Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Artikel „Sicherheit war nicht mehr gewährleistet“ (FN, 1. Februar)

Ist der Kosteneinsatz noch verhältnismäßig oder nicht doch völlig überzogen?

Der Mordversuch in der Königshöfer Asylunterkunft soll nicht verharmlost werden. Auch geht es nicht darum, Probleme, die in solchen Häusern auftreten, kleinzureden. Was aber Bürgermeister Maertens auftischt, ist harter Tobak!

Nach dem Auszug der „Ärzte und Ingenieure“ (die sich prächtig integriert hätten), wohne da nur noch der mehr oder weniger kriminelle Rest („beträchtliches Strafregister“). Das sehr einfach in schwarz-weiß gestrickte Weltbild unseres Bürgermeisters.

Und wenn Maertens das Beispiel eines Flüchtlings nennt, der nur deshalb nicht ausgewiesen werden kann, weil ihm im Herkunftsland die Todesstrafe droht, klingt unverhohlen Bedauern mit: „Uns sind die Hände durch unsere Gesetzgebung gebunden.“ Macht das nicht deutlich, was er von humanitär begründeten Gesetzen hält?

Für die Ausgabe von 230 000 Euro und von, wie angekündigt, bis auf weiteres zusätzlichen monatlichen 5000 Euro braucht es – zumal bei der grandiosen Verschuldung der Stadt Lauda-Königshofen in den nächsten Jahren – schon eine sehr stichhaltige Begründung.

Warum muss auch die Unterkunft in Lauda rund um die Uhr bewacht werden, wenn der kriminelle Vorfall in Königshofen geschah?

Und ist eine so umfangreiche und teure Überwachung überhaupt nötig, wenn es sich doch um eine Privatfehde gehandelt hat? Wie frühzeitig und wie intensiv wurde die Polizei zu Rate gezogen und eingeschaltet?

Ist dieser Kosteneinsatz noch verhältnismäßig oder nicht völlig überzogen?

Wie kommt es, dass Asylhelfer bisher ohne Probleme, auch als Einzelpersonen, in den Unterkünften ein- und ausgingen?

Ich selbst war häufig in der Bahnhofstraße 100 in Lauda, ohne bisher dort je Probleme bekommen zu haben.

Und wie soll vernünftig begründet werden können, dass der städtische Angestellte des Ordnungsamtes, Herr Joachim, nun nur noch in Begleitung eines Mitarbeiters und eines teuren Sicherheitsdienst-Mitarbeiters die Unterkünfte betreten wird?

Das wird nicht mal in Justizvollzugsanstalten so gehandhabt. Ob es da nicht sinnvoller wäre, den städtischen Beamten zu ersetzen durch einen anderen, welcher der Lage Herr wird?

Man fragt sich nach dem leitenden Interesse auf Seiten von Bürgermeister Maertens.

Und nebenbei noch zur finanziellen Seite: Auf der Gemeinderatssitzung am 22. Oktober 2018 versuchte der Bürgermeister dem gemeinnützigen Verein KulturGut den von diesem beantragten und von der Stadt bereits im Haushalt eingestellten Betrag von 2500 Euro als geplanten Beitrag für eines der neuen Buchlerhausfenster zu verweigern.

Die Begründung lautete: „Bei dem Verhalten des Vorsitzenden“ in Sachen Widerstand gegen die geplante Abfallaufbereitungsanlage in Gerlachsheim. (Auf den Hinweis eines Gemeinderates, er könne hier nicht zwei Dinge vermischen, und zu demonstrieren sei doch ein demokratisches Grundrecht, gab Bürgermeister Maertens zu Antwort: „Aber Demokratie gibt es nicht umsonst!“)

Bleibt einem da nicht die Spucke weg, wenn derselbe Bürgermeister, dem 2500 Euro zuviel sind für ein denkmalgeschütztes Haus und einen seit nunmehr 14 Jahren ehrenamtlich tätigen Verein, nun so locker und mit zweifelhafter Vorgehensweise gleich mal das 100-fache an Geld auszugeben bereit war?