Lauda / Königshofen

Leserbrief Zur geplanten „Bodenverbesserungsanlage“ in Gerlachsheim

Politikverdrossenheit – wen wundert’s?

Archivartikel

Mit mehreren Einwohnern Gerlachsheims waren wir am Dienstag morgen beim Umweltschutzamt im Landratsamt in Tauberbischofsheim, um Einsicht zu nehmen in das Lärmgutachten, das mit Grundlage war für die Genehmigung der so genannten „Bodenverbesserungsanlage“ der Firma Konrad-Bau. Dabei war auch die Rede davon, dass schon viele Menschen Widerspruch eingelegt haben, was für die Behörde sehr zeitraubende Arbeit bedeute. Jeder einzelne Widerspruch müsse ja geprüft werden. Wenn dem Widerspruch nicht abgeholfen werden kann, wenn also die Widerspruchsgründe für das Umweltschutzamt nicht stichhaltig erscheinen, geht das Schreiben zur weiteren Prüfung an das Regierungspräsidium in Stuttgart.

Eher nebenbei erfuhren wir da, dass von all denjenigen, die als ihr gutes Recht Widerspruch eingelegt haben, bei Weiterleitung zum RP Gebühren anfallen werden, die im dreistelligen Bereich liegen können.

Über persönliche Einwendungen hinaus haben 180 Einwohner Gerlachsheims bisher schon bei einer Unterschriften-Sammlung eine Widerspruchserklärung unterschrieben. Diese Listen wollten wir beim Landratsamt abgeben, haben sie unter diesen Voraussetzungen aber gleich wieder mitgenommen.

Die ganze Sache befremdet uns. Da wollen sich betroffene Menschen gegen eine krasse Zumutung wehren. Immerhin sollen 155 000 Tonnen Erdaushub, Bauschutt, Bahnschotter, viele Arten von Schlämmen, Abfälle aus der Kanalreinigung, Bitumengemische, Gleisschotter und anderes in der Hauptsache durch die enge Ortsdurchfahrt Gerlachsheims mit ihren historischen Gebäuden gekarrt werden. Und dann soll man für die Wahrnehmung seines Rechtes empfindlich zur Kasse gebeten werden.

Ist das die Methode der überall erklärten Förderung bürgerschaftlichen Engagements?

Jetzt bleibt den besorgten Einwendern nur noch übrig, in ihrer Höhe ungewisse Gebühren zu erwarten oder zur Freude derer, die ohne Rücksicht auf die Bevölkerung und den Lebenswert unseres Dorfes diese irrsinnige Anlage beantragt und genehmigt bekommen haben, ihren Widerspruch zurückzuziehen, also nach außen hin sich mit allem einverstanden zu erklären.

Grassierende Politikverdrossenheit und Wutbürgertum – wen wundert’s noch?

Noch ein Hinweis: Wer die unkalkulierbaren Gebühren scheut, kann seinen Widerspruch beim Umweltschutzamt im Landratsamt Main-Tauber wieder zurückziehen, sollte dies aber möglichst noch in dieser Woche tun.