Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur bevorstehenden Kirchensanierung von St. Jakobus in Lauda

Mut und Dialogbereitschaft für Zukunftskonzeption werden vermisst

Unsere Kirche St. Jakobus ist nun seit dem 1. Oktober geschlossen und wird renoviert. Aber was ist eigentlich geplant? Da nur die Kirchenbesucher, und diese machen nur noch neun Prozent der Katholiken aus, die diese Renovierung bezahlen müssen, informiert werden, fühle ich mich verpflichtet, die restlichen 91 Prozent über einige entscheidenden Belange zu informieren.

In den nächsten Tagen trifft der Bauausschuss der Gemeinde die Entscheidung, ob und wie der Altarraum neu gestaltet wird. Ich sehe in dieser Entscheidung eine wichtige Grundsatzentscheidung, wie es zukünftig in St. Jakobus weiter gehen soll.

Wichtig hierbei zu wissen ist, dass ein neuer Altar und Ambo, laut Richtlinien der deutschen Bischofskonferenz zur Gestaltung von Kirchenräumen nach der Grundordnung des römischen Messbuches, Artikel V bis II, fest mit dem Boden verbunden und unverrückbar sein soll. (1 Petr 2,4; vgl. Eph 2,20). Der Kostenpunkt für ein solches neues Kunstwerk fängt bei mindestens 50 000 Euro an, wobei nach oben bekanntlich keine Grenzen gesetzt sind, da es sich hierbei um Kunst handelt.

Die bestehenden Prinzipalien sind keine wirklich künstlerische Einheit und aus verschiedenen Zeitepochen zusammengewürfelt. Zudem ist der Ambo zu hoch und hat keine Ablagemöglichkeiten, was einer neuen Gestaltung durchaus Rechnung tragen würde. Allerdings ist das Ensemble für viele Kirchenbesucher zu einer Einheit und heimatlichen Bild geworden, welches man laut der Zielformulierung auf jeden Fall erhalten möchte.

Der größte Nachteil eines neuen Altares ist allerdings, dass dieser nicht mehr, wie es bisher üblich und möglich war, verschoben werden kann um einen größeren Chor mit Orchester oder das große Blasorchester problemlos aufstellen zu können. Hier wird immer der Ambo und der Altar die Reihen sprengen was für die Musiker nicht immer einfach ist, da sich ihr gewohntes Klangbild dadurch verändert.

Aber das ist ja wohl auch nicht mehr gewollt, da explizit in der Ausschreibung des Künstlerwettbewerbes steht, dass für Konzerte die Flexibilität nicht zwingend erforderlich ist. Zudem wird man nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die Verständlichkeit der Sprache und nicht der Musik oberste Priorität hat. Auch kommt immer wieder der Hinweis, dass eine bessere Beschallungsanlage nur möglich ist, wenn es am Ende finanziell machbar ist.

Die gesetzten Prioritäten und dass die Kirchenmusik nur ganz am Ende steht, werden hier für mich sehr klar.

Man hat sich also entschlossen, an dem „Überalterten Laden“, wie es Kardinal Woelki in einem Artikel der FN vom 21.Juli 2018 beschrieben hat, festzuhalten, aus Angst, die ältere Generation zu vertreiben. Man hält weiter an einem System fest, das jährlich Tausende an Mitgliedern verliert und möchte dafür jetzt eine Menge Geld ausgeben. Man lobt fleißig die vielfältigen kirchenmusikalischen Aktionen, möchte ihnen aber keinen Raum geben. Das stimmt mich sehr traurig.

Immer noch ist die Kirchenmusik auf sich alleine gestellt. Man muss sich überwiegend selbst über Konzerte finanzieren (zum Beispiel die Renovation der Orgel in der Marienkirche) und muss dafür kämpfen, um zumindest eine Reinigung der Orgel in der Stadtkirche nach der Renovierung zu bekommen.

Ich würde mir wünschen, dass man weiter als zehn Jahre nach vorne schaut und überlegt, was wir wirklich brauchen. Sind das sündhaft teure Altäre und Kunstwerke und ein weiter so wie bisher, oder sind das Räume und Momente mit einer Atmosphäre, die auch junge Gläubige anspricht?

Das bedeutet nicht, dass die bisherigen Gottesdienste wegfallen und ersetzt werden sollen, sondern man in die Zukunft schaut und sich überlegt, wie die Gottesdienste in zehn bis 20 Jahren gefeiert werden können. Der beste Beweis, dass dies gelingen könnte, sind die stets gut besuchten Rorategottesdienste, Taizégebete, Kindersingspiele, Gottesdienste und Konzerte der unterschiedlichsten musikalischen Gruppierungen in unserer Gemeinde.

Meiner Meinung nach renoviert man entweder richtig und zukunftsfähig und kann dafür auch etwas ausgeben. Oder aber man belässt es bei einer kleinen Schönheitskur und hebt sich die finanziellen Ressourcen für die Zeit auf, in der man bereit ist, etwas wirklich zu erneuern.

Warum ist es in Lauda nicht möglich, wie es die deutschen Kardinäle Marx und Woelki fordern, zusammen mutig und dialogbereit neue Konzepte für die Zukunft zu suchen? In 50 Jahren, wenn wieder mal eine Renovierung der Kirche ansteht, ist es zu spät!