Lauda / Königshofen

Aufbereitungsanlage In der Bürgerfragestunde brachten sich die Gegner des Projekts am geplanten Standort nochmals in Stellung und unterstrichen ihre Forderungen / Statement von Eberhard Köhler

Firma Konrad Bau will „zeitnah ins Geschäft einsteigen“

Archivartikel

Lauda-Königshofen.Was wird die Sitzung des Gemeinderats wohl bringen hinsichtlich des weiteren Vorgehens in Sachen Aufbereitungsanlage? Die große Zahl an Zuhörern, darunter mehr als 100 Gerlachsheimer, war ein Indiz dafür, wie sehr diese Thematik unter den Nägeln brennt. Und wen wundert’s, dass die einleitende Bürgerfragestunde ein dominierendes Thema hatte, wobei Vertreter der Bürgerinitiative nochmals ihren Standpunkt verdeutlichten und an die Räte appellierten, das Ergebnis des „Runden Tischs“ unverändert zu übernehmen.

Zunächst ergriff Eberhard Köhler, Geschäftsführer von Konrad Bau, das Wort. Die Diskussion am „Runden Tisch“ habe er als „konstruktiv und gut“ erlebt. Jedoch habe er jetzt Zweifel daran, dass es durch das Resultat im Nachhinein gelungen sei, „den Umgang zu verbessern“. Er habe die fehlende Kommunikation eingesehen und sich dafür entschuldigt. In dieser Hinsicht müsse allerdings auch mal gut sein.

Köhler machte gleichzeitig keinen Hehl daraus, dass sein Unternehmen „zeitnah ins Geschäft einsteigen möchte“ – und meinte damit konkret die Aufbereitungsanlage. „Wir sind gesprächsbereit“ dahingehen, die Alternativstandorte zu prüfen, er zeigte sich aber wenig optimistisch dahingehend, dass es zeitnah ein Resultat geben werde. Die Standorte an der B 290 bezeichnete er als „dickes Brett“, das in kurzer Zeit nicht zu schaffen sei. Er plädiere aber für eine schnelle Lösung und wehrte sich gegen Aussagen, wonach der eigentlich ins Auge gefasste Standort „Pfützenäcker“ politisch verbrannt sei. Ob dieser Standort damit definitiv zu den Akten gelegt werden könne? „Mit mir nicht“, so Köhlers klare Aussage.

„Unser Lenkungskreis besteht nach wie vor“, begann Eleonore Seubert, Mitglied der Bürgerinitiative, ihren Beitrag. „Und unser Widerstand ist breit aufgestellt.“ Ihre Seite sei mit viel Skepsis zum „Runden Tisch“ angetreten, „weil die vorausgehenden Geschehnisse jegliches Vertrauen zunichtegemacht hatten“. Sie unterstrich ihre Aussage bewusst mit einigen Stichworten: „Manipulation“, „Fehlinformation“, „Absprache hinter den Kulissen“, „Verdreifachung der Menge“ oder „durchgerutscht“.

Und sie zitierte Stadtrat Marco Hess, der davon gesprochen hatte, alle sollten „was war vergessen und nach vorn schauen“. „Für uns wird es kein Vergessen geben. Wie kann man nach vorn schauen, wenn man vergisst, was war? Wie kann man nach vorn schauen, wenn man die Betroffenen ignoriert oder gar diffamiert?“ Die Bürger engagierten sich für eine gute Sache: für eine lebenswerte Zukunft in Gerlachsheim. „Deshalb setzen wir unsere Energie, unsere Zeit, unser Erspartes ein, um für uns und unseren Ort zu kämpfen“, teilte sie unter viel Beifall mit.

Zwei Gründe habe es gegeben, so Seubert weiter, weshalb die BI am „Runden Tisch“ teilgenommen habe: Man wollte sich dem Gespräch nicht verweigern und dem Ziel der Einrichtung, einen alternativen Standort zu finden, eine Chance geben. Durch den Zusatz in Punkt sechs der Empfehlung „in beantragtem Umfang“, gebe es einen plumpen Versuch, den bisher vorgesehen Standort doch weiter im Auge zu behalten. Es sei nicht hinnehmbar, im Sinne von Eberhard Köhler nachträglich Änderungen vorzunehmen. „Wir Bürger von Gerlachsheim haben dieses Spiel endgültig satt“, sagte Eleonore Seubert abschließend. „Öffnen Sie keine Hintertüren. Zeigen Sie, dass Sie Fehlentscheidungen wieder gut machen wollen“, so ihr eindringlicher Appell ans Gremium.

„Es scheint so, als wollen Sie, Herr Bürgermeister, und Ihre Verwaltung, immer noch die Anlage am bisher geplanten Standort ‘Pfützenäcker“ umsetzen“, vermutete Seuberts BI-Kollege Alexander Kremer, durch dessen Recherchen, unter anderem bezüglich der Anliefermengen, der Stein erst so richtig ins Rollen gekommen war. Denn eines sei doch klar: „Wenn die Bauarbeiten für Kanalisation und Halle erst einmal begonnen haben, wird die Anlage dort dauerhaft in Betrieb gehen und in Zukunft auch die Erhöhung der Durchsatzmengen erfordern“. Alles andere sei Augenwischerei.

Beim vorletzten Treffen des „Runden Tischs“, so Kremer direkt an die Adresse von Thomas Maertens, „machten Sie, Herr Bürgermeister, und die Stadtverwaltung keinen Vorschlag zur Empfehlung und Sie sagten, dass Sie den sich durchsetzenden Mehrheitsbeschluss akzeptieren und diesen auch aktiv unterstützen werden.“ Mit dem Vorschlag, bezüglich Punkt sechs, „machen Sie für uns Gerlachsheimer anscheinend schon wieder eine Rolle rückwärts.“ Als Mitglied des „Runden Tischs“ erwarte er, dass der Mehrheitsbeschluss korrekt aufgenommen werde, „das sind Sie den Gerlachsheimern schuldig“.

Nach weiteren Redebeiträgen – während des letzten einer aufgewühlten Gerlachsheimer Bürgerin forderte Stadtrat Werner Kilb aus dem Hintergrund „Wir müssen uns so einen Mist nicht anhören“, ohne dafür von Bürgermeister Thomas Maertens zur Ordnung gerufen zu werden – folgte später die Abstimmung (siehe weiteren Bericht). Und den Ausgang bezeichneten BI-Vertreter als „Etappensieg“, der sie in Sachen anstehende VGH-Verhandlung etwas optimistischer nach vorn blicken lasse.