Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur Berichterstattung über die Situation im Kindergarten Königshofen

„Kein Mensch hat dafür noch Verständnis“

In einem Leserbrief vom 3. Dezember 2014 hatte ich über die untragbaren Zustände im Kindergarten Königshofen berichtet. Damals gab es in keinem Raum des etwa 1910 errichteten ehemaligen Schwesternhaus einen Rauchmelder. Danach wurde am 24. März 2015 kurzfristig, durch behördliche Anordnung, der im Kelleranbau befindliche Turnraum stillgelegt, ebenso die genutzten Räume im Obergeschoss. Diese Räume wurden nach einer Außengerüstaufstellung zwei Tage später vom Leiter der Kreisfeuerwehr und dem Leiter des Kreisbauamtes wieder freigegeben. Im Ernstfall, wo es um Sekunden geht kann über diese Attrappe „Nottreppe“ keine Rettung der Kinder erreicht werden, bevor die Feuerwehr eintrifft, sind im Brandfall alle tot. In einem Rundbrief am 25. März 2015 der Verrechnungsstelle Tauberbischofsheim zeichnet sich für den Turnraum im Keller, ebenfalls ohne Notausgang, eine zeitnahe Lösung an. Sie ist drei Jahre danach immer noch nicht umgesetzt. Eine Öffnung dieses Raumes im jetzigen Zustand kann und darf nicht mehr stattfinden, auch deshalb, weil im gesamten Zugangsbereich aus dem alten Keller es so nach Schimmel muffelt, als wäre man in den römischen Katakomben. Wo ist hier das Gesundheits- oder Jugendamt? Und obwohl Leistungen vom Träger nicht erbracht werden, ist der Monatsbeitrag der gleiche.

Ebenfalls am 25. März 2015 erscheint nach einer Gemeinderatssitzung ein Bericht von Thomas Schreiner über die Kindergartenkonzeption. Dabei zitiert wird die Aussage von Stadtrat und Bürgermeisterstellvertreter Norbert Groß. „Da gehört einmal mit einem Stahlbesen durchgekehrt.“ Den Besen hat Herr Groß noch nicht gefunden, er allein würde auch nichts beeinflussen. So frage ich mich: Wo bleiben die gewählten Vertreter in Land und Bund, wo das Jugendamt, wo bleibt die Gleichbehandlung der einzelnen Orte im Main-Tauber-Kreis?

Am 5. Juli 2016 wird nach 18 Monaten Bauzeit ein neuer zeitgemäßer Kindergarten in Werbach eingeweiht. Überschrift „Vorzeigeobjekt für die Kinderbetreuung“ – mit dabei alle Abgeordnete von Bund und Land. Am 18. März 2017, Bildungscampus Grünsfeld: „Wir wollen das Beste für die Kinder“.

Für die Kinder von Königshofen, ist dagegen ein nicht sanierungsfähiges Gebäude, über 100 Jahre alt, gut genug. Wegen dieser vom Gemeinderat der Stadt entschiedene Sanierung mit Kosten in fast gleicher Höhe wie für einen Neubau stellen sich unzählige Fragen.

Jede Privatperson, die bei einer Haussanierung öffentliche Gelder will, muss alle geltenden Vorschriften einhalten, sonst gib es keine Mittel. Dieses denkmalgeschützte Gebäude kann insgesamt nicht energetisch saniert werden. Mit einem Austausch der jetzt „uralten“ Zweiglasfenster wird das Lichtvolumen nicht vergrößert. Also sind die mangelnden Lichtverhältnisse zurzeit, auch nicht mit noch so hohem Aufwand, zu verbessern.

Die Raumgrößen in allen Räumen entsprechen schon lange nicht mehr den gesetzlichen Vorgaben. Die Internetangaben (Kinderbetreuungsnetzwerk der Europäischen Kommission von 1995) liegen bei sechs Quadratmeter pro Kind im Raum und das Doppelte in den Außenanlagen. Dies wird so für zeitgemäß angesehen und in den Ländern umgesetzt. Auch gibt es Bedenken, was im Erdgeschoss die Decken-Tragfähigkeit wegen verrosteter Stahlträger betrifft. Bei all den Schäden an der Bausubstanz kann oder sollte diese Altbau-Sanierung nicht weiterverfolgt werden.

Kein Mensch hat dafür noch Verständnis, dass entgegen aller Vernunft, seit 2014 im Stadtrat keine Entscheidung für einen zeitgemäßen Neubau in Königshofen fällt. Stadteigene Flächen sind in Königshofen zwischen der Grundschule und dem Friedhof ausreichend vorhanden. Vielleicht wäre es an der Zeit, dass der Landrat mit all seinen unterstellten Fach-Behörden sich diese katastrophalen Missstände in Königshofen in Augenschein nimmt und Vorschläge an die Stadt weiter gibt, denn auch er hat dafür eine gewisse Verantwortung.