Lauda / Königshofen

90 Jahre Musikverein Schönfeld (Teil 1) Ein Blick in die Historie / In den Anfangsjahren alle Kosten aus der eigenen Tasche bezahlt

Neun jugendliche Idealisten als „Gründerväter“

Schönfeld.Neun jugendliche Idealisten von 18 bis 23 Jahren waren es, die 1928 die „Kapelle Edelweiß“ gründeten: Josef Deckert, Fritz Langmantel, Rudolf Langmantel, Karl Mark, Kaspar Nahm, Anton Schäfer, Kilian Schäfer, August Schieß und Philipp Weis. Später traten noch Peter Hayn und Heinrich Leber bei. Zweimal in der Woche traf man sich zur Probe: Einmal in Schönfeld, einmal in Gerchsheim, denn dort hatte die junge Kapelle in Valentin Spiegel einen erfahrenen Musiklehrer gefunden.

Alle Kosten wurden aus eigener Tasche bezahlt. Doch wie sollte man die teuren Instrumente bezahlen? Ein Mitglied war bereit, für die anderen das Geld vorzustrecken. Angeschafft wurden: Drei Trompeten, zwei Bass-Trompeten, ein Tenorhorn, eine Posaune, ein Es-Horn und eine Tuba.

Verschworene Gemeinschaft

Fleißig wurde nun geübt, ein guter Haustrunk als Ansporn hat dabei nie gefehlt. Selbst die dringlichste Arbeit in der Landwirtschaft hielt den Einzelnen nicht vom gesteckten Ziel ab, zur Not half einer dem anderen aus. So hatte sich eine verschworene Gemeinschaft zusammengefunden.

Den ersten großen Auftritt hatte die Kapelle beim Wasserfest 1929. Von nun an trat sie regelmäßig bei örtlichen Feiern auf, selbst in Bayern erspielte sie sich als Tanzkapelle einen guten Ruf. So war es nicht verwunderlich, dass bald die Schulden abgeleistet waren. Von der Gemeinde erhielt man jährlich einen Zuschuss von 50 Reichsmark. Nur mit der Kirchengemeinde mangelte es an Harmonie, denn der Ortsgeistliche erlaubte es nicht, als „Tanzkapelle“ auch in der Kirche zu spielen. Also wurde bei kirchlichen Anlässen immer nur bis zur Kirchentreppe gespielt. Doch diese Meinungsverschiedenheit wurde mit der Zeit aus dem Wege geräumt. Ein Jahr lang spielte Valentin Spiegel bei seinen Schützlingen mit, dann ging das Amt an Karl Mark über, der es bis zu seinem Tode 1970 innehatte.

Eine schwere Zeit erlebte die Kapelle während des Krieges, fast alle Mitglieder waren eingezogen, doch es gelang immer, wenn auch oft in kleinster Besetzung, bei kirchlichen Anlässen zu spielen.

Wie jeder andere Verein, blieb auch die „Kapelle Edelweiß“ nicht von Krisen verschont, doch auftretende Meinungsverschiedenheiten wurden meist von Philipp Weis, Sprecher der Kapelle, behoben. Dennoch wurde die Kapelle nach und nach immer kleiner, teils aus beruflichen Gründen, teils wegen Ortswechsels, auch kehrten einige aus dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr heim.

In den 50er Jahren hatte man schließlich akute Nachwuchssorgen. Vier junge Burschen waren schließlich bereit, in die Fußstapfen der Väter zu treten und ein Musikinstrument zu erlernen: Robert Mark, Josef Nahm, Erich Schieß und Herbert Weis. Die Ausbildung übernahm wieder Valentin Spiegel. Anlässlich der Glockenweihe 1951 trat man in der neuen Formation auf.

In den 60er Jahren forderte das Alter seinen Tribut, die Auftritte in der Öffentlichkeit mussten auf ein Minimum beschränkt werden. Besonders schmerzlich waren der Verlust von Robert Mark, der mit 15 Jahren starb, und der Tod des 44-jährigen Peter Hayn. Abgesehen von den kirchlichen Auftritten, spielte die „Kapelle Edelweiß“ letztmals 1969 bei einem Pokalturnier in der Öffentlichkeit. Das Musikleben schien langsam, aber sicher zu ruhen.

Da ergriff 1970 der damalige Leiter der Grundschule Schönfeld, Hauptlehrer Helmut Michelbach, die Initiative.

Die Gemeinde sicherte ihm die finanzielle Hilfe für eine Neugründung zu. Ein Aufruf an musikinteressierte Jugendliche hatte Erfolg. 24 Burschen, davon 21 noch im Schulalter, traten der neuen Musikkapelle bei. Jeder musste für sein Instrument den gleichen Eigenanteil leisten, den Rest brachte man dank vieler Spenden und nicht zuletzt des Zuschusses von 8000 Deutschen Mark seitens der politischen Gemeinde auf. Eine große Anzahl von Einwohnern unterstützte als förderndes Mitglied die Kapelle.

Von der alten Kapelle blieben Josef Nahm, Kilian Schäfer und Erich Schieß aktiv. Die musikalische Ausbildung und Leitung übernahmen Helmut Michelbach und Kilian Schäfer. Mit großer Begeisterung machten sich alle an die Arbeit, denn mit dem anstehenden Kirchenbau hatte man schon ein großes Ziel vor Augen. Anlässlich des Gelübdetages St. Laurentius trat die Kapelle 1970 erstmals an die Öffentlichkeit. Weitere Höhepunkte waren der erste Spatenstich zur neuen Pfarrkirche, die Grundsteinlegung, die Glockenweihe und schließlich die Einweihung der neuen Pfarrkirche. 1974 trat Kilian Schäfer aus Altersgründen zurück. Spontan wurde er in der folgenden Generalversammlung zum Ehrenmitglied ernannt. Diese Ehre war bereits bei der Neugründung Kaspar Nahm, August Schieß und Philipp Weis zuteilgeworden.

Erforderlich wurde nun auch die Wahl eines Vorstands. Josef Nahm wurde Vorsitzender. Ihm zur Seite stellte man als zweiten Vorsitzenden Archibald Roth und als Schriftführer Hubert Weniger. Die musikalische Leitung lag weiter in den Händen von Helmut Michelbach. Als nächstes Ziel steckte man sich nun den Ausbau der Kapelle. Durch einen Verkehrsunfall hatte man den 15-jährigen Hans Geiger verloren. Bei manchen hatte die erste Begeisterung bereits nachgelassen, sieben Nachwuchsschüler wurden ausgebildet und die Kapelle um fünf Klarinetten erweitert. Nach Auflösung der Grundschule Schönfeld verließ mit Ende des Schuljahres 1974/75 Helmut Michelbach die Gemeinde, um sich in Königshofen niederzulassen. In der Übergangszeit leitete Erich Schieß die Kapelle, später Klaus Stoy. mv