Lauda / Königshofen

Erziehung Vortrag von Familienberater und Ergotherapeut Andreas Dederich in Königshofen

Kinder brauchen Grenzen und Regeln

Archivartikel

Königshofen.Der Förderverein des Kindergartens Königshofen freute sich, Familienberater und Ergotherapeut Andreas Dederich im Gesellenhaus in Königshofen begrüßen zu dürfen.

In einem kurzweiligen und alltagsnahen Vortrag schilderte Dederich den interessierten Zuhörern, was Kinder heutzutage alles brauchen: Liebe, Fürsorge, Toleranz, Respekt, Verantwortungsbewusstsein, Präsenz beider Elternteile, Empathie, Gehorsam und vieles mehr. Im Folgenden führte er aus, warum Kinder seiner Ansicht nach aber zudem insbesondere Regeln und Grenzen dringend bräuchten.

Kinder suchten nach Klarheit und testeten ihre Grenzen aus, so Dederich. Sie bräuchten ein festes Regelsystem und Grenzen, um sich orientieren zu können und um zwischen richtig und falsch unterscheiden zu lernen. Regeln würden ihnen helfen, Hierarchien, die überall im Leben zutage treten, zu akzeptieren und ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Hierfür legten Eltern den Grundstein. Sie müssten Regeln mit dem Partner abstimmen, diese vorleben und sie mit den Kindern klar definieren. Auf eine Nichteinhaltung von Regeln, müsse eine unmittelbare Konsequenz folgen.

Eltern sollten für ihre Kinder da sein, ihnen aber keinesfalls immer alles abnehmen, denn Kinder sollten und müssten auch die Möglichkeit haben, schlechte Erfahrungen zu machen und Niederlagen zu kompensieren, so Dederich.

Ein Kleinkind, das es schafft, sich selbst anzuziehen, sollte dies auch abverlangt bekommen. Sobald eine neue Fähigkeit erworben wurde, könnten Eltern ihre Hilfe in diesem Bereich einstellen. Eltern sollten ihren Kindern etwas zutrauen und sich immer wieder die Stärken ihrer Kinder bewusst machen. Dies falle vielen Eltern gar nicht so leicht.

Wenn Kinder ein gewünschtes Verhalten zeigen, sollte dies von Eltern, Lehrern und Erziehern wertgeschätzt und positiv verstärkt werden. Viele Eltern lobten entweder falsch, zu viel oder zu wenig. Dederich plädierte für eine Änderung von einer defizit- hin zu einer ressourcenorientierten Betrachtungsweise. So vermittelten Eltern ihrem Kind die Selbstkompetenz, die es für das unabhängige Zurechtkommen im späteren Leben brauche.

Wir ließen unseren Kindern häufig zu wenig Zeit für die Entwicklung individueller Kompetenzen, „überförderten“ sie und sehen uns in ständiger Konkurrenz mit anderen Eltern. Kinder bräuchten kein permanentes Animationsprogramm von uns Erwachsenen.

Dederich behauptet, Kinder würden keine Langeweile kennen und könnten auch ohne Berge von Spielzeug kreativ sein. Wenn ein Kind auf dem Boden liegt und mit einem Staubkorn spielt, sollte man es nicht in vielfältige Spielmöglichkeiten verwickeln, sondern sich einfach dazulegen und beobachten, so Dederich. Eltern hätten heute häufig Angst, „Nein“ zu sagen. Dederich führte aus, es bringe nichts, Kinder in endlose Diskussionen zu verwickeln und nur über Erklären und Verstehen erziehen zu wollen. Manche Dinge müssten getan werden und dafür bräuchte es klare Ansagen.

Schnell durchschauten Kinder leere Drohungen wie „Wenn du dich jetzt nicht anziehst, gehst du im Schlafanzug zum Kindergarten.“ Die Erwachsenen seien die „Bestimmer“ und müssten den Kindern sagen, was zu tun oder zu unterlassen sei. Sie sollten sie nicht wie „kleine Erwachsene“ behandeln, alles diskutieren und ihnen die eigenen Probleme auferlegen und übertragen. Letztlich bestärkt er Eltern darin, auf ihr Gefühl zu vertrauen, zu ihren Entscheidungen zu stehen und auch Fehler zugeben zu können. keho