Lauda / Königshofen

Lebenshilfe Vortrag über Erbrecht von Rechtsanwalt Flasbeck

Rechtzeitig und richtig handeln

Archivartikel

Main-Tauber-Kreis.Richtig vererben ist sicher das Anliegen eines jeden. Das deutsche Erbrecht schafft hierfür alle erdenklichen Möglichkeiten. Wichtig ist aber, dass von diesen Möglichkeiten auch zutreffend Gebrauch gemacht wird. Dies gilt insbesondere, wenn die Erben Menschen mit Behinderung sind.

Die Lebenshilfe Main-Tauber-Kreis hatte deshalb im Rahmen ihrer Vortragsreihe „Wissenswertes für Menschen mit Behinderung“ zum Thema Erbrecht ins Irma-Volkert- Haus in Heckfeld eingeladen. Als Referenten hatte sie den für Erbrecht spezialisierten Rechtsanwalt Jochen Flasbeck gewinnen können.

Lebhafte Fragerunde

Die Resonanz und die Erwartungen waren dementsprechend groß. Die nach dem Impulsvortrag des Referenten sehr lebhafte Fragerunde verdeutlichte einmal mehr, wie viele Unklarheiten und auch falsche Vorstellungen über das Erbrecht kursieren.

Erfreulich und hilfreich war es deshalb, dass es der Referent verstand, anhand von Schaubildern und konkreten Fallbeispielen dem juristischen Laien in verständlicherweise die Grundzüge des Erbrechts darzulegen. Begriffe wie Vorerbe, Nacherbe, Berliner Testament, Erbvertrag, Pflichtteil oder Testamentsvollstrecker wurden so nachvollziehbar erläutert.

Das Behindertentestament

Detailliert ging Rechtsanwalt Jochen Flasbeck im Hinblick auf die Zuhörer auf das sogenannte Behindertentestament ein, dem trotz des neuen Bundesteilhabegesetzes nach wie vor große Bedeutung zukommt.

Das Behindertentestament geht von einer Erbeinsetzung des behinderten Kindes aus, und zwar bereits beim ersten Erbfall, also dem Versterben eines Ehepartners. Das behinderte Kind wird dabei in Höhe eines Erbteils, der zumindest geringfügig über dem gesetzlichen Pflichtteil liegen muss, zum sogenannten nicht befreiten Vorerben eingesetzt. Als Nacherben werden etwa seine Geschwister berufen.

Zusätzlich wird eine Dauertestamentsvollstreckung bis zum Tod des behinderten Kindes angeordnet. Damit wird erreicht, dass einerseits dem behinderten Kind, das Leistungen aus der Sozialhilfe beziehungsweise der Eingliederungshilfe erhält, weitere finanzielle Leistungen zufließen, andererseits das Familienvermögen erhalten bleibt, das so nicht dem Sozialhilferegress ausgesetzt ist.

Komplizierte Sachlage

Speziell das Behindertentestament belege eindrücklich, so der Vorsitzende der Lebenshilfe, Jörg Hasenbusch, der die Fragerunde moderierte, wie kompliziert das Erbrecht sein kann. Aus seiner Sicht sei es für den Erblasser geboten, wenn er es nicht nur bei der gesetzlichen Erbfolge belassen wolle, die Weichen rechtzeitig zu stellen und sich dazu professioneller Hilfe zu bedienen. Zugleich wies er, ebenfalls unter dem Aspekt der Vor- und Fürsorge, auf die Bedeutung der von Rechtsanwalt Flasbeck erläuterten Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung hin. lh