Lauda / Königshofen

90. Geburtstag Anna Möhler feiert an diesem Freitag ihren Jubeltag / Lebensgeschichte ist bittersüß

In Beckstein neue Heimat gefunden

Beckstein.Ihr Start in Deutschland war erzwungen. Trotzdem ist die gebürtige Ungarin heute eine echte Becksteinerin, sagte Anna Möhler im FN-Gespräch stolz. An diesem Freitag feiert sie ihren 90. Geburtstag.

In Ungarn aufgewachsen

Aufgewachsen ist Anna Möhler in Jánossomorja (deutsch St. Johann auf dem Heideboden). Dort besaß ihr Vater ein Haus und 25 Hektar Landwirtschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg, genauer 1946, musste sie jedoch im Alter von 17 Jahren ihre Heimat, Freunde und viele ihrer Verwandten zurücklassen, erinnert sich die Jubilarin. Lediglich ein paar Stunden habe sie Zeit gehabt, ihr wichtigstes Hab und Gut zusammenzupacken. Alles, was nicht in den Koffer passte, musste sie zurückzulassen. Eine Entschädigung habe sie erst vor einigen Jahren bekommen.

Große Überraschung erlebt

Als Heimatvertriebene kam ihre Familie zunächst nach Gerlachsheim. Das sei eine große Überraschung gewesen.

Denn als sie gehört hätten, dass sie nach Baden kämen, hätten sie zunächst gedacht, es handele sich um den Kurort bei Wien in dem nur sechs Kilometer entfernten Österreich. Doch fasste sie in Beckstein Fuß. Und bald traf sie ihre große Liebe Albert, mit dem sie heute noch glücklich verheiratet ist. Wie sie ihn kennenlernte? „Haja, Beckstein ist ja nicht groß. Da trifft man sich beim Tanz“, sagt sie.

Nach ihrer Heirat 1952 kümmerte sie sich aufopferungsvoll um die pflegebedürftige Schwiegermutter. Außerdem half sie ihrem Mann beim Weinbau – vom Schneiden und Binden der Reben im Winter bis zur Lese im Herbst. „Das ist was ganz Neues für mich gewesen. Aber es hat mir viel Spaß gemacht“, erinnert sich Anna Möhler.

Eine Leidenschaft, die sich durch die ganze Familie zieht, ist die Musik. Ihr Ehemann war lange Zeit Dirigent der Winzerkapelle, in welcher heute auch ihr Sohn und ihre Enkel spielen. So ist es nicht verwunderlich, dass Veranstaltungen und Proben des Öfteren die dominierenden Themen am Tisch der Möhlers sind.

Reisen ist ihre Passion

Doch haben sie noch eine weitere Passion: das Reisen. Nachdem sie 1967 das erste Mal wieder in ihre ungarische Heimat gefahren war – eine bittersüße Erfahrung, wie die Jubilarin erzählt – wurde die Familien-Fahrt nach Jánossomorja einmal im Jahr obligatorisch.

Besonders stolz sind Anna und Albert Möhler auf ihre Rundreise durch Israel, bei der sie sich auf die Spuren Jesu und der biblischen Geschichte begaben, dabei unter anderem Jerusalem und Betlehem besichtigten.

Ihren großen Tag verbringt die Jubilarin im Kreis ihrer Freunde und Bekannten. Am Samstag kommen dann die Familienmitglieder aus nah und fern. Darunter sind ihre beiden Söhne und ihre Tochter sowie ihre fünf Enkel und fünf Urenkel. Den zahlreichen Glückwünschen schließen sich die FN gerne an. gs