Lauda / Königshofen

Zentrum für Persönlichkeitsentwicklung Professor Dr. Steffen Hillebrecht referierte zum Thema „Rechnen Sie mit der Gesundheit Ihrer Mitarbeiter“

Fitte Mitarbeiter garantieren gute Ergebnisse

Archivartikel

„Rechnen Sie mit der Gesundheit Ihrer Mitarbeiter“ lautete das Thema eines Vortrags mit Workshop-Charakter beim Zentrum für Persönlichkeitsentwicklung (ZfP) Tauberfranken im i_Park.

Lauda-Königshofen. Referent war Professor Dr. Steffen Hillebrecht von der Hochschule Würzburg-Schweinfurt (FHWS), der in seinem Vortrag über die Berechenbarkeit des Nutzens betrieblicher Gesundheits-Maßnahmen berichtete.

Das ZfP unterstützt Mittelstandsbetriebe mit interdisziplinären Beratungsleistungen zum Gesundheits- und Personalmanagement unter ärztlicher Leitung. Ziel ist, dass Fach-/Führungskräfte und Schlüsselmitarbeiter die aktuellen Herausforderungen der Arbeitswelt sowie den Wandel in Technologie und Veränderungsprozessen effizient und nachhaltig meistern können.

Zahlreiche Publikationen

Hillebrecht ist seit 2009 Professor an der Fakultät Wirtschaftswissenschaften der FHWS in Würzburg. Seine Aufgabenbereiche sind unter anderem Betriebswirtschaft und Personalmanagement. Zudem hat Hillebrecht zahlreiche wissenschaftliche Publikationen und Werke verfasst wie zum Beispiel 2016 ein Arbeitsbuch „Burnout“ für Unternehmensberater, Führungskräfte und Betriebsräte auf Basis der von ihm initiierten „Würzburger Burnout-Studie“ sowie 2018 ein Springer-Essential zu „Sabbaticals in der Personalentwicklung“.

Im Mittelpunkt seines Vortrags stand die Berechnung des „Return on Investment“ (ROI) bei Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM). Arbeitsschutz, betriebliches Eingliederungsmanagement und betriebliche Gesundheitsförderung bezeichnete Hillebrecht als wesentliche Ecksäulen des BGM. Während die beiden ersten Säulen Pflichtaufgaben des Arbeitgebers seien, handele es sich bei einer Gesundheitsförderung im Betrieb um eine freiwillige Leistung. Da diese Geld und Zeit koste, müsse man sich als Ökonom fragen, was sie am Ende bringe.

Rund 2000 Studien

Laut einer Metastudie der AOK von 2015, die auf der Auswertung von weltweit rund 2000 Studien basiere, ergebe der ROI für jeden in BGM investierten Euro im Durchschnitt einen Ertrag von 2,70 Euro. Positive Effekte und inhaltliche Vorteile des BGM seien bis zu 25 Prozent weniger Tage mit Arbeitsunfähigkeit von Arbeitnehmern, weniger so genannter Präsentismus (alle Tage mit weniger als 50 Prozent Leistung), höhere Arbeitsleistung während der Anwesenheitszeiten, weniger Fehler in Produktion und Dienstleistung, mehr Mitarbeiterzufriedenheit und -bindung sowie mehr Kommunikation und weniger Verluste. „Kurz gesagt – ein deutliches Plus an Leistung“ unterstrich der Referent.

Ein häufiger und typischer Grund für lange krankheitsbedingte Fehlzeiten sei das „Burnout-Syndrom“. Laut der von Hillebrecht initiierten „Würzburger Burnout-Studie“ seien 14 von 22 Unternehmen sowie im Schnitt jährlich ein bis drei Personen pro etwa 400 bis 500 Mitarbeiter davon betroffen. Die durchschnittliche Erkrankungs- und Ausfalldauer bezifferte der Referent auf sechs bis 15 Monate. Hinzu kämen schwierige und langwierige Wiedereingliederungsphasen, die womöglich mit nur dreistündiger Arbeitszeit täglich oder einem Arbeitstag pro Woche beginnen würden.

„Führungskräfte gehen mit Vorbild voran und sorgen auch für sich selbst“, betonte der Professor. Als Beispiel erwähnte er eine tägliche sportliche Aktivität für 30 Minuten auf einem Trimmrad im Betrieb. „Führen, fördern und fordern“ laute eine hauptsächliche Devise. Handlungsempfehlungen seien auf der strategischen Ebene Führungskultur, Verantwortlichkeiten, Analysen und Schulungen. Als Maßnahmen auf der operativen Ebene empfahl Hillebrecht zum Beispiel die Einführung von Gesundheitstagen, das Anbieten eines „Bio-Essens“, Wellness- und Fitnessangebote sowie die Kooperation mit einem Sport- und Fitnessstudio. Anhand von Exempeln berechnete er die Maßnahmenkosten für freiwilliges BGM und deren ROI. „Wenig, aber sinnvoll und akzeptiert“, laute die Definition eines zweckmäßigen Budgets. Nach gesetzlicher Grundlage seien Ausgaben für Maßnahmen des BGM bis zu einer Höhe von 500 Euro pro Jahr und Mitarbeiter steuerfrei.

Programm präsentiert

Zum Abschluss der Veranstaltung präsentierte ZfP-Geschäftsführer Dr. Michael Majer das Employee Assistance Programm (EAP), das vom ZfP ab dem zweiten Quartal 2018 angeboten wird. EAP wird in der Regel für Mitarbeiter von Unternehmen anonym per Telefon-„Hotline“ angeboten und umfasst vor allem professionelle Beratungsangebote zu gesundheitlichen, psychologischen und sozialen Fragestellungen. Das ZfP bietet dafür ein Team aus Ärzten, Psychologen, Pädagogen und Mediatoren an. Nutzen sind laut Majer beispielsweise eine höhere Chance zur Früherkennung von Stress-Folgeerkrankungen, eine raschere Aufdeckung und Bearbeitung der „Effizienz-Killer“ Mobbing und Konflikte, eine höhere Mitarbeiterbindung und -motivation, die Reduktion von Fehlzeiten, die Steigerung der Produktivität und die Wahrnehmung der Fürsorgepflicht durch das Unternehmen.

Ein weiterer Vorteil des EAP-Programms liegt in der regionalen Verankerung des ZfP. In Lauda haben Betroffene die Möglichkeit, sich über die telefonische Betreuung hinaus rasch auch individuell beraten zu lassen. Daher ist das Angebot für Unternehmen interessant.