Lauda / Königshofen

Politikerbesuch Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann referierte in Oberbalbach über „Qualität, Leistung und Verlässlichkeit für gute Bildung“

Mehr für berufliche Ausbildung werben

Über „Qualität, Leistung und Verlässlichkeit für gute Bildung“ referierte die Ministerin für Kultus, Jugend und Sport, Dr. Susanne Eisenmann, am Mittwochabend in Oberbalbach.

Oberbalbach. „Ich komme sehr gerne zu Gesprächen und Diskussionen über die Grundlagen, Schwerpunkte und Zukunft der Bildung in unserem Land“, unterstrich Eisenmann, der es ein wichtiges Anliegen sei, den Schulen im Land in den kommenden Jahren die nötige Ruhe und Zeit zu geben, um die angestoßenen Reformen und Veränderungen gut umsetzen zu können. Verlässlichkeit“, so die Kultusministerin, „ist das, wonach sich alle am Schulleben Beteiligten am meisten sehnen“.

Bildung der Zukunft

Eine wesentliche Frage sei jedoch, wie Bildung der Zukunft einhergehend zu Veränderungen des Schulwesens als auch der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie etwa Werte und Normen aussehen müsse. „Kopf, Herz und Hand“, nannte sie in Anlehnung an den Schweizer Pädagogen sowie Schul- und Sozialreformer Johann Heinrich Pestalozzi drei bedeutsame Elemente der Bildungspolitik. Diese gelte es im Land ebenso wie Werte und Normen ins Bewusstsein zu setzen, um neben Bayern wieder an die Spitze als Bildungsland zurückzukehren.

Derzeit sei die Anzahl der Schüler, die in der vierten Klasse nicht den Bundesstandard erreiche, in Baden-Württemberg noch doppelt so hoch wie in Bayern. „Heterogenität fängt nicht mit Integration oder Nichtintegration an, sondern Baden-Württemberg hat zu wenig daran gearbeitet, passgenaue Bildungsbiografien zu entwickeln“, kritisierte Eisenmann. Dies gelte auch für die frühkindliche Bildungserziehung. Es gehe darum, bei Kindern im Alter ab etwa vier Jahren zu sehen, welche Fertigkeiten und Talente sie in der vorschulischen Prägung innehätten.

„Wir müssen gemeinsam mit den Trägern und Erziehern früher mit der der frühkindlichen Förderung beginnen“, appellierte die Ministerin. Ebenso sei ein richtiger Ansatz, das Erziehungspersonal zu fördern sowie die Eltern zu verpflichten, damit sie ihre Kinder zum Start in die Grundschule unterstützen.

Rechtschreibung ab Klasse eins

„Rechtschreibung von der Klasse eins und nicht erst ab Klasse drei korrekt vermitteln“, lautete ein weiteres Leitmotiv Eisenmanns. Deshalb habe das Kultusministerium einen Rechtschreibansatz für die Klassen eins bis zehn entwickelt. „Wir haben die Grundschulempfehlung dahingehend überarbeitet, dass sie von den Eltern den Leitungen weiterführender Schulen vorgelegt werden muss, um mit ihnen darüber zu beraten“, berichtete sie. Der Weg auf eine höhere Schule im Anschluss an die Grundschule sei nicht immer der beste, meinte sie mit Hinweis auf die hohe Quote an Gymnasiasten und Realschülern, die diesen Weg abbrechen und einen Schulwechsel vornehmen müssten.

Die Durchlässigkeit des Schulsystems bestehe dennoch weiter fort und sei eine Stärke des Ausbildungssystems, jedoch nicht ohne Grenzen. Dies gelte ebenso für die Wahl zwischen Studium und Berufsausbildung. Während sehr viele Studienabbrecher verzeichnet werden müssten, sei das duale Berufsausbildungssystem weltweit hoch anerkannt. „Wir müssen verstärkt wieder für berufliche Ausbildung werben“, unterstrich Eisenmann mit Hinweis auf eine Initiative des Bundesbildungsministeriums als Unterstützung. Parallel dazu arbeite man verstärkt an einer Förderung von Schülerpraktika in Unternehmen.

Je nach Passgenauigkeit der Bildungsbiografien gelte dies differenziert nach Schularten wie etwa Gymnasien, Realschulen, Gemeinschaftsschulen oder Werk- und Realschulen. „Wir werden nicht nachlassen, sowohl kognitive als auch handwerkliche Begabungen zu fördern“, zeigte sich die Kultusministerin kämpferisch.

Orientierung an religiösen Werten

Ein Teil der Unterstützung betreffe zudem die Wahlfreiheit für Kinder mit besonderem Förderbedarf. Bei rund 75 Prozent falle die Wahl auf den Besuch eines Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrums (SBBZ), während 25 Prozent der Eltern der Inklusion an einer anderen Schulart den Vorrang gäben. „Wie gelingt es zu vermitteln, Technik zu beherrschen und nicht, dass Technik die jungen Menschen beherrscht“, nannte Eisenmann als eine der großen Herausforderungen.

Der Digitalpakt sei eine wesentliche Grundlage, um die technischen Voraussetzungen an die Schulen zu bringen, ebenso die Investition von einer Milliarde Euro zum Breitbandausbau im Land. Auf Basis dieser Grundvoraussetzungen müsse die Diskussion über die Inhalte erfolgen.

„Wir brauchen sowohl die Technik als auch Fähigkeiten wie Lesen und Rechnen sowie Prozesse zur Meinungsbildung“, hob sie hervor. „Eine Orientierung an religiösen Werten bringt uns weiter als jedes noch so gut gemachte Bildungs- und PC-Lernprogramm“, zeigte sich Eisenmann überzeugt.