Lauda / Königshofen

Ausstellungseröffnung Werner Keppner sprach über "Die Königshöfer Zent - eine frühfränkische Gerichtsstruktur; die Zentgemeinde Kupprichhausen stellt sich vor"

Referent zog Zuhörer in seinen Bann

Längst nicht mehr wegzudenken: Bereits seit 1980 bereichert der Heimat- und Kulturverein Phönix das Geschehen rund um die Königshöfer Messe.

Königshofen. Ein weiteres Mal ein weit gespannter Bogen, der quer durch Europa und daraufhin wieder zurück führte: "Die Königshöfer Zent - eine frühfränkische Gerichtsstruktur; die Zentgemeinde Kupprichhausen stellt sich vor", so lautet das Motto der Ausstellung des Heimat- und Kulturvereines Phönix 1980 zur Königshöfer Messe, eröffnet durch einen exzellenten Fachvortrag, der die Zuhörer sichtlich in seinen Bann zog. Lang anhaltender Applaus der über 100 Besucher auf der oberen Etage des einstigen Rathauses galt daher am späten Donnerstagnachmittag der "grauen Eminenz" des Phönix, Werner Keppner, der wie gewohnt äußerst sachkundig und daher ungemein informativ die umfangreiche Thematik aufbereitete.

Bei ebenfalls mit viel Beifall bedachter musikalischer Umrahmung durch das Blechbläser-Quintett "Just Brass", bestehend aus Thomas Nitschke (Trompete, Königshofen), Hubert Zwerger (Trompete) und Uwe Rennhofer (Posaune, beide Königheim) sowie Hans Peter Scheifele (Horn) und Norbert Waltert (Tuba, beide Gissigheim), oblag die Begrüßung dem neuen Beisitzer Dominik Martin, der eingangs an das bekannte Messe-Gedicht des vor 100 Jahren in Flandern gefallenen Tauberbischofsheimer Poeten Josef Dürr erinnerte.

Illustre Gästeschar

Eine illustre Gästeschar aufzählend, an der Spitze der baden-württembergische Minister der Justiz und für Europa, Guido Wolf, weiterhin unter anderem die Vertretungen aus Gaukönigshofen und Bad Königshofen sowie eine Abordnung aus Kupprichhausen unter Ortsvorsteherin Karin Körner oder Kreisarchivarin Claudia Wieland, leitete Martin damit über zum bereits gespannt erwarteten Referenten.

Ausgehend von der Erkenntnis, dass sich wohl schon sehr früh auf der Höhe innerhalb der Kupprichhäuser Gemarkung im Ahornwald mit zwölf Grabhügeln ein beachtlicher, ungewöhnlich aufschlussreicher Kulturort gebildet habe, und damit ein kraftvolles Zentrum aus der Keltenzeit, beleuchtete Werner Keppner daraufhin die Entwicklung über die folgenden Jahrhunderte, dabei vor allem den Werdegang der erstmals 240 nach Christus erwähnten Franken streifend, ehe er über die Ausbildung der Rechtskultur das Augenmerk gezielt auf das Gerichtswesen lenkte.

Den Bezug zum Mönchtum herstellend, verwies das Ehrenmitglied des Phönix auf die auch heute noch so bezeichneten "Klosterwiesen", die sich vom Kupprichhäuser Friedhof bis weit ins Tal hinein erstreckten, bevor er sich näher mit der Marien-Wallfahrtskapelle in der Gemeinde beschäftigte, seitens Bronnbach in herausragender Stellung eingeordnet.

Nach einem ausführlichen Blick auf die "üblen Auseinandersetzungen um den rechten Weg und Glauben" in diesem Gebiet, verbunden mit allen Abhängigkeiten, hielt der pensionierte Pädagoge fest, dass damit dem Dorf eine strategische Schlüsselposition zugefallen sei, um so über folgende Auswüchse endgültig im neueren Zeitabschnitt zu landen, wisse man doch von früheren Generationen her, dass in Kupprichhausen bis gar ins 20. Jahrhundert hinein noch bemerkenswert zwei ziemlich unterschiedliche Dialektfärbungen die Szene beherrschten - "im oberen Ort anders und feiner als hinten und unten in den Randzonen".

Über den Oberbegriff "Heimat" kam der Referent dann auf einzelne Familien zu sprechen, die sich nach und nach in diesem Umfeld ansiedelten, nicht zu vergessen die etliche Schultheißen und Bürgermeister stellende Keppner, zugezogen zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus der Weinbaugemeinde Repperndorf aus dem Maindreieck bei Kitzingen.

Auf die Königshöfer Zent, diesen recht geschlossenen Gerichtsbezirk, direkt überleitend, zählte Werner Keppner danach die dazu gehörenden Namen auf, und zwar die Stadt Lauda plus die Dörfer und Weiler Oberlauda, Heckfeld, Lengenrieden, Kupprichhausen, Ober- und Unterschüpf, Beckstein, Sachsenflur, Dainbach, Edelfingen, Ober- und Unterbalbach, Oesfeld, Neubronn, Reckerstal, Messelhausen, Marstadt, Deubach, Sailtheim, Hofstetten sowie Marbach mit den zwischenzeitlich untergegangenen Orten Giessenbach und Oberdainbach - zusammen mit der Zentrale Königshofen insgesamt 25 Ortschaften, "unter denen sich Kupprichhausen überhaupt nicht zu verstecken braucht", so die Anmerkung.

Die Großen schafften das Große, die Guten das Dauerhafte, fügte der ehemalige Reallehrer an, der bekräftigte, dass die Teilgemeinde von Boxberg aus unterschiedlichen Wurzeln und Traditionen zu einer beispielhaften Einheit gefunden habe. Um diesen harmonischen Einfluss zu erhalten, dazu benötige es jeden einzelnen - Personen und Gruppen, die sich dafür vorbehaltlos einsetzen, forderte abschließend der ausgewiesene Geschichtsexperte, der später auch noch die große Zahl an Interessenten durch die sehenswerte Ausstellung führte.

Besondere Reise

Zuvor allerdings bestätigte in den Grußadressen zuerst Bürgermeister Thomas Maertens, dass es der Referent seit Jahren bestens verstehe, sein Publikum mit auf eine besondere Reise zu nehmen, ungebrochen auch im 602. Jahr der Königshöfer Messe. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, bescheinigte das Stadtoberhaupt, ehe Justizminister Guido Wolf mit klugen Gedanken zum Handeltreiben, dem Marktrecht und überhaupt zur Rechte-Gemeinschaft aufwartete, um daraufhin über Europa letztlich wieder in Königshofen anzukommen. Von einem Spaziergang durch weit mehr als 1000 Jahre sprach danach der CDU-Fraktionsvorsitzende im Stuttgarter Landtag, Dr. Wolfgang Reinhart, der nach Ausführungen zu den wichtigen Werten wie Heimat und Tradition kurz in Kindheitserinnerungen zum tauberfränkischen Volksfest mit jeweils über 200 000 Besuchern schwelgte.

Die guten Beziehungen unterstrich im Anschluss ausdrücklich der Stellvertreter des Bürgermeisters von Bad Mergentheim, Andreas Lehr, der betonte, dass "der Geist der Messe lebt", und zwar auch dank des Heimat- und Kulturvereines Phönix 1980.

Das Schlusswort gehörte dann der Vorsitzenden Agnes Haas, die neben dem großen Interesse vor allem die akribische Vorbereitung und den erheblichen Aufwand von Werner Keppner würdigte, verbunden mit Präsenten - auch an die zuarbeitenden Helfer im Hintergrund.