Lauda / Königshofen

„raUMgeben4“ Ausstellungseröffnung im Buchlerhaus

Kunst in Kulturdenkmal

Gerlachsheim.Das große Transparent an der Fassade des Buchlerhauses kündigt es schon seit ein paar Wochen an. Mit der Vernissage von „raUMgeben4“ startete nun die vierte Kunstausstellung dieser Art. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden des Vereins KulturGut, Josef Seubert, präsentierte Gabriel Weber sehr einfühlsam Flötenwerke aus Barock und Romantik, die sehr gut in die Ausstellung einführten. Anschließend stellte Wolfgang Bautz dem erfreulich zahlreichen Publikum die Künstler vor und führte fachkundig in ihre Werke ein.

Dieses Mal stellen vier regionale Künstlerinnen und ein Künstler ihre Gemälde und Skulpturen in dem teilrestaurierten Kulturdenkmal aus und gehen damit eine innige Verbindung ein mit seinen offenen Wänden, dem bröckelnden Putz, den alten Anstrichen und Tapetenresten aus fast drei Jahrhunderten. Sie nutzen das Angebot und die Herausforderung, die eigenen Kunstwerke darin organisch zu integrieren. Dass dies mit konkreten und teilweise auch sehr abstrakten Werken gelingt, überrascht immer wieder aufs Neue.

Franziska Eben von Racknitz bietet einen kleinen Auszug aus ihrem Schaffen. Rund um das Gedicht „Taxonomie“ von Marion Poschmann hat sie einen sechsteiligen Bilderzyklus mit vorwiegend monochromen Farbtönen gestaltet, welche das Motiv der Vergänglichkeit thematisieren. Das Bild „Auf zu neuen Ufern“ entfaltet - in die Wandstruktur integriert - eine enorme Tiefenwirkung und lädt zu Assoziationen ein. Es könnte das Motto der Mitarbeiter von KulturGut repräsentieren, die seit nunmehr fast 14 Jahren die Restaurierung des alten Weinhändlerhauses von 1729 betreiben. Im gleichen Raum zeigt die Kirchenmalerin Tatjana Schmidgall ihre Kunst: frei, spielerisch und kontrastierend zu ihrer beruflichen Arbeit. Ihre Bilder offenbaren einen fast fröhlichen und poetischen Umgang mit Formen und Farben, unterschiedlichen Proportionen und Schichtungen. Sie erzeugen damit gleichermaßen Spannung und Harmonie. Die gezielt eingesetzten Farben und die nuancierten Strukturen ermöglichen dem Betrachter Spielräume für seine eigenen Assoziationen.

Einen völlig anderen künstlerischen Ansatz verfolgt Luitgard Hörner mit ihren Stoffen und Tongebilden zum Thema „Farben - Flächen - Formen“. Sie kontrastiert geometrische Ornamente, die sie im Kartoffeldruck-Verfahren auf alte Stoffe aufbringt, mit sehr dynamisch wirkenden Tonskulpturen, die in Farbe und Form korrespondieren. Dadurch entstehen ästhetisch äußerst ansprechende Kombinationen, die eine große Harmonie ausstrahlen. Der mit ihr befreundete Schreiner Rainer Kramer unterstützt sie, indem er nach ihren Vorgaben passende Holzteile zu den Skulpturen anfertigt.

Sehr variantenreich präsentiert sich die Malerin Sylvia Kipke. Einerseits zeigt sie aktuelle Arbeiten zu Motiven des Buchlerhauses, die sich durch Detailtreue und Wiedergabe der barocken Stimmung auszeichnen. Andererseits offenbaren ihre Landschaftsaquarelle einen spielerischen Umgang mit Farben und Perspektiven. Schließlich thematisieren einige Bilder mythologische und barocke Figuren in alten Gewölben, wo sie trotz ihrer fixierten Posen und Positionen ein dynamisches Leben zu führen scheinen.

Unter dem Titel „Momentane“ stellt H. Bernd Schepermann Skulpturen aus, die er ganz aktuell aus Materialien des Buchlerhauses geschaffen hat, um die Nachhaltigkeit des Ortes auszudrücken. Auch in seinen Bildern verwendet er zum Teil alte Materialien, so zum Beispiel Leitzordner, die eigentlich der Vergänglichkeit ausgesetzt sind, um sie ins Heute zu retten.

Dass Kunst eine Durchgangsform darstellt, zeigt sich in seiner Arbeitsweise: Spezialpapiere, die er der Dynamik des Rostens aussetzt, und das Ankokeln der Materialien. Die Auseinandersetzung zwischen dunklen und hellen Strukturen veranschaulicht sein Verständnis der „Momentane“.

Die Überzeugung, dass Malen eine Möglichkeit der Selbstfindung und der Selbstverwirklichung darstellt, lässt sich bei allen fünf ausstellenden Künstlern erkennen. woba