Lauda / Königshofen

Weinbaujahr 2017 Winzer in Tauberfranken ziehen trotz Wetterkapriolen und Frost eine positive Bilanz

Mit Qualität und Menge sehr zufrieden

Trotz außergewöhnlicher Wetterkapriolen, insbesondere mit enormen Spätfrösten Ende April, können die Winzer in Tauberfranken eine relativ gesehen erfolgreiche Ertragsbilanz vermelden.

Main-Tauber-Kreis. „Wir hatten zwar Verluste, jedoch nicht so stark wie befürchtet, sondern im Durchschnitt eine Normalernte, die der badischen Mittelquote entspricht“, berichtet Alexander Ley, Bereichsvorsitzender Tauberfranken des Badischen Weinbauverbands und Geschäftsführer des Winzerkellers im Taubertal in Reicholzheim. Allerdings seien lokale und von den einzelnen Lagen abhängig sehr große Unterschiede bei den Erträgen zu verzeichnen gewesen.

Besonders stark von den Frostschäden betroffen seien Dertingen, Reichholzheim und Bronnbach gewesen, weniger betroffen höhere Lagen wie zum Beispiel Külsheim und Uissigheim sowie beregnete Lagen wie im Schüpfer Grund und in Gerlachsheim. Bei vielen Lagen hätten sich die Schädigungen im Lauf des Jahres durch positiven Vegetationsverlauf unter anderem durch reichliche Niederschläge zur richtigen Zeit relativiert.

Positiver Sommeraustrieb

„Das ganze Jahr betrachtet, ist es noch einmal gut ausgegangen“, zieht Konrad Schlör, Inhaber des gleichnamigen Weingutes in Reicholzheim, eine adäquate Bilanz. „Insbesondere der Sommeraustrieb hat sich sehr positiv entwickelt, so dass uns der Frost nicht so stark geschädigt hat, wie zunächst befürchtet“.

Zudem sei der Frühsommer geradezu perfekt gewesen, wodurch die nicht erfrorenen Haupt- und Beiaugen fast gleichzeitig austrieben.

Zwar hätten die Beiaugen einen geringeren Fruchtansatz aufgewiesen, jedoch sei das Traubengewicht durch eine günstige und sehr frühe Blüte fast so hoch wie in normalen Jahren gewesen.

Zudem habe sich der Sommer trotz wenig heißen Temperaturen bis in den Frühherbst hinein für die Traubenentwicklung als sehr günstig erwiesen. Gleichwohl sei die Zeit von der Blüte bis zum heuer sehr frühen Erntezeitpunkt verhältnismäßig kurz gewesen, so dass man die Ausreifung der Trauben nicht mit anderen Jahren vergleichen habe können.

„Deshalb umfassten die Erträge in unserem Betrieb nur 70 bis 75 Prozent einer Normalernte. Durch komplette Entfernung der später entstandenen Triebe konnten wir allerdings eine sehr gleichmäßige Traubenentwicklung erzielen, so dass heuer erneut eine sehr herausragende Qualität erreicht werden konnte, die sich an die vergangenen Jahre anschließt. In Anbetracht der Wetterkapriolen in 2017 sind wir sowohl mit der Quantität als auch der Qualität durchaus zufrieden“, bilanziert Schlör.

Von einem ungewöhnlich frühen Lesebeginn im September, der rund 14 Tage vor dem Normalerntezeitpunkt gelegen habe, berichtet ebenso Manfred Braun, Kellermeister der Becksteiner Winzer eG.

„In der Summe haben wir trotz Frostschäden das langjährige Mittel der Erträge erreicht“, resümiert er für die verschiedenen Genossenschaftswinzer. „Die größten Herausforderungen für unsere Betriebe in den vielen Ortschaften und mit den vielseitigen Rebsorten waren die heftigen Kapriolen des Wetters sowie die Erfordernis einer akribischen Koordination der Arbeiten bis hin zum Ablesen des richtigen Erntezeitpunktes insbesondere durch die unterschiedlichen Reifegrade und Reifezeitpunkte, um einer fachgerechten Lese gerecht zu werden“. Die Organisation sowie vor allem auch die Zusammenarbeit mit den Winzern, den Gremien und der Kellerwirtschaft seien zu jedem Zeitpunkt im Fokus gestanden und hätten sich sowohl bewährt als auch im Ergebnis ausgezahlt. Besonders freut sich der Becksteiner Kellermeister über die fruchtbetonten und finessenreichen Sorten Müller-Thurgau, Bacchus und Kerner sowie über gehaltvolle Chardonnay, Grauburgunder und Weißburgunder aufgrund deren hohem Entwicklungspotenzial.

„Frostschäden im April waren vorhanden, teilweise konnten durch Frostruten jedoch die Schäden partiell kompensiert werden“, teilt übereinstimmend mit seinen Winzerkollegen Karlheinz Sack, Geschäftsführer des Weinguts Johann August Sack in Lauda, über die Herbstbilanz seines Betriebes mit. Bei fehlenden Frostruten hätten entsprechende Ertragseinbußen festgestellt werden müssen. „Unter anderem die ergiebigen Niederschläge Ende August und Mitte September haben begünstigt, dass die Erntemenge nach oben hin korrigiert werden konnte“, hebt Sack hervor. Beim Müller-Thurgau beispielsweise liege das Traubengewicht, das üblicherweise zwischen 200 und 220 Gramm betrage, heuer sogar bei über 260 Gramm.

Trauben blieben lange hängen

In den Anlagen, in denen gute Laubarbeit und Ausdünnungsarbeiten an den Trauben vorgenommen wurden, sei es möglich gewesen, die Trauben sehr lang hängen zu lassen, um diese zu einem optimalen Zeitpunkt lesen und somit eine höhere Qualität erzielen zu können. Daher gebe es viele Spätlesen bis in den Auslesebereich hinein, insbesondere bei Rieslingauslesen.

„Trotz der Wetterkapriolen und daraus resultierende enorme Nervenkitzel haben wir einen qualitativ überdurchschnittlichen Weinjahrgang bei Quantitäten im langjährigen Schnitt“, zog Sack ebenfalls bei Allem ein insgesamt sehr zufriedenes Fazit.