Lauda / Königshofen

Handball Vor ein paar Jahren trat Wolfgang Frei die Nachfolge von Gerd Schmidt als Hallensprecher an / Heute punktet der Mergentheimer mit Sachlichkeit und Wissen

Nerven behalten fällt manchmal schwer

Als Wolfgang Frei im Jahr 2014 die Nachfolge von Hallensprecher Gerd Schmidt antrat, wurde er nicht nur ins kalte Wasser geworfen, sondern musste eine recht große Lücke füllen.

Königshofen. Lange bevor der Anpfiff zum Handballspiel in der Tauber-Franken-Sporthalle ertönt, ist Wolfgang Frei vor Ort. Zwar wirft er hin und wieder einen Blick auf das Spiel der Damen, seine ganze Aufmerksamkeit gilt jedoch an diesem Sonntag der ersten Männermannschaft der HG Königshofen /Sachsenflur und ihrem Gegner.

"Für mich ist wichtig zu erfahren, welche Spieler an diesem Abend aufgestellt sind und dann gleiche ich das mit meinen Unterlagen ab", erklärt Frei. Die eigentliche Vorbereitung auf das sonntägliche Handballderby beginnt für den Hallensprecher bereits ein paar Tage vorher. Sehr genau recherchiert Wolfgang Frei die Statistik der gegnerischen Mannschaft und vor allem der Spieler. Wer spielt auf welcher Position und welche Stärken hat dieser Handballer? Gibt es Neuzugänge beim Gegner? Wer ist torgefährlich? Wie verliefen die Begegnungen in der Vergangenheit? All diese Fakten trägt Frei vor dem Spiel über den Gegner zusammen.

"Für unsere Mannschaft brauche ich das natürlich nicht", schmunzelt Frei. Was die erste Männermannschaft der HG betrifft, ist der Hallensprecher immer im Bild. Kein Wunder, denn seine ehrenamtliche Tätigkeit ist seit der Gründung der HG im Jahr 1997 fest mit dem Verein und dem Vorstand verbunden.

Seit 1978 ist Wolfgang Frei Mitglied beim TV Sachsenflur, ist dort seit vielen Jahren Turnrat, war unter anderem acht Jahre lang Vorsitzender des TV, wirkte am handballerischen Zusammenschluss zur HG mit und spielte weit über 30 Jahre selbst aktiv Handball, beispielsweise mit Roman Christov, Martin Frank, Miroslav Cico und Damir Rakovic in der Landesliga.

Noch heute erinnert sich Frei sehr gut an die Generalversammlung, auf der bekannt wurde, dass der langjährige Hallensprecher Gerd Schmidt seinen "Job" an den Nagel hängt. "Ganz ehrlich? Darum gerissen habe ich mich nicht, diese Nachfolge anzutreten", sagt Frei. Immerhin war "Manola", wie Gerd Schmidt auch genannt wurde, eine Art "Institution", der auch schon mal bissige Kommentare zu Leistungen der Handballer und Schiedsrichter abgab. "Ich versuche da eher sehr sachlich zu bleiben. Aber es gibt schon Situationen, in denen es mir als Vollbluthandballer schwer fällt, die Nerven zu behalten", schmunzelt Frei. Vor allem wenn es nicht so gut für die HG läuft, muss Frei sich bewusst zurücknehmen.

In der vergangenen Saison hatte er damit allerdings recht wenig Probleme. Und am Ende, am 30 April, um 19.15 Uhr machte er seine bisher schönste Durchsage: "Wir sind Landesligameister", brüllte er in das Mikrofon. Mit Abpfiff des Spiels gegen den SV Waldhof Mannheim hatte die HG nicht nur diese Mannschaft besiegt, sondern sich nach 22 Spielen mit 37:7 Punkten den Titel und den Aufstieg in die Verbandsliga gesichert. "Das war Freude pur", sagt Frei. Und die ist ihm dabei immer noch anzusehen.

Seine anfänglich große Nervosität vor dem Moderatorenposten ist inzwischen einer Routine gewichen. Trotzdem bewundert der stellvertretende technische Leiter im Caritas-Krankenhaus noch heute die Fähigkeit seines Vorgängers, sofort losplaudern zu können, egal aus welcher Situation heraus.

Auch mit der Musik drückt Frei dem Spiel seinen Stempel auf, ob ein Jingle aus einem Krimi oder auch mal die ehemalige Nationalhymne der DDR: "Die habe ich wegen des Textes gespielt, weil es da heißt: Auferstanden aus Ruinen", schmunzelt der Hallensprecher.

Tipps für die Pausenmusik holt er sich eher von seinen zwei Töchtern. Und wenn ein Stammgast unmittelbar vor dem Spiel mal einen Geburtstagsgruß los werden möchte, dann erfüllt Frei auch schon mal diesen Wunsch.

Für wirklich große Freude sorgte Frei jedoch bei den Nachwuchshandballern, als er vor ein paar Wochen das Meisterschaftsendspiel der D-Jugend gegen Mosbach von der Kabine aus kommentierte.

Und welche Durchsage will er am Ende der anstehenden Verbandsliga-Saison machen? "Dass wir, also die erste Männermannschaft, einen Platz unter den ersten drei Mannschaften in der Verbandsliga haben", kommt wie aus der Pistole geschossen. Ein kleines Lächeln umspielt dabei seinen Mund.