Lauda / Königshofen

Rettungskräfte Einsätze in Serie bringen Frauen und Männer an ihre Belastungsgrenze

Feuerwehr Lauda-Königshofen im Dauereinsatz

Lauda-Königshofen.Der Tag beginnt für die Feuerwehr mit einem explosionsartigen Knall. Mitten in der Nacht werden Bewohner der Becksteiner Straße durch ein ohrenbetäubendes Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Besorgt wählen sie den Notruf 112.

Es ist kurz nach 3 Uhr, die meistens Feuerwehrleute befinden sich im Tiefschlaf, als sie von der Leitstelle unsanft über ihre kleinen Piepser (Meldeempfänger) geweckt werden. Innerhalb weniger Minuten ist das erste Fahrzeug einsatzbereit und rückt aus, weitere folgen im Minutenabstand.

Doch weder Polizei noch Feuerwehr können trotz intensiver Suche die Ursache ausfindig machen. Nach zwei Stunden können die Feuerwehrmänner und -frauen wieder zurück ins Bett. Doch halt, jetzt, so kurz vor sechs, beginnt ja schon für die meisten der Arbeitstag. Schnell unter die Dusche, bisschen was frühstücken und dann geht es für die meisten mit viel zu wenig Schlaf zur Arbeit.

Eigentlich sind solche Einsätze gar nicht erwähnenswert. Aber es sollte nicht der einzige an diesem Tag bleiben. Was mit einem Knall mitten in der Nacht begann, endet weit nach Mitternacht mit Sandsackschleppen in Unterbalbach. Doch der Reihe nach.

Gewitterfront

Gegen Mittag zieht eine erste Gewitterfront mit Sturm und Starkregen über das Taubertal und Lauda-Königshofen. In rascher Folge gehen mehrere Notrufe bei der Leitstelle ein. Mehrere Bäume liegen entwurzelt auf der Straße, sind teilweise auf parkende Autos gestürzt. Glücklicherweise sind keine Personen in den Fahrzeugen. Trotzdem ein Fall für die Feuerwehrleute.

Routiniert und professionell werden die Hindernisse beseitigt, so dass sie keine Gefahr mehr darstellen. Auch die Abteilung Gerlachsheim hat mehrere Schadensstellen. 13 Einsatzstellen werden an diesem Nachmittag abgearbeitet.

Noch sind nicht alle Gerätschaften wieder aufgeräumt, kommt der nächste Hilferuf. Zum wiederholten Mal bleibt der Aufzug im Bahnhof Lauda stecken. Ein Teil der Feuerwehrleute wird von der Unwettereinsatzstelle abgezogen und eilt den eingeschlossenen Bahnkunden zur Hilfe. Eile ist geboten.

Bei den hochsommerlichen Temperaturen in einem Aufzug eingeschlossen zu sein, das kann leicht zu einem gravierenden medizinischen Notfall werden, zumal man davon ausgehen kann, dass der Aufzug in erster Linie von älteren Personen oder Menschen mit körperlichen Einschränkungen benutzt wird. Verärgert, weil Anschlusszug verpasst, aber dennoch glücklich sind die Personen, als sie von der Feuerwehr aus dem schwülen, stickigen „Gefängnis“ befreit werden.

Das Befreien von Personen aus den Aufzügen am Bahnhof ist inzwischen Routinearbeit für die Feuerwehr, mehr als 20 mal wurde die Feuerwehr bisher schon gerufen.

Kaum ist alles aufgeräumt, die Fahrzeuge wieder einsatzbereit im Gerätehaus, da zieht die nächste Gewitterfront über das Stadtgebiet. Und diesmal kommt es richtig heftig. Die ersten Notrufe betreffen Unterbalbach, schnell kommen weitere Einsatzstellen in Oberbalbach, Königshofen und Heckfeld dazu.

Am Ende sind es 90 Einsatzstellen im Stadtgebiet Lauda-Königshofen. Besonders betroffen ist Unterbalbach. Schnell wird klar, dass hier alle Kräfte gefordert sind. Sämtliche Abteilungen aus Lauda-Königshofen werden nach Unterbalbach beordert. Unterstützung kommt aus Boxberg und Tauberbischofsheim. Koordiniert werden die Einsätze im Gerätehaus Lauda von der Führungsgruppe der Feuerwehr.

Vor Ort werden zwei Einsatzabschnitte gebildet, im Einsatzabschnitt Tal übernimmt der stellvertretende Stadtkommandant Christopf Volk die Einsatzleitung, während der Einsatzabschnitt Berg vom Stadtkommandanten Jürgen Segeritz gemanagt wird. Hier hat sich eine Geröll- und Schlammlawine mit enormen Wassermassen durch die Straßen gewälzt. Vollgelaufene Keller, Schlamm in Wohnzimmern und Garagen, kaum befahrbare Zufahrtwege. Die Hilferufe gehen im Sekundentakt bei der Feuerwehr ein. Bürgermeister Thomas Maertens macht sich persönlich ein Bild vom Ausmaß des Schadens. „Ich bin froh, dass wir über eine so leistungsfähige Feuerwehr verfügen, was hier geleistet wird, ist großartig“, so das Stadtoberhaupt.

Mehr als 200 Helfer

Zeitweise sind mehr als 200 Helfer vor Ort. Verstärkt wird die Feuerwehr durch das THW, Ortsgruppe Igersheim. Auch der Bauhof ist mit Gerät und Manpower an der Einsatzstelle. Und sie werden alle gebraucht. Gilt es doch, die Häuser oberhalb der „Von Baldersheim Straße“ mit einer mehrere 100 Meter langen Sandsackbarriere zu schützen.

Weit nach Mitternacht werden mit Unterstützung diverser Baufirmen Sandsäcke aus Tauberbischofsheim angekarrt. Zudem werden die Sandkästen mehrerer Spielplätze „geplündert“, um Sandsäcke zu füllen. In einer Menschenkette werden die Lkw entladen, weil eine Zufahrt für die schweren Baufahrzeuge nicht möglich ist. Knochenarbeit für die Feuerwehr, zu einer Zeit, wo die meisten Menschen schon friedlich vor sich hin träumen. Für manche „Feuerwehrler“ ist es der vierte Einsatz an diesem Tag. Müde, hungrig, dreckig und noch ist kein Ende in Sicht. „Durchhalten“ ist angesagt. Das Bett wird in dieser Nacht unbenutzt bleiben. jüsch