Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur geplanten Abfallaufbereitungsanlage in Gerlachsheim

Lebensqualität aller Einwohner gefährdet

DDie Kirche von heute hat ihren Ort in der Welt von heute und bei den Menschen von heute“. Spätestens seit dem 2. Vatikanischen Konzil (1962 bis 1965), einberufen durch Papst Johannes XXIII., und der veränderten Zuwendung der Kirche zur Welt und den Menschen sind die Sorgen und Nöte der Menschen, aber auch ihre Wünsche und Hoffnungen der Kirche sehr wichtig. Die Sorgen und Nöte der Gerlachsheimer in diesem Sommer sind so auch unsere Sorgen und Nöte.

Nach der am 22. Juni der Firma Konrad Bau erteilten immissionsschutzrechtlichen Genehmigung zum Betrieb einer Abfallaufbereitungsanlage in Gerlachsheim ist die Lebensqualität aller Gerlachsheimer akut gefährdet, und nicht nur die der unmittelbaren Anwohner der Anlage und derjenigen Bürger, die an der Würzburger Straße wohnen. Darüber hinaus ist das Vertrauen der Gerlachsheimer in die Politik schwer erschüttert.

Denn die jetzt erteilte Genehmigung gilt einer Anlage, die in wesentlichen Punkten abweicht von der Anfang Oktober 2015 von der Firma Konrad Bau den Bürgern Gerlachsheims vorgestellten „Bodenverbesserungsanlage“, auf deren Grundlage der Gemeinderat im September 2016 sich für den Bau entschieden hat, trotz massiver Bürgerproteste.

So hat sich die Menge der „Schüttgüter und nicht gefährlichen Abfälle“ (laut Antrag der Firma vom 19. Februar) nicht nur um mehr als das Dreifache erhöht, sondern auch die Beschaffenheit der angegebenen Materialien weicht von dem ursprünglich Genannten ab. An der Ungefährlichkeit der Abfälle für den Menschen und die Umwelt kann begründet gezweifelt werden. Die Erhöhung der Mengen bedeutet dann auch eine enorme Steigerung der notwendigen Lkw-Fahrten durch die enge Ortsdurchfahrt von Gerlachsheim in den genehmigten Betriebszeiten von 6 bis 22 Uhr an allen Werktagen. Es stellt sich hier natürlich die Frage, wie es zu einer solchen Genehmigung kommen konnte, in Anbetracht der absehbaren negativen Auswirkungen auf das Leben der Gerlachsheimer.

Zu den Neu-Gerlachsheimern gehören seit Januar bzw. Juli auch vier indische Schwestern, die das Pfarrhaus mit neuem Leben erfüllen. Da dieses direkt an der Würzburger Straße steht, waren bisher schon der Lärm und die Erschütterungen bei der Vorbeifahrt eines Lkw deutlich hör- und spürbar. Die Erhöhung des Schwerlastverkehrs wird aber auch die Lebensqualität vieler anderer Anwohner in unmittelbarer Nachbarschaft der Anlage und in der Würzburger Straße wesentlich einschränken: Fenster müssen geschlossen werden, auch in der größten Sommerhitze, um sich ein wenig vor dem Verkehrslärm und den Abgasen zu schützen.

Als gesundheitsschädigend einzustufen sind dann auch die gefährlichen Stäube bei offenem Transport. Darüber hinaus wird das erhöhte Verkehrsaufkommen auch die denkmalgeschützten Gebäude an der Würzburger Straße unwiderruflich schädigen, gerade wegen der Abgase und der Erschütterungen. Zu diesen gehört das Ensemble des barocken Prämonstratenserklosters – Kloster, Pfarrkirche und Pfarrhaus, die von vielen Menschen genutzt werden, um in Gemeinschaft ihren Glauben zu feiern. Auch das neugebaute Gemeindehaus St. Josef an der Würzburger Straße dient bei verschiedenen Anlässen als Ort der Begegnung für alle Gerlachsheimer.

Der Kindergarten St. Josef, in kirchlicher Trägerschaft und ebenfalls an der Würzburger Straße gelegen, steht grundsätzlich allen offen, die ihre Kinder dieser Einrichtung anvertrauen wollen. Ihnen als besonders Schutzbedürftigen gilt unser besonderes Augenmerk.

Wir sehen uns so in der Verantwortung für alle Gerlachsheimer, wenn wir die berechtigten Sorgen wegen des geplanten Baus hier äußern. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung, gerade im Blick auf die biblische Geschichte von David und Goliath.