Lauda / Königshofen

Festakt „Bildungs- und Dienstleistungshaus Kloster Gerlachsheim“ offiziell eröffnet / 900 000 Euro Kosten für den bisherigen Umbau

Mieter haben langfristige Perspektive

Archivartikel

Mit einem Festakt wurde am Mittwoch das neue „Bildungs- und Dienstleistungshaus Kloster Gerlachsheim“ offiziell eröffnet.

Gerlachsheim. Nachdem bereits im August 2017 der Bildungsträger inab Räumlichkeiten des neuen Bildungs- und Dienstleistungshauses Kloster Gerlachsheim bezogen hatte, sind mit dem erfolgten Einzug der Nardini-Schule, der Tagesgruppe „Arche Noah“ und der Kreisjägervereinigung sowie dem demnächst folgenden Einzügen der Arztpraxis Dr. Saager und der Ogma Werbeagentur rund 85 Prozent der Flächen vermietet.

„Es kommt frischer Wind in altehrwürdige Mauern nach einer wechselhaften Geschichte“, meinte Landrat Reinhard Frank zu Beginn eines Festakts, mit dem am Mittwochmittag das neue Bildungs- und Dienstleistungshaus Kloster Gerlachsheim im Beisein zahlreicher Ehrengäste, Gemeinde- und Kreisräte, Mieter und weiterer Akteure offiziell eröffnet wurde.

Einhergehend berichtete er über die Historie des Klostergebäudes und dessen Entwicklungsgeschichte bis zur jetzigen Funktion. Das ehemalige Kloster in Gerlachsheim, das sich im Eigentum des Landes Baden-Württemberg befindet und dessen Erbpachtvertrag mit dem Main-Tauber-Kreis im Mai 2023 endet, wurde bis 2016 zuletzt von der Gesundheitsholding Tauberfranken unter Leitung der Barmherzigen Brüder Trier als Alten- und Pflegeheim genutzt.

Leidenschaft nicht leer übergeben

Mit Aufgabe dieser Indienstnahme sei der Landkreis als Erbpächter gefordert gewesen, eine neue Nutzung für das ehemalige Klosterareal zu entwickeln, da man dem Land keine leerstehende Liegenschaft übergeben wolle, unterstrich der Landrat. Um dieses Ziel zu erreichen, habe man eine Lenkungsgruppe gegründet, die auf der Suche nach Alternativen letztlich eine Lösung gefunden habe. „Auf das jetzt erreichte Ergebnis können wir stolz sein. Wir haben einen Branchenmix par excellence gefunden“, hob Frank hervor.

Aufregung hatte es vor allem Ende März 2016 gegeben, als Frank die Bürger über seine Absichten informierte, etwa 90 bis 140 Flüchtlinge im Kloster sowie zwischen 20 und 30 weitere im ehemaligen Schwesternwohnheim unterzubringen. „Die emotionale Bedeutung des Klosters als Keimzelle und Mittelpunkt des Ortes sowie als historisches Kulturerbe wird vom Landrat sowie auch von vielen Kreisräten offensichtlich stark unterschätzt bis hin nicht berücksichtigt“, lautete ein vielfach vorgebrachtes Argument bei einem Bürgerprotestabend gegen die beabsichtigten Pläne einige Wochen später.

Seit August 2017 werde das ehemalige Kloster als „Bildungs- und Dienstleistungshaus Kloster Gerchsheim“ weitergeführt. Die bisherigen Sanierungskosten bezifferte Frank auf rund 900 000 Euro. Aufgrund der kurzen Restlaufzeit habe das Baden-Württembergische Finanzministerium den Erbpachtvertrag dahingehend modifiziert, dass der Entschädigungsbetrag von zwei Dritteln für Wert erhöhende Investitionen bereits vor Vertragsende mit Umsetzung der Maßnahmen dem Landkreis zur Verfügung gestellt worden sei. Daher habe der Kreis für den ersten Bauabschnitt etwa 155 000 Euro durch das Land erstattet bekommen. „Verhandlungen für die Übernahme von Kosten beim zweiten Bauabschnitt laufen derzeit“, berichtete der Landrat.

Schwierige Voraussetzungen

Das besondere Ambiente des historischen Gebäudes hob stellvertretend für die weiteren Mieter ebenso Iris Hellmuth-Gurka, Direktorin des Erzbischöflichen Kinder- und Jugendheims St. Kilian, dem Träger der Nardini-Schule und der Tagesgruppe „Arche Noah“, hervor. „Dies ist ein großartiger Tag für Gerlachsheim und die Stadt Lauda-Königshofen, weil das Projekt erst unter schweren Voraussetzungen gestartet ist“, erinnerte Bürgermeister Thomas Maertens. Allerdings sei die Bausubstanz vom Kreis über Jahrzehnte hinweg sehr gut gepflegt worden. Zudem verwies Maertens auf die derzeit laufenden Planungen für die Umgestaltung des Klostervorplatzes, deren Beginn für 2019 mit einem Investitionsvolumen in Höhe von rund 500 000 Euro vorgesehen sei. Einhergehend äußerte der Bürgermeister den Wunsch, dass auch die Außenfassade des Gebäudes saniert werde.

Die Investitionskosten seien im Verhältnis zur Gebäudegröße überschaubar, meinte Ingo-Michael Greiner, Leitender Regierungsdirektor des Landes Baden-Württemberg. Aufgrund der Mieteinnahmen hätte es keine bessere Lösung gegeben. Mit seiner Kostenbeteiligung an der Sanierung und dem Umbau habe das Land dazu beitragen wollen, dass sowohl die Mieter eine langfristige Perspektive gewährleistet bekommen hätten als auch die Zukunft dieses kulturhistorischen Gebäudes gesichert worden sei.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt zum Auftakt und während eines anschließenden Empfangs von Frank Mittnacht am Saxofon sowie zum Ende des offiziellen Programms durch Kinder der Nardini-Schule Gerlachsheim mit dem Lied „Einfach spitze, dass wir da sind“.

Rundgang

Zudem hatten die Gäste bei einem Rundgang die Gelegenheit zur Besichtigung der Räumlichkeiten des Bildungsträgers inab im Erdgeschoss, der Nardini-Schule und der Tagesgruppe „Arche Noah“ im ersten Obergeschoss sowie der Praxis Dr. Arnd-Dieter Saager und Nadine Annan, der Ogma Werbeagentur und der Kreisjägervereinigung nebst derer Jagdschule Taubertal im zweiten Obergeschoss des Gerlachsheimer Bildungs- und Dienstleistungshauses.