Lauda / Königshofen

Leserbrief Ein Tier verdient Respekt und Hilfe, wenn es in Not geraten ist

Moment der Geborgenheit und Wärme

Am Freitag, 30. November, fuhr ich gegen 7.30 Uhr aus Lauda Richtung Tauberbischofsheim. Da sah ich plötzlich auf meiner Fahrbahn, auf der Tauberbrücke, etwas Schwarz-Weißes liegen, das sich bewegte. Weiterfahren ging nicht, da lag schließlich ein Lebewesen, ich hätte drüberfahren müssen. Ausweichen auf die Gegenfahrbahn, auf der Tauberbrücke, war wegen des Berufsverkehrs nicht möglich. Im Bruchteil einer Sekunde muss man reagieren.

Ich bremste, aktivierte die Warnblickanlage, hielt an. Während andere Fahrer ungeduldig hupten, stieg aus dem Auto hinter mir ein Mann aus, zusammen schauten wir nach, um welch ein Tier es sich handelt und ob wir noch helfen können. Es war eine Katze, die unmittelbar zuvor angefahren war, sie war sichtlich schwer verletzt, lebte aber noch und schaute uns herzzerreißend Augen an. Der Mann holte eine Decke aus seinem Wagen, mit der ich den Körper der blutenden Katze bedeckte und andere Autos weiter hupten.

Ich sprach eine Weile leise mit dem Tier, trug es vorsichtig von der Straße und legte es behutsam auf dem Gehsteig in Nähe der Nepomukstatue nieder.

Währenddessen rief der Mann die Polizei an. Ich habe selber Tiere und weiß, dass verletzte Tiere aggressiv reagieren können, darum habe ich die Katze nur mit äußerster Vorsicht angefasst, bin jedoch davon überzeugt, dass das Tier unsere Fürsorge spürte.

Es dauerte lobenswerterweise nicht allzu lange, da kam ein Polizeiauto, und nachdem wir die Sachlage besprochen hatten, nahmen die Polizisten die Katze mit, um sie zu einem Tierarzt zu bringen. Auf der Fahrt dorthin starb die Katze jedoch. Sie hatte weder ein Halsband mit einer Telefonnummer, noch eine sonstige Kennzeichnung, so fanden wir nicht heraus, ob sie ein Zuhause hat und von jemandem schmerzlich vermisst wird. Das zeigt, dass eine Tierkennzeichnung (Tätowierung oder Chip) und eine Registrierung bei Tasso bei Freigängerkatzen sinnvoll ist.

Vielleicht liest der Besitzer diese Zeilen und weiß nun Bescheid. Vielleicht liest auch der Autofahrer, der diese Katze angefahren hat und ohne zu helfen einfach weitergefahren ist, diese Zeilen.

Tiere rennen manchmal unerwartet über die Straße, da kann es auch mal zu einem Unfall kommen. Klar ist, dass unzählige Menschen an einem verletzten Tier vorbeifahren – ohne nachzusehen, ob Hilfe benötigt wird.

Aber wenn man ein Tier angefahren hat, sollte es doch selbstverständlich sein, stehen zu bleiben und ihm zu helfen, wenn es noch lebt. Es empfiehlt sich auch, eine Meldung zu machen, wenn es mitten auf der Fahrbahn liegt und für nachfolgende Verkehrsteilnehmer eine Gefahr darstellt.

Ich danke meinem Helfer und der Polizei für ihr beherztes Handeln. Auch wenn die Katze es nicht überlebt hat, ist sie doch nicht ganz allein auf der kalten Straße gestorben. Sie erfuhr in dieser Situation, unter Schmerzen, Angst und Schock, zumindest einen Moment der Geborgenheit und Wärme, bevor sie diese Welt für immer verlassen hat.

Das Wichtigste ist Mitgefühl für andere, fühlende Lebewesen und der Respekt vor ihnen. Es mag wohl nicht immer in die eigenen zeitlichen Pläne passen, spontan einem Tier in Not zu helfen. Aber würde man selber sich nicht auch Hilfe wünschen, wenn einem etwas zustößt? Hier gilt: Handele so, wie Du selber behandelt werden möchtest!