Lauda / Königshofen

„Gerlachsheimer Mon(d)tage“ Vortrag zum Thema „Was Europa zusammen hält“

„Gemeinsame Werte verbinden uns“

Archivartikel

„Was Europa zusammen hält“ war Thema eines Vortrags im zweiten Teil der „Gerlachsheimer Mon(d)tage“ im Josefshaus.

Gerlachsheim. „Was uns verbindet – Von unruhigen Zeiten und Zeichen der Hoffnung“ lautet das Motto der „Gerlachsheimer Mon(d)tage 2019“, einer seit langem etablierten, jährlich stattfindenden und jeweils dreireihigen Vortrags- und Diskussionsserie, die in einer Kooperation von der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Josefshaus in Gerlachsheim präsentiert wird. Referent zum Thema „Was Europa zusammen hält“ war diesmal Hermann Kroll-Schlüter, Staatssekretär a.D. und ehemaliger Bundesvorsitzender der KLB aus Warstein.

Jeder Mensch sei einerseits ein Individuum, zugleich allerdings auch gesellschaftlich sozial ausgerichtet und eingebunden, betonte Kroll-Schlüter eingangs seines Vortrags. „Wenn er diese Natur missachtet, gelingt nichts mehr“, prognostizierte er. „Die Kritik an Europa ist inzwischen größer als die Begeisterung für ein gemeinsames Europa. Wir brauchen jedoch ein gemeinsames Europa, das Antworten auf die Anforderungen dieser Zeit hat und gibt“, gab er zu Bedenken. Vor rund 60 Jahren habe es einen europäischen Narrativ gegeben, bei dem Frieden, Freiheit und Versöhnung sowie eine europäische Union mit wirtschaftlich geprägten Austausch und offenen Grenzen im Mittelpunkt gestanden seien. Dieser Narrativ erreiche allerdings viele Menschen nicht mehr.

Viele Nationen und Kulturen

Europa bestehe aus vielen Nationen, Kulturen und Traditionen sowie aus vielen verschiedenen Menschen. Heute sei Europa ein Verbund von Staaten, die einen Teil ihrer Souveränität vergemeinschaftet haben, wobei die Staaten Quelle der Souveränität seien und blieben. Die europäische Einheit werde also ein dauerhafter Prozess sein, dessen Legitimation sich aus den großen Aufgaben ergebe, die Europa nur gemeinsam lösen könne.

„Was uns verbindet, sind unsere gemeinsamen Werte. Grundlage für sie ist die Menschenwürde. Jeder Mensch ist Gottes Ebenbild und beansprucht damit Personalität, Individualität und Freiheit“, hob Kroll-Schlüter hervor. Die EU werde vom europäischen Menschenbild und dieses gründe im Christentum sowie in der Aufklärung geprägt. „Hier liegen die Wurzeln der unantastbaren Menschenwürde, der Menschenrechte und der rechtsstaatlichen Demokratie“.

Ein gemeinsames Europa existiere nicht aus sich per se heraus, sondern brauche sowohl eine politische als auch eine geistige Legitimationsgrundlage. Zudem benötige es aus 27 Mitgliedsstaaten bestehend eine gemeinsame Wertegrundlage. Dabei könne in Europa die christliche Wertgrundstellung nicht unberücksichtigt bleiben. „Menschen brauchen religiöse Orientierung und haben sie immer gebraucht. Die weltliche Werteordnung unseres Landes und Europas trägt sich nicht von selbst, sondern ist an Voraussetzungen gebunden, nämlich an religiöse Begründungen von Freiheit und Menschenwürde“.

Sie beanspruche diese Voraussetzungen für die Lebendigkeit und Stabilität der Freiheit und der Achtung der Menschenwürde. „Der moderne Staat gründet auf Freiheit und Menschenwürde, die an religiöse Wurzeln gebunden sind. Wir erkennen auch vor diesem Hintergrund, dass christliche Erneuerung gefragt ist“, konstatierte Kroll-Schlüter“.

„Wo Begegnung ist, wächst Verständnis, wo Verständnis ist, wächst Freundschaft, und wo Freundschaft ist, wächst Frieden“, zitierte er den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker.

Daher seien stetiger Dialog und kontinuierliche Begegnungen essentieller Bestandteil eines gemeinsamen Europas. „Europa ist und bleibt ein Friedensprojekt“, betonte der Referent.

Entscheidende Grundlagen seien darüber hinaus das Subsidiaritätsprinzip, bei dem die Menschen die Freiheit hätten, selber mitgestalten zu können, eine gemeinsame Rechtsgrundlage sowie eine nationale und regionale Identität.

„Wir brauchen ein gemeinsames Europa für eine starke europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik, eine humane Migrationspolitik, eine partnerschaftliche Entwicklungspolitik, eine nachhaltige Umwelt- und Klimapolitik, eine aktive Gestaltung der Digitalisierung sowie eine Stärkung der Währung und Wirtschaftsmacht der EU im Rahmen der Globalisierung“, unterstrich Kroll-Schlüter als weiteres wesentliches Fazit. „Seid laut!“ ist Thema des dritten und letzten Teils der „Gerlachsheimer Mon(d)tage 2019“ am Montag, 25. März, um 19:30 Uhr im Josefshaus (Würzburger Straße 18 bis 20) in Gerlachsheim.

Referent ist Burkhard Hose, Studentenpfarrer der Katholischen Hochschulgemeinde in Würzburg.