Lauda / Königshofen

FN-Interview Der bekannte Opernsänger Oliver Munique taucht beim Familientag wortwörtlich im Schwimmbad in Lauda auf und gibt Einblicke in seine Welt

„Jedes Gewässer fühlt sich anders an“

Archivartikel

Der Opern- und Konzertsänger Oliver Munique taucht demnächst im Laudaer Schwimmbad auf. Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen.

Lauda. Er selbst nennt sich „der singende Fisch“. Im Wasser ist der 44-Jährige genauso in seinem Element wie auf einer Opernbühne. Wenn Oliver Munique nicht gerade auf den Brettern, die die Welt bedeuten steht, arbeitet er in der S.U.B.-Tauchschule in Kitzingen als zertifizierter Tauchlehrer.

Oliver Munique hat zudem auch den Weltrekord im rückwärtigen Streckentauchen inne. Sein Anliegen: Er möchte zeigen, wie man die Schönheit und Poesie der Unterwasserwelt auf sichere Weise kennenlernen kann.

Herr Munique, worin liegt denn für Sie die Poesie unter Wasser? Sind Sie da wortwörtlich in einer anderen Welt?

Oliver Munique: Diese Poesie besteht für mich darin, dass alle Sinneswahrnehmungen auf das Wesentliche konzentriert sind: Du spürst den eigenen Herzschlag, der sich verlangsamt, sobald dich das Wasser umschließt, deine Gedanken und Gefühle sind zunehmend mit der Bewegung des Wassers verbunden.

Jedes Gewässer fühlt sich anders an, schmeckt und riecht auch anders. Deshalb ist diese Poesie besonders im klaren, freie Gewässer und natürlich in den Ozeanen am stärksten. Zudem begegnen uns unter Wasser mit dem Eintauchen in die „andere Seite“ unbewusste Impulse und Träume sowie eine Vielzahl an Lebewesen und Lichtspiegelungen. Je besser man trainiert ist, desto höher und vor allem auch sicherer ist dieser Genuss freilich.

Doch es wäre naiv, nur die schönen Seiten zu beschreiben: die zunehmende Umweltbelastung, vor allem durch Plastikmüll, bedroht die gesamte Erde, durch Fisch und Trinkwasser gelangen zudem Pestizide und andere Gifte wieder direkt in unsere Blutbahn. Ein Teufelskreis, auf den ich mit vielen Freedivern seit Jahren dokumentierend verweise.

Sie können bis zu vier Minuten die Luft anhalten. Kann man so etwas trainieren?

Munique: Die sogenannte Apnoe (von Apnea, Atemstillstand) kann jeder trainieren. Dabei sollte man nichts übereilen und übertreiben, eine Minute ist schon für normale Schnorchler leicht erreichbar.

Dann beginnt das Training unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen (man sollte übrigens nie alleine tauchen).

Mein eigener Rekord steht in der statischen Apnoe bei sechs Minuten plus und im Tieftauchen bei 65 Metern aus eigener Kraft. Das sind jedoch weniger Ziele für den allgemeinen Breitensport.

Unser Ziel liegt in der Förderung der Sicherheit und im Bereich bis drei Minuten und 25 Metern Tiefe, die jeder Sportler nach längerem Training mit mir erreichen kann.

Die richtige Atemtechnik kommt Ihnen auch beim Singen, Ihrer zweiten Leidenschaft, zugute. Was bringen Ihnen Ihre Taucherfahrungen beim Singen?

Munique: Die Techniken der Atemmeditation und des Druckausgleichs spielen dabei natürlich keine wichtige Rolle.

Durch den so genannten Mamalian Effect (alter Reflex der Meeressäuger) beruhigt sich unser Herzschlag, und nervliche Prozesse ordnen sich, während der Haushalt unserer Sauerstoffaufnahme trainiert wird, ähnlich dem Höhentraining.

Beim Tauchen fühlen Sie sich offensichtlich absolut wohl. Gab es noch nie einen Moment der Panik unter Wasser?

Munique: In jungen Jahren war ich Leistungssportler, litt jedoch etwas unter allergischem Asthma, das als unheilbar galt.

Durch das Tauchen in kaltem Wasser in großen Tiefen habe ich es selbst dauerhaft therapiert.

Dies und das Training der Atemmuskulatur kommt mir auch als Opernsänger zugute. Das Tauchen ist ohnedies eine Art Selbstmassage und ersetzt wahrlich manchmal den Physiotherapeuten . . .

Musik und Wasser erzeugen Wellen, denen wir uns anvertrauen können – was wir daraus machen, liegt an uns.

Am 4. August sind Sie in Lauda zu Gast. Können Sie kurz erklären, was Sie dort – außer viel Spaß – mit den Kindern vorhaben?

Munique: Da gibt es zwei mögliche Varianten: Entweder vorwiegend Freediving – Einzelbetreuung für Apnoe und Techniken des Freedivings. Oder Gerätetauchen mit einer Theorieeinweisung sowie der gesamten Ausrüstung.

Sie haben bald Geburtstag. Feiern Sie ihn über oder unter Wasser?

Munique: Ich werde diesen Tag samt „Juniorfisch“ am Meer verbringen. Wer kommt mit?