegenotstand – könne man nicht mit einfachen populistischen Antworten begegnen, mit der Lebensmaxime „First“. Sie erforderten komplexere Lösungen. Für die Zukunft wünsche er Ihnen gerade angesichts dieser großen, realen Herausforderungen ein zufriedenes Leben, was „beste schulische Qualifikationen gepaart mit profilierter Persönlichkeit“ ermöglichen können.

Vergleichbare Wünsche kamen dann auch von Seiten der Stadt und der Elternvertretung. Der ehemalige Schüler des MSG, frischgebackener Jurist und CDU-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, Marco Hess, zeigte durch sein Kommen als offizieller Stellvertreter der Kommune die Bedeutung der gymnasialen Bildung für den Schulstandort Lauda. Man sei stolz auf die Qualität des Martin-Schleyer-Gymnasiums, die sich unter anderem in der Schülerzahl und dem großen ländlichen Einzugsbereich spiegele. Dafür gebühre Dr. Gernert und seinem Team großer Dank.

Der langjährige Elternbeiratsvorsitzende Stefan Weißenberger, dieses Mal auch in seiner Rolle als stolzer Vater, würdigte ebenfalls das Lehrerkollegium, die Sekretärinnen, die Cafeteria, die Hausmeister, die Reinigungskräfte, den Schulträger und ganz besonders die Eltern und – last but not least – die für ihn „weltbesten Bigband“, die unter der neuen Leitung von Dirk Hofmann wiederum für den feierlichen Rahmen der Abifeier sorgte. Er hätte seine Kinder am MSG stets in guten Händen gewusst.

Zum Ende seiner Ausführungen zitierte Weißenberger passenderweise einen Ausschnitt aus Hesses Gedicht „Stufen“: „Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe bereit zum Abschied sein und Neubeginne, um sich in Tapferkeit und ohne Trauern in andre, neue Bindungen zu geben“. Mit der feierlichen Übergabe der „Oscars“, sprich der Zeugnisse, Preise und Belobigungen durch den Schulleiter bzw. die vier Tutoren in der Oberstufe, F. Rohe, H. Roser, F. Kinscher und F. Hellinger, erreichte die Feierstunde dann ihren Höhepunkt, was auch durch die nachfolgende Danksagung an alle in der Oberstufe unterrichtenden Lehrkräfte bzw. durch das Buffet nicht mehr getoppt werden konnte – eben eine rundum gelungene „Oscarverleihung“. msg/adh