Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur geplanten „Bodenverbesserungsanlage“ in Gerlachsheim

Fragen über Fragen brennen auf Nägeln

Beim Thema „Bodenverbesserungsanlage“ – schon allein der Begriff ist ein Hohn – drängt sich mir der Eindruck auf, Bürger, die den Bau dieser Anlage verhindern wollen oder auch nur unbequeme Fragen stellen, sollen durch kostenpflichtige Widerspruchsverfahren zugunsten wirtschaftlicher Interessen weniger mundtot gemacht werden.

Meinen Widerspruch habe ich mit folgendem Schreiben (hier leicht gekürzt) an das Landratsamt Main-Tauber-Kreis innerhalb der mir gesetzten Frist zurückgezogen:

… Ich möchte betonen, dass ich mit der Erteilung der Genehmigung für die Errichtung und den Betrieb einer Anlage zur Lagerung und Behandlung von nicht gefährlichen Abfällen sowie zum Be- oder Entladen von Schüttgütern der Firma Hch. Konrad Bau GmbH &Co. KG weiterhin nicht einverstanden bin. Den Widerspruch ziehe ich nur zurück, weil mir sonst Kosten auferlegt werden können, auf deren Höhe ich gar keinen Einfluss habe.

Ich habe allergrößte Bedenken bezüglich des sich zwangsläufig steigernden Verkehrsaufkommens – insbesondere Lastverkehr, der zu erwartenden Staubbelastung, der Lärmbelastung.

Dass die Erschütterungen für die Gebäude – wir haben hier ja besonders wertvolle und erhaltenswerte historische Bauten, aber das gilt auch für private Immobilien – nicht förderlich sind, liegt auf der Hand. Auch für die Bevölkerung ist das erhöhte Verkehrsaufkommen ein Angriff auf die Gesundheit.

Warum kann eine solche Anlage nicht in einem reinen Industriegebiet errichtet werden?

Soll man all die Lkw durch eine Ortschaft leiten?

Attraktivitätssteigerung?

Aktuell ist geplant, dass die Gemeinde viel Geld in den Klostervorplatz investiert. Steigert das die Attraktivität (für Einwohner, aber auch für den Tourismus), wenn der Lieferverkehr Tag für Tag daran vorbeirumpelt?

Nimmt unsere historische Grünbachbrücke Schaden, wenn sich mehrere Lkw darüber „verirren“?

Nach dem Lesen der Genehmigung mit ihren Listen (ab Seite 1) bezweifle ich außerdem sehr, dass es sich bei den Abfällen um „nicht gefährliche Abfälle“ handelt. Deshalb befürchte ich zusätzlich zu der Schadstoffanreicherung der Luft mit Abgasen und Stäuben, eine Kontaminierung des Bodens – der Gerlachsheimer Boden wird durch die Anlage ganz sicher nicht verbessert! – und des Wassers.

Um die Staubbelastung zu reduzieren, ist vorgesehen, die Abfälle mit Wasser zu besprühen oder zu benebeln (Seite 11 Punkt 2.15). Wohin wird dieses Wasser geleitet? Lässt man es an Ort und Stelle versickern und belastet unser Grundwasser oder fließt durch unsere Kläranlage in die Gewässer? Privatleute werden zu Recht aufgefordert, die Umwelt zu schützen. Warum wird es Firmen auf derart ungeeignetem Gelände und mit solch schlechter Verkehrsanbindung für diesen Zweck erlaubt, solche Anlagen zu betreiben?

Nur weil es für die Firma bequem ist, weil sie sowieso dort ihren Sitz hat und das vorhandene Personal die zusätzlichen Aufgaben, die nicht tagesfüllend sind, dann miterledigen kann? Muss darunter ein ganzer Stadtteil leiden?

Laut Seite 12 Punkt 2.25 werden die Abfälle auf dem Betriebsgelände bis zu einem Jahr gelagert. Geschieht das im Freien?

Gibt es hier ebenfalls eine Belastung durch versickerndes Regenwasser, das diverse Stoffe unkontrolliert aus dem Lagermaterial ausleitet?

Was mich als Laie ebenfalls interessiert: Wie aussagekräftig sind denn die Eluatwerte wenn „gilt, dass Material in der Kornverteilung zu untersuchen ist, in der es verwertet werden soll.“ (Seite 3), also im Ursprungszustand. Würden nicht logischerweise erheblich höhere Werte entstehen, wenn das Material nach dem Brechen, also bei kleinerer Körnung untersucht würde? Dann würde doch ganz sicher eine höhere Schadstoffkonzentration ausgespült werden, oder nicht? Möchte man gerade diese Ergebnisse in den Prüfprotokollen vermeiden?

Obwohl bereits jetzt die Genehmigung die in der Informationsveranstaltung im Jahr 2015 öffentlich gemachte und auch die dem Gemeinderat zum Beschluss vorgelegte Kapazitätsgrenze bei Weitem übersteigt, klingt in eben dieser Genehmigung bereits eine weitere „erhebliche Änderung“ (Seite 8 Punkt 1.6) an. Also noch mehr Abfälle, die angeliefert, möglicherweise zerkleinert, gelagert und abtransportiert werden und noch mehr Verkehrsaufkommen?

Diese und weitere Fragen brennen mir und auch anderen Bürgern unter den Nägeln. Wir sorgen uns um unsere Wohn- und Lebensqualität!

Wieso nahe eines Wohngebiets?

Uns ist klar, dass solche Einrichtungen sinnvoll und wichtig sind. Was uns bisher nicht verständlich gemacht wurde ist, wieso diese in unmittelbarer Nähe zu einem Wohngebiet und mit derart eingeschränkten Zu- und Abfahrtswegen ohne Rücksicht auf Verluste eingerichtet werden soll . . .