Lauda / Königshofen

Gemeinschaftsschule Interessanter Vortrag des Kinderarbeitsexperten Benjamin Pütter

„Ich befreie Kinder aus der Sklaverei“

Lauda-Königshofen.Was passiert gerade jetzt in anderen Teilen der Welt? Eine Frage, mit der sich die Schüler der Gemeinschaftsschule von der vierten bis zur zehnten Klasse in den letzten Wochen auseinandersetzten. Konkret befassten sie sich damit, was gerade jetzt in Indien passiert, besonders wie die Lebensbedingungen der Kinder sind. Höhepunkt dieser Themenwochen bildete ein Vortrag von Benjamin Pütter, der seit 1995 als Kinderarbeitsexperte tätig ist. Er bereiste Indien bereits 86 Mal, um dort gegen Kinderarbeit zu kämpfen. Zurzeit ist er für das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ aktiv. Dort ist er einerseits beratend tätig. Andererseits kontrolliert er auch unangemeldet die geförderten Projekte.

Dass Benjamin Pütter Kinder besonders am Herzen liegen, spürt man in den ersten Minuten: Er möchte die Schüler zum Nachdenken bringen, indem er Bilder sprechen lässt: Bilder von Kindern, die Ziegel fertigen, Räucherstäbchen drehen, Teppiche knüpfen, im Steinbruch arbeiten, Patronen anfertigen; Bilder von Kindern mit zerschundenen Händen und Füßen. Dabei gelingt es ihm, die Distanz zwischen Lauda-Königshofen und Indien zu überbrücken, indem er die Namen der fotografierten Kinder nennt, aus ihrem Leben erzählt.

Benjamin Pütter lebt für diese Kinder, dafür, ihnen zu Recht auf Bildung zu verhelfen. Anschaulich berichtet er, wie gefährlich es ist, Kinderarbeit aufzudecken. Genau deswegen glaubt man ihm auch auf Anhieb seine Feststellung: „Ich befreie Kinder aus der Sklaverei.“

Doch nur zum Nachdenken anregen reicht Pütter nicht. Er möchte Alltagsroutinen verändern, auch andere dazu bringen, die Welt ein bisschen fairer zu machen. Dies erreicht er durch zwei simple Fragen: Zunächst erkundigt er sich bei den Schülern, wer gegen Kinderarbeit ist. Keine Frage, dass da alle Hände nach oben gehen. Die Antwort auf die zweite Frage ist hier schon schwieriger. Benjamin Pütter möchte wissen, wer etwas von Kinderarbeit hat. Überraschung und Schweigen breitet sich im Raum aus und die Aufmerksamkeit der Schüler ist ihm weiterhin sicher.

Wie diese Frage gemeint ist, wird den Kindern und Jugendlichen schnell klar: Schokolade, Gummibärchen, Kleidung, Schuhe, Smartphones – mit Beispielen aus ihrem alltäglichen Konsum zeigt Pütter auf, welche Produkte mit Kinderarbeit hergestellt wurden. Er erläutert aber auch, welche Möglichkeiten es gibt, fair zu konsumieren: Die Schüler erfahren, welches Siegel faire Produkte kennzeichnet oder welche App sie zu fairer Kleidung führt. Nicht abgehoben und kompliziert, sondern lebensnah und einfach umsetzbar sind seine Tipps. Darüber hinaus regt er aber auch weiteres Engagement bei den Schülern an, zum Beispiel durch den Verkauf fairer Schokolade an der Schule.

Dass sich die Schüler der Gemeinschaftsschule Lauda-Königshofen hier schon auf den Weg gemacht haben, zeigte das gut gefüllte Spendenkässchen, das Konrektor Dr. Rainer Gsell zum Abschluss an Benjamin Pütter übergab. Es enthält den Erlös von verschiedenen Aktionen, die die Schüler im Rahmen der Themenwochen zugunsten der indischen Kinder organisiert hatten.