Lauda / Königshofen

Rokoko-Freigruppe vor dem ehemaligen Kloster Familie Buchler spendet 6000 Euro für die Renovierung des Kunstwerks

Sanierung des Kulturguts einen Schritt nähergekommen

Archivartikel

Gerlachsheim.Eine Renovierung der auf dem Klostervorplatz stehenden Rokoko-Freigruppe wird durch eine Spende von 6000 Euro durch Regine Buchler aus Braunschweig und deren Familie unterstützt. Dies gaben Edgar Weinmann, seit 60 Jahren ehrenamtlicher Denkmalpfleger aus Grünsfeld, und Bürgermeister Thomas Maertens bekannt.

Der imposante, reich an barocken Ornamenten ausgestaltete und aus gelbem Sandstein geschaffene Bildstock der Schmerzensmutter ist in drei Ebenen gegliedert. Die untere Ebene zeigt die Inschriften der Stifterfamilie Johann Martin Buchler (1695 bis 1753), jüngster Sohn von David Buchler und einstiger Weinhändler in Gerlachsheim. Datiert ist die Familieninschrift auf 1751, dem Erbauungsjahr des Monuments.

Auf der mittleren Ebene steht eine sehr lebendig komponierte Figurengruppe aus sechs Kindern und zwei Erwachsenen. Die damit dargestellte Stifterfamilie schart sich um die wundertätige Maria von Steinbach. Auf der dritten und damit obersten Ebene ist auf einem ornamental überbordenden Podest Maria in stark bewegter Haltung mit einem Schwert in der Brust und einer Krone auf dem Haupt dargestellt.

Im Verbund mit den damals ebenfalls von der Familie Buchler gestifteten vier Brückenheiligen der Grünbachbrücke und dem Bildstock „Kreuz mit Mater Dolorosa“ in Gerlachsheim bildete dieser vor dem ehemaligen Klostergebäude stehende Pfeilerbildstock „Maria von Steinbach als Trösterin der Betrübten“ die so genannte „Gerlachsheimer Anlage“.

Ihren heutigen Standort vor dem ehemaligen Kloster hat die Rokoko-Freigruppe seit 1970, nachdem sie sich zuvor in der Ortsmitte befand. In einem aktuellen und Ende Juni bei einer Bürgerversammlung vorgestellten Entwurfskonzept zur Umgestaltung des Vorplatzes des ehemaligen Klosters und Seniorenheims wird unter anderem vorgeschlagen, die Rokoko-Freigruppe an den linken Arealrand des Vorplatzes mit Blickrichtung in einer geplanten Sichtachse auf die Vorplatzfläche zu versetzen (wir berichteten).

Die jetzige Spenderin Regine Buchler gehört angeheiratet der Familie Buchler an und ist die Witwe des vor rund zweieinhalb Jahren verstorbenen Thomas Buchler, einem direkten Nachfahren des wohlhabenden Gerlachsheimer Weinhändlers und Weinbergbesitzers Johann Peter Buchler (1680 bis 1747), der 1729 für seinen ältesten Sohn Michael am Ort das Buchlerhaus (Buchlersches Weinhandelshaus) in der Würzburger Straße erbauen ließ.

Ebenfalls von der Weinhändlerdynastie Buchler und in derselben Straße wurde 1706 das Patrizierhaus (Buchlersches Weinhandelspalais) erbaut, das 1857 an die Familie des Weinguts Günther veräußert wurde.

Aufstieg und Wohlstand des Weinhändlers Johann Peter Buchler waren im Wesentlichen dadurch bedingt, dass die klassischen deutschen Weinbauregionen des 18. Jahrhunderts an Rhein, Mosel und Neckar unter den französischen Kriegen gelitten hatten, wodurch die Bedeutung der Weinregion Taubertal erheblich verstärkt wurde. Johann Peter Buchler und seine Familie nutzten diesen Vorteil, indem sie von Gerlachsheim aus mit Wein von Augsburg bis Amsterdam handelten.

Beide Barockgebäude stehen heute unter Denkmalschutz. Bei einem zweitägigen Besuch von Nachfahren der ehemaligen Weinhandelsdynastie Buchler in Gerlachsheim Anfang Juni, der im Wesentlichen von Regine Buchler initiiert worden war, standen besonders eine Besichtigung des historischen und noch heute in dieser Form erhaltenen Buchlerhausareals sowie anderer Barockgebäude wie etwa des ehemaligen Weinhandelspalais und weiterer Denkmäler im Mittelpunkt.

Seit Mitte Februar 2005 ist die ein Jahr zuvor gegründete Gerlachsheimer Bürger- und Vereinsinitiative „KulturGut“ Eigentümer des Gebäudekomplexes des historischen Buchlerhauses. Ermöglicht wurde der Ankauf durch diese Initiative zum einen ebenfalls durch Spenden der Familiennachkommen Buchler sowie zum zweiten durch Darlehen einiger Vereinsmitglieder. In diesen rund 13 Jahren sind die Initiatoren, Mitglieder und weitere Unterstützer zu Gange, das vormals stark heruntergekommene Anwesen des barocken Buchlerhauses, das insgesamt ein ehemaliges Weinhandelshaus als Haupthaus, eine Scheune sowie das sogenannte Kellerhaus mit einem darunter gelegenen großen Gewölbekeller umfasst, schrittweise zu restaurieren.

Als Geschenk für „KulturGut“ hatte Regine Buchler bei ihrem Besuch im Beisein der Familienmitglieder und weiterer Vereinsvertreter dem stellvertretenden Vorsitzenden Gunther Bauer ein Bild von Michael Buchler überreicht. „Die damalige Familie Buchler war sehr bedacht darauf, ihren Reichtum nicht nur für sich zu behalten, sondern mit Bescheidenheit und sozialem Engagement die Bürgerschaft daran teilhaben zu lassen“, hob sie hervor.