Lauda / Königshofen

"Schule im Taubertal" Tag der offenen Tür am Sonntag, 15. Oktober, bietet Einblicke in den Alltag / Stetige Weiterentwicklung wichtig

Mit 50 Jahren erfolgreicher denn je

"Ein verheißungsvoller Beginn" - diese Schlagzeile informierte die Öffentlichkeit vor 50 Jahren über die Einrichtung einer Bildungseinrichtung für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung.

Unterbalbach. Am Sonntag, 15. Oktober, feiert die Schule im Taubertal den 50. Geburtstag mit einem Festakt unter Beteiligung der musikalischen Schülergruppen "Alarmstufe 8" und "Die Musikmacher" sowie des Schülerchores "Freeway". Anschließend bietet die Schule beim Tag der Offenen Tür ab 12.30 Uhr der Öffentlichkeit einen Einblick in die vielfältige Unterrichtsarbeit.

Weitere Standorte

Eine Sonderschule für "Bildungsschwache" entstand 1967 zunächst am Standort in Distelhausen. Am 2. Oktober 1967 erhielten 27 Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung im Main-Tauber-Kreis ein auf ihre Bedürfnisse ausgerichtetes Bildungsangebot. Das erstmals zu dieser Zeit im Gesetz verankerte Recht auf Bildung für alle Kinder und das Engagement der Elternvereinigung "Lebenshilfe" waren der Motor für die Einrichtung dieses Schultyps im ländlichen Raum. Kurze Zeit später eröffnete der Landkreis in Grünenwört und in Bad Mergentheim weitere Standorte.

Die stetig anwachsende Schülerzahl und die steigenden Anforderungen an ein qualifiziertes Bildungsangebot führten 1985 zur Errichtung eines Schulneubaus in Unterbalbach.

Mit dem Einzug in das neue Gebäude mit einem großzügigen Außengelände und der Anbindung an die Sportstätten der Gemeinde wurde im Herbst 1986 eine zentrale Einrichtung für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung aus dem gesamten Main-Tauber-Kreis geschaffen. Eine Außenstelle an der Edward-Uihlein-Schule in Wertheim für sechs- bis zwölfjährige Kinder ermöglicht jüngeren Jahrgängen eine wohnortnahe Beschulung.

Zwei Schulkindergärten

Seit 1994 trägt die Schule den Namen "Schule im Taubertal". Ihr sind zwei Schulkindergärten für Kinder mit geistiger Behinderung und Entwicklungsverzögerungen in Unterbalbach und in Waldenhausen sowie eine Beratungsstelle zur Frühförderung angegliedert.

Die Schule im Taubertal, Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum mit dem Förderschwerpunkt "geistige Entwicklung" (kurz SBBZ), bietet Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 18 Jahren mit einem besonderen Förderbedarf ein angemessenes Bil-dungsangebot. Der Wandel von der Sonderschule zum SBBZ, der im Herbst 2015 mit der Änderung des Schulgesetzes vollzogen wurde, beinhaltet nun auch die Unterstützung und Förderung von Schülern mit entsprechendem Bildungsanspruch in Regelschulen (Inklusion).

Anders als in der Regelschule ist die Schule im Taubertal nicht an Jahrgangsklasse gebunden. Nach der Grund- und Hauptstufe mit vier bzw. fünf Schulbesuchsjahren wechseln die Schüler in der Regel in die dreijährige Berufsschulstufe. Viele Schüler finden nach dem Be-such der Schule eine Beschäftigung in einer Werkstatt für behinderte Menschen (WfbM).

Seit 2009 besteht unter Federführung der Schule im Taubertal die Berufsvorbereitende Einrichtung in Bad Mergentheim. Sie ist eine alternative Vorbereitung auf das Arbeitsleben für diejenigen Jugendlichen mit dem Potenzial der Übernahme einer Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Mit dem Leitbild "Für ein gelingendes Leben" verbindet die Schule den Anspruch der Vorbereitung auf eine möglichst selbstständige Lebensführung, ausgerichtet an den individuellen Möglichkeiten. Dazu gehören die Vermittlung lebenspraktischer Fertigkeiten im handlungsorientierten Unterricht, der Erwerb von Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen, Qualifikationen im Hinblick auf die Arbeitswelt sowie die Entfaltung kreativer und motorischer Potenziale.

Der Unterricht erfolgt sowohl im Klassenverband als auch in Lerngruppen, die entweder nach Leistungsvermögen oder nach Interessen und Neigungen zusammengestellt sind. Ein wesentliches Unterrichtsprinzip stellt das Lernen in der Alltagswirklichkeit dar. Mit dem Projekt "Die Kleine Stadt" öffnen sich einmal wöchentlich die Klassenzimmer. Ein Schüler-Café, ein kleiner Laden, ein Kino und ein Büdchen stellen den Alltag nach und bieten viele Möglichkeiten, mit Geld zu bezahlen und Entscheidungen zu treffen. Das Schüler-Café, für das eine Schülergruppe sowohl in der Vorbereitung als auch in der Durchführung verantwortlich zeichnet, ist mittlerweile ein beliebter Treffpunkt für Eltern und ehemalige Mitarbeiter. Ebenso sind Lerngänge und Schullandheimaufenthalte wichtige Angebote, um reale Begegnungen vor Ort zu ermöglichen.

Selbstständigkeit entfaltet sich auch in der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel. Durch eine intensive Vorbereitung, das so genannte "Mobilitätstraining", nutzen seit einigen Jahren etliche Schüler den öffentlichen Personennahverkehr, um die Schule zu erreichen. Von den Räumlichkeiten in Bad Mergentheim, die die Berufsvorbereitende Einrichtung als Unterrichtsräume und Trainingsfeld für selbstständiges Wohnen nutzt, profitieren auch die Schüler der Schule im Taubertal. Sie bietet die Möglichkeit für mehrtägiges Wohntraining und vermittelt den Schülern Fertigkeiten im Hinblick auf Haushaltsführung und Freizeitgestaltung.

Berufspraktika im Angebot

Seit einigen Jahren ist es ein besonderes Anliegen der Schule, den Schülern einen Eindruck in die Vielfältigkeit des Arbeitslebens zu vermitteln. In verschiedenen Berufsfeldern werden Praktika unterschiedlicher Intensität und Dauer durchgeführt. Seit Gründung der Berufsvor-bereitenden Einrichtung konnten mit Unterstützung außerschulischer Partner zahlreiche Jugendliche auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden.

Die Schule blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Durchführung von Kooperationsmaßnahmen mit allgemeinbildenden Schulen zurück. Ziel ist, dass sich Kinder und Jugendliche mit und ohne Behinderung bei außerschulischen wie auch bei unterrichtlichen Aktivitäten näher kommen und zu einem unkomplizierten Miteinander finden.

Lebensraum für die Schüler

Neben den vielfältigen unterrichtlichen Angeboten erhebt die Schule den Anspruch, Lebensraum für die Schüler zu sein. Dies spiegelt sich wider in der Ausgestaltung der Klassenräume, in den Beschäftigungsangeboten, während der Freispielzeit und bei der Durchführung von jahreszeitlichen Festen und Feiern.

Auf die Förderung von Mitbestimmung und Mitgestaltung der Schüler wird in vielen Bereichen des Schullebens Wert gelegt. Die Schule verfügt über eine Schülermitverwaltung (SMV). Sie besteht aus gewählten Klassensprechern und deren Vertretern und wird von gewählten Vertrauenslehrern begleitet und unterstützt. Für einige Projekte in der Vergangenheit erhielt dieses Gremium bereits Auszeichnungen auf überregionaler Ebene.

Besonders wichtig ist eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Diese Zusammenarbeit ist ein wesentlicher Garant für eine erfolgreiche Unterrichts- und Erziehungsarbeit. Mit der Errichtung des Seminars für Lehrerbildung für den sonderpädagogischen Bereich am Standort Bad Mergentheim wurde die Schule zur Ausbildungsschule für angehende Sonderschullehrer. Dieser Auftrag sichert unter anderem die Qualität des Unterrichts und gewährleistet eine stetige Weiterentwicklung.