Lauda / Königshofen

20. Auflage des Kabarett-Sommers im Weinhof Ruthardt Horst Fyrguth, Johannes Schröder und Thorsten Bär begeisterten zum Auftakt

Pointen am laufenden Band

Archivartikel

Der Kabarett-Sommer im Laudaer Weinhaus Ruthardt feiert sein 20-jähriges Bestehen.

Lauda. Den Auftakt zum Kabarett-Sommer machte bei der Jubiläumsauflage der Veranstaltung am Freitag ein alter Bekannter des Weinhauses Ruthardt, nämlich Horst Fyrguth. Bereits zum 4. Mal war er in Lauda zu Gast.

Wie schon bei seinem Auftritt im Vorjahr, hatte sich Horst Fyrguth auch dieses Mal wieder Verstärkung mitgebracht. Im Wechsel mit Johannes Schröder und Thorsten Bär servierte der Kabarettist vor ausverkauftem Haus Pointen am laufenden Band. Zu Beginn der Vorstellung weihte der selbsternannt Hobbyphilosoph Fyrguth das Publikum erst einmal in die Geheimnisse der Philosophie ein. Und da darf natürlich Konfuzius nicht fehlen.

„Wenn eine Mücken auf deinem Hoden sitzt, lernst du, dass Gewalt keine Lösung ist“, zitierte der Rheinländer den chinesischen Philosophen und sorgte damit für viel Heiterkeit beim Publikum. Weiter ging es mit einem Sprung in Fyrguths’ Schulzeit. Die hat ihm allerdings nicht sonderlich gefallen, war er doch auf einer Waldorfschule. Dort waren einige Dinge irgendwie ziemlich seltsam. „Wenn wir dort Reise nach Jerusalem gespielt haben, haben wir uns immer gegenseitig höflich den Platz angeboten“.

Und auch beim Backen war einiges anderes als gewohnt: „Die Milch war nie sauer, sondern nur sehr, sehr enttäuscht und die Eier durften nicht getrennt werden wegen des Trennungsschmerzes“. Aber zumindest eines aus der Waldorfschule hat der Unterhaltungskünstler bis heute behalten, er schwört nämlich auf Homöopathie. „Nur dass ich die Zuckerkügelchen durch Rumkugeln ersetze“.

Mit dem Thema Schule beschäftigte sich auch Johannes Schröder, seines Zeichens Deutschlehrer und seit zwölf Jahren im Schuldienst, momentan an der Helene-Fischer-Gesamtschule in Köln-Chorweiler. „Ein ganz modernes Kinder-Guantanamo“, wie Schröder anmerkte. Dass die Schule ihn selbst auf der Bühne nicht loslässt, merkte man dem gebürtigen Berliner sofort an. So durfte das Publikum ihn mit einem kräftigen „Guten Morgen Herr Schröder“ begrüßen. Der erste Versuch war ihm allerdings noch zu motiviert, erst beim zweiten Anlauf mit Urwaldgeräuschen und Zwischenrufen kam bei Schröder das wohlige Klassenzimmergefühl auf.

Nicht gut zu sprechen war der Pädagoge auf die Zunft der Sportlehrer. „Das sind Kleingärtner mit Lehrerlaubnis“, setzte Schröder zur Kollegenschelte an. „Ball in die Turnhalle geworfen und der Unterricht ist vorbereitet“, bemerkte er bissig. Als Deutschlehrer ist Schröder ja eigentlich ein Experte für Rechtschreibung. Dem Publikum erklärte er dann auch gleich, wie wichtig etwa korrekte Groß- und Kleinschreibung ist.

„Schreib mal einen Gruß an die Schwiegermutter: Ich hab dich Ungeheuer gern“. Das müsse man auf jeden Fall kleinschreiben. „Oder Sie müssen genau wissen, was Sie tun, wenn Sie es großschreiben“. Die deutsche Sprache hat noch einige weitere Gemeinheiten zu bieten. Ein paar Kostproben? „Warum ist im Wort lispeln ein ‘S’ und wieso stecken im Wort stottern gleich drei ‘T’?“, fragte sich Schröder. „Und wieso kommt im Wort Konfektionsgröße das Wort Konfekt vor?“

Kopfzerbrechen bereitete dem Pädagogen ebenso das Thema Digitalisierung an den Schulen. So werden ja beispielweise immer mehr Lehreinrichtungen mit WLAN, Tablets und Smart Boards ausgestattet. Das Problem dabei: „Wo sind die motivierten Schüler, die den Lehrern diese Dinge erklären?“. Denn für manchen Pädagogen sei ja schon der Videorekorder zu kompliziert.

„Wenn früher der Medienwagen reingeschoben wurde, wussten die Schüler immer, dass das jetzt dauern wird“. Und überhaupt, wie soll man denn bitte so einem alternden Studienrat im Cordjackett (Modell: „fifty shades of brown“) ein Tablet erklären? Ganz andere Sorgen plagten Thorsten Bär. „Ich bin handwerklich eine Null“, erzählte er. Bei seinem Vater sei das ganz anders, der sei ein richtiger Handwerker, „geboren im Obi“. „Mein Vater ist ein Feinmechaniker, ich bin ein Grobmotoriker“. Für seinen Vater ist Schröder deswegen beim Handwerken nur der „Halt ma“. Nicht zu verwechseln mit seinem Bruder, dem „Hol ma“ und der Mutter, der „Geh ma“.

Für einen stimmungstechnischen Höhepunkt sorgte Bär mit seinen sehr gelungenen Stimmenimitationen. So verkündete er etwa als Rainer Calmund: „Ich find die Flammküchelchen in Lauda zwar sehr, sehr klein, aber vom Geschmack Weltklasse. Und auch den Berliner Comedian Mario Barth ließ er zu Wort kommen. Wobei, eigentlich können die Laudaer ja froh sein, dass der nicht in Person da war. Denn laut Schröder wäre da die ersten 30 Minuten wohl nichts gekommen außer „Pass uff, Lauda“.

Und zu guter Letzt gab es noch eine verspätete Entschuldigung für die schlechten Leistungen der deutschen Nationalelf bei der Fußball-WM im vergangenen Jahr, überbracht vom Bundestrainer persönlich: „Die Leistungen, die wir zusammen mit der Mannschaft im Kollektiv gezeigt haben, waren eine Katastrophe“.