Lauda / Königshofen

Kabarett Benjamin Eisenberg und Matthias Reuter gastierten im ausverkauften Weinhof Ruthardt zum Abschluss der Freiluftsaison

Kongeniales Duo teilte recht kräftig aus

Archivartikel

Kabarett im Doppelpack präsentierten Benjamin Eisenberg und Matthias Reuter am Freitag in Lauda vor einem begeisterten Publkum.

Lauda. Das Weinhaus Ruthardt startete am Freitag ins dritte und damit letzte Kleinkunst-Wochenende der Freiluftsaison 2018. Mit einem kabarettistischen Doppelpack begeisterten Benjamin Eisenberg und Matthias Reuter die Gäste im ausverkauften Weinhof Ruthardt.

Während der Bottroper Polit-Kabarettist Benjamin Eisenberg sich über das nationale und internationale Politikgeschehen lustig machte, war es Matthias Reuter aus Oberhausen, der die Gäste mit pointierten Liedern am Klavier zu überzeugen wusste.

Für restlose Begeisterung sorgten die beiden im zweiten Teil als kongeniales Duo mit ihrer Musical-Parodie „Luther bei die Fische“.

Schwarzgeldbetreuer

Auch den Auftakt ihres rund zweistündigen Programms meisterten die beiden noch jungen Kabarett-Talente gemeinsam. Benjamin Eisenberg stellte sich als Schwarzgeldbetreuer von Donald Trump vor, während Matthias Reuter dagegen im Bekleidungsgeschäft tätig sei – als Modeberater des sächsischen LKA.

Das erste Opfer ihres erfrischenden Programms war die Deutsche Bahn. Die suche derzeit per Kundenbefragung nach Namen für die neuen ICE-Züge. Eisenberg und Reuter hatten da auch gleich ein paar Vorschläge. Um der Pünktlichkeit der Bahn gerecht zu werden, könnten etwa Philipp Lahm oder Jan Delay als Namensgeber fungieren. „Oder auch Ottmar Hitzfeld, wenn die Klimaanlage mal wieder ausfällt“, stellte Benjamin Eisenberg fest.

Solo kritisierte Benjamin Eisenberg zunächst die von Lügen, Rassismus und Sexismus geprägte Politik von Donald Trump.

Aber auch die deutsche Politik kam nicht gut weg. Den Aufstieg der AfD führte er auf die Unglaubwürdigkeit deutscher Politiker zurück, und auch die SPD bekam ihr Fett weg. Die habe inzwischen so viele ehemalige noch lebende Vorsitzende, dass diese einen eigenen Verein gründen könnte. Stelle sich bloß die Frage, wer erster Vorsitzender würde.

Auch die FDP blieb von Eisenbergs Kritik nicht verschont. Etwas makaber kam allerdings ein „Witz“ über Jürgen Möllemann daher, der 2003 tödlich verunglückte.

Matthias Reuter zog die Gäste im Weinhof Ruthardt vor allem mit heiteren, kabarettistischen Liedern in seinen Bann. Darunter so kuriose Titel wie „Ich hab’ mein Geld seit Jahren nicht mehr gesehen“ und „Rentnerfischen im Hallenbad“.

Düstere Prognose

Gemeinsam wagten Reuter und Eisenberg dann eine musikalisch-düstere Zukunftsprognose in Moll. In der prophezeiten sie unter anderem für 2021 eine vierfach Schwampel-Koalition und einen Bundespräsidenten Markus Söder.

Nach der Pause begab sich Benjamin Eisenberg auf dünnes Eis. Frei dem Motto „Kunst darf vieles“ outete sich Eisenberg als Insekten-Rassist und beschimpfte Wespen in der Gestik und Sprache eines Adolf Hitlers als Zucker-Zigeuner und Hunnen unter den Insekten.

Zum krönenden Abschluss lieferten Benjamin Eisenberg und Matthias Reuter unter dem Titel „Luther bei die Fische“ eine gelungene Musical-Parodie ab. Da wurde dann schon mal der „ACDC“-Klassiker „Thunder“ zum Titelsong „Luther“ umfunktioniert und „Don’t cry for me Argentina“ zu „Öffnet das Tor Augustiner“. Besonders amüsant auch die Parodie auf die „Toten Hosen“. „Lauda-Königshofen, seid ihr bereit für ein kleines bisschen Horror-Show?“ grölte Eisenberg ins Mikrofon, um dann zu singen: „Ich will nicht ins Paradies, wenn der Ablassbrief so teuer ist.“

Als Bösewicht des Musicals wurde Papst Leo X. auserkoren, dessen Pontifikat in die Zeit der Reformation fiel. Immer wenn er in Erscheinung trat, spielte Reuter den Imperial March. Die Erkennungsmelodie von Darth Vader und seiner bösen Schergen aus dem Filmklassiker Star Wars.

Den Höhepunkt lieferten Reuter und Eisenberg zur Melodie von Mike Krügers „Bodo mit dem Bagger“. Zunächst sangen die beiden „Ja, wer hämmert da mit dem Hammer an Tür? Es ist Luther mit dem Thesenpapier“. Und im Refrain sang dann der ganze Weinhof „Hammer, Hammer, Hammer, Hammer, Thesenpapier.“

Als Zugabe intonierten Reuter und Eisenberg schließlich den Reisesong „Bottrop-Kirchhellen – scheiß’ auf die Seychellen“, um pünktlich vor 22 Uhr unter frenetischem Applaus die Bühne zu verlassen.