Lauda / Königshofen

Vortrag Dr. Rüdiger Doßmann sprach zum interessanten Thema „Tiefenpsychologische Aspekte von Führung“

Für den eigenen Chef motiviert durch das Feuer gehen

Archivartikel

Lauda-Königshofen.„Tiefenpsychologische Aspekte von Führung“ war Thema eines Vortrags mit Workshop-Charakter von Dr. Rüdiger Doßmann bei der ZfP Tauberfranken im i_Park in Lauda. Der Referent ist Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie, Sozialmedizin sowie Facharzt für Psychotherapeutische Medizin, Psychoanalyse mit umfangreicher Lehrtätigkeit unter anderem am Würzburger Institut für Psychoanalyse und Psychotherapie (WIPP).

In seinem Vortrag im Rahmen der Veranstaltungsreihe „events@ZfP“ erläuterte Doßmann unter dem Motto „Motivation, Führung und Leistungsfähigkeit – Erfolg braucht eine gesunde Basis“, was Unternehmer und Führungskräfte dafür tun können, damit ihre Mitarbeiter für sie „durchs Feuer gehen“.

Der Referent ging jedoch nicht nur dieser Kernfrage präzise auf den Grund, sondern präsentierte auch spannende und einfache Lösungsräume zur sofortigen Umsetzung. Er erörterte anschaulich psychische Mechanismen, die dem Erhalt von Kompetenz und Effektivität von Führungskräften einerseits sowie von Arbeitsmotivation und psychischer Stabilität von Mitarbeitern andererseits dienen. Dabei standen unter anderem Bedürfnisse und Probleme von Geführten, Möglichkeiten und Grenzen von Motivation, Tipps zum besseren Führen sowie der Erhalt der Führungskompetenz im Fokus.

Ein klarer Zusammenhang

„Es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen der Art und Weise, wie Beschäftigte ihre Arbeit erleben und ihrer Gesundheit“, verdeutlichte Doßmann anhand einer Studie der AOK von 2016. Demnach klagen bei schlechter Unternehmenskultur 66 Prozent der Beschäftigten über psychische Beschwerden gegenüber 33 Prozent bei guter Unternehmenskultur. Zudem sei der Anteil von Mitarbeitern mit körperlichen Beschwerden bei schlechter Unternehmenskultur dreimal so hoch wie bei guter Unternehmenskultur (27 gegenüber neun Prozent). Darüber hinaus gebe es zahlreiche Faktoren psychischer Labilisierung durch Ereignisse im Privatbereich wie zum Beispiel Erkrankung oder Tod eines nahen Familienmitglieds.

Vor diesen Hintergründen komme einem sozial unterstützenden Verhalten durch Führungskräfte eine essenzielle Bedeutung zu. Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung besitzt es einen deutlichen und zeitlich unmittelbaren positiven Einfluss auf die Leistungen der Mitarbeiter.

Allerdings müsse man darin eine kontinuierliche Aufgabe, da die Wirkung nicht lange anhalte. Sie beinhalte nicht nur instrumentelle und kognitiv-emotionale Unterstützung, sondern gleich gewichtet auch die schlichte Erreichbarkeit. „Eine Führungskraft, die zwar eine ausgeprägte Fähigkeit zu sozialer Unterstützung hat, jedoch selten anwesend oder nicht erreichbar ist, unterstützt ihre Mitarbeiter nicht optimal“, betonte Doßmann.

Voraussetzungen für erfolgreiches Führen auf individueller Ebene seien die Bereitschaft, sich selbst kennen zu lernen und sich die Zeit für eine ehrliche Analyse zu nehmen. Langfristiger Erfolg könne nur durch Wissen gesichert werden, worauf der Erfolg beruhe. „Soziale Sensibilisierung sollte ein ständiger Prozess werden“, unterstrich der Psychoanalytiker. Als Merkmale einer „idealen Führungspersönlichkeit“ nannte er unter anderem Intelligenz, persönliche Aufrichtigkeit und Unbestechlichkeit, die Fähigkeit zur qualifizierten Beziehungsgestaltung, einen „gesunden“ Narzissmus sowie eine moderate antizipatorische paranoide Haltung.

Im zweiten Teil der Veranstaltung stellte ZfP-Geschäftsführer Dr. Michael Majer, Facharzt für Chirurgie und Facharzt für Chirurgie und Arbeitsmedizin, Notfallmedizin, Psychotherapie, in einem Kurzvortrag das ZfP-Programm „Gesunde Führung“ vor. Jede Führungskraft habe mehrere stets verantwortungsvolle Aufgaben in Unternehmen. Dabei könne sie für andere Belegschaftsmitglieder Ressource und Stressor zugleich sein.

Viele Kompetenzen vorhanden

Viele Kompetenzen seien vorhanden oder könnten leicht erlernt und praktiziert werden. Andere hingegen stellen einen Eingriff in die Gesundheit, das Gefühlsleben oder das Unterbewusstsein dar.

Langfristige Veränderungen könnten nur durch Einstellungs- und Verhaltensänderungen erzielt werden. „Nicht jeder kann jedoch mit Wandel, Veränderungen oder Druck gleich gut umgehen“, gab Majer zu bedenken.

Gesunde Führung müsse dem konstruktiv begegnen und Veränderungen letztlich im Sinne des Unternehmens positiv nutzbar machen.

Das ZfP unterstütze hierbei mittelständische Unternehmen, Führungskräfte und Teams durch seine medizinisch-psychologischen Kernkompetenzen zur Klärung des wirklich, weil tieferliegenden Problems sowie zur Stärkung der eigenen Möglichkeiten und Lösungsräume für Veränderung, um Herausforderungen effizient und effektiv nachhaltig selbst managen zu können.

Im Anschluss an die Vorträge hatten die Teilnehmer Gelegenheit zu Fragen an die Referenten sowie zu Diskussionen und individuellen Gesprächen. pdw