Lauda / Königshofen

Jahreshauptversammlung Turnverein Königshofen zieht überwiegend positive Bilanz

„Immer in Bewegung bleiben“

Archivartikel

Vereinssport ist attraktiv, Vereinssport verbindet – er steht aber auch vor Herausforderungen: Das wurde bei der Jahreshauptversammlung des TV Königshofen deutlich.

Königshofen. Rund 90 Personen, etwa zehn Prozent der gesamten Mitglieder, von denen 35 Prozent Kinder und Jugendliche sind, waren zur Jahreshauptversammlung des TV Königshofen in die vereinseigene Turnhalle gekommen. Eine tolle Quote.

Sie alle lauschten beeindruckt den Berichten des Vorstandes und der Fachwarte. Sie hörten von erfolgreichen Turnern und Leichtathleten, geselligen Veranstaltungen wie der Familienwanderung, fast 200 Sportabzeichen-Abnahmen, dem Jubiläum „50 Jahre Frauengymnastik“, gut ausgebildeten Trainern sowie einer arbeitsreichen, aber auch erfolgreichen Königshöfer Messe. Sie horchten auf, als von 36 Turn-Mädchen im Kindergarten-Alter die Rede war, von der Neuaktivierung von Mitgliedern durch die Donnerstagsgruppe „Rücken fit“ oder der so wichtigen Schulung der Übungsleiter in Sachen Kindeswohl.

Sie verzogen wissend den Mund, als Vorsitzende Waltraud Grünewald die Datenschutzgrundverordnung („in der Sache selbstverständlich, in der Umsetzung ein Bürokratiemonster“) und die Verzögerung bei der Erneuerung des Trennvorhangs in der Halle und des defekten Rolladens („schon drei Firmen beauftragt, keine hat Zeit“) erwähnte. Lacher gab es für die „kostenneutralste Gruppe des Vereins“, die beim Wandern auf „Treppen statt Treppchen“ setzte und Applaus für das Dreierteam um Maike Gibbs, das an der Spitze des Jugendvorstandes seit kurzem Verantwortung übernimmt.

„Wir sind in Bewegung und das müssen wir auch sein“, fasste Grünewald zusammen. Marianne Rutkowski, die den Main-Neckar-Turngau vertrat, wagte ob des breiten Vereinsangebots sogar zu äußern: „Wenn mein Herz nicht schon dem TSV Tauberbischofsheim gehören würde, dann hätte ich es längst an den TV Königshofen verschenkt.“

Was es für einen Verein bedeutet, wenn die Gesellschaft älter, digitaler und individueller wird, wurde anschließend aber auch deutlich. So verkündete Grünewald, dass der Verein 2020 keinen Lumpenball mehr ausrichten wird. Sinkende Besucherzahlen, Fixkosten von Tausenden Euro und ein extrem hoher Arbeitsaufwand, der ehrenamtlich kaum mehr gestemmt werden kann, sind hierfür die Hauptgründe.

Der demografische Wandel offenbart sich aber nicht nur anhand der abnehmenden Lumpenballbesucher. Kassenwartin Marianne Boger berichtete von konstanten rund 960 Mitgliedern. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist dabei relativ stabil, wobei das Einzugsgebiet des Vereins größer wird. Leichte Rückgänge gibt es hingegen bei den jungen Erwachsenen. „Gleichzeitig steigt die Zahl der über 60-Jährigen an. Das wird, dank der vereinstreuen ,Babyboomer’ wohl auch weiter so sein“, so Boger. Sie wies darauf hin, dass diese Generation durchaus aktiv sei und der Verein daran arbeiten müsse, auch weiterhin attraktive Angebote für diese Altersgruppe bereitzuhalten.

Doch ohne genügend Jugendliche und Erwachsene geht es eben auch nicht, wie Grünewalds Co-Vorsitzender Martin Frank anhand der Handball-Abteilung verdeutlichte. Dort mangelt es nicht nur an Spielern, sondern auch an Trainern. „Es wäre nun nötig, dass ehemalige Spieler an anderer Stelle Verantwortung übernehmen“, sagte er. Denn die, die sich engagieren, stoßen langsam an ihre Grenzen. Eine Zusammenarbeit mit anderen Vereinen wird durch die Struktur der Handballkreise – im Taubertal stoßen die badischen auf die württembergischen – erschwert. Trotz dieser Sorgen berichtete Frank aber auch von erfreulichen Dingen: von Mini-Spielfesten, gut besuchten Grundschul-Aktionstagen oder der geplanten Ausrichtung des BHV-Jugendcamps im Juni, für das der Verein noch Helfer sucht.

Bildungsgutschein

Ob solcher Entwicklungen sei es umso erfreulicher, dass mit Ariane Schmitt und Anna Satzinger 2018 zwei weitere junge Mitglieder eine Lizenz erworben haben. Die Kosten dafür wurden zum Teil durch einen Bildungsgutschein getilgt, den der Verein durch die Auszeichnung für sein hervorragendes Übungsleiterkonzept im Erwachsenenbereich im Rahmen des „Gymwelt-Wettbewerbs“ des Badischen Turner-Bundes gewonnen hatte.

Um Kosten ging es auch im Kassenbericht von Marianne Boger. Dass der Verein trotz geringer Beiträge eine positive Bilanz aufweist, ist den wirtschaftlichen Veranstaltungen, insbesondere der mit viel Arbeitsaufwand verbundenen Bewirtschaftung an der Königshöfer Messe zu verdanken. Eine wahre Herausforderung ist die vereinseigene Halle, die das große Sportangebot des TV Königshofen überhaupt erst ermöglicht: Ihr Unterhalt ist teuer - und wird von der Stadt Lauda-Königshofen mit gerade mal 840 Euro pro Jahr subventioniert. Ein Tropfen auf den heißen Stein, muss der Verein doch allein für Strom, Gas und Wasser 7450 Euro pro Jahr aufbringen, wie Boger darlegte. Der Bürgermeister vernahm diese Dysbalance nicht: Er hatte den Besuch der Versammlung leider kurzfristig abgesagt.

Einstimmige Entlastung

Die Kassenprüfer Bruno und Hugo Imhof bescheinigten Boger eine einwandfreie Kassenführung. Die Entlastung erfolgte deshalb genauso einstimmig wie die Neuwahl des nur leicht veränderten Vorstandsteams (siehe Infobox). Mit Ehrungen klang die Versammlung aus. ib