Lauda / Königshofen

Leserbrief Eine Betrachtung zu „Problemstellen“ in Königshofen / Erkennbare Stadtentwicklungskonzepte werden vermisst

„Sind die Messestädter denn Bürger zweiter Klasse?“

Im November 2014 hatte ich mich in einem Leserbrief zur Entwicklung Königshofens geäußert. Einige der von mir genannten „Problemstellen“: eine Ampelanlage an der südlichen Ortseinfahrt, das Fehlen eines gesetzlich vorgeschriebenen Lärmaktionsplans, eine automatisierte Geschwindigkeitsüberwachungsanlage, das Fehlen einer seniorengerechten Wohnanlage und die Problematik Umgehungsstraße. Doch was hat sich seither verbessert? Die Bilanz fällt jetzt, nach vier Jahren, ernüchternd aus.

Zwar wurde die Fußgängerampel am Aldi- Markt realisiert. Eine für Fußgänger gefahrlose Anbindung des Einkaufsmarktes an diesen Übergang – via verlängertem Gehweg oder Treppe – fehlt aber nach wie vor. Die Stadtverwaltung sollte hier Initiator und Koordinator sein, um auch älteren Menschen oder Eltern mit Kinderwagen einen Zugang zu ermöglichen – und Königshofen somit attraktiv zu halten. Im Kontrast zu fünf Millionen Euro für die Personalunterführung in Lauda fiele diese Maßnahme finanziell wahrlich nicht ins Gewicht!

Bereits ausgegeben ist das Geld für den Lärmaktionsplan. Als erste – und bisher einzige – Maßnahme wurde die oben genannte Ampelanlage realisiert. Einen mäßigenden Einfluss auf den parallel mit der Verkehrsflut steigenden Lärm hat sie jedoch nicht. Ich frage mich: Was ist mit den anderen Vorschlägen des beauftragen (und teuer bezahlten) Ingenieurbüros? Mit Tempo 50 ab der Obi-Kreuzung, einen Kreisverkehr an gleicher Stelle, gar einer stationären Geschwindigkeitsüberwachungsanlage? Was ist mit einer Verengung der nördlichen Orteinfahrt und dem vorgeschlagenen „Flüsterasphalt“? Wo bleibt gar die versprochene Bürgerbeteiligung? Was ist mit der Gesundheit der Anwohner, mit der Lebensqualität des Stadtteils? Oder sind die Königshöfer Bürger zweiter Klasse? Gar schon ihre Kinder?

Denn während in Oberlauda ein Waldkindergarten mit tollem Konzept entsteht, befindet sich die Königshöfer Einrichtung in desolatem Zustand. Dass der Kindergarten trotz fehlender Mittel und ausbleibender Zuschüsse noch kindgerecht betrieben werden kann, ist nur dem überdurchschnittlichen Engagement der dortigen Mitarbeiterinnen zuzuschreiben. Dass 2019 nun wenigstens feuerschutztechnischen Ertüchtigungen durchgeführt werden, erscheint wie ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die Einbahnstraße ist Teil des Radwegs Romantisches Taubertal. Wahrscheinlich ist sie deshalb seit Jahren im Zeitalter der Romantik verblieben. Ein Straßenbelag, der sogar den Postkutschen jener Zeit Probleme bereitet hätte, verfallende Bahnhofsgebäude im städtischen Besitz, Müll- und Geröllhaufen traut vereint mit zurückgebliebenen Baumaterialien und umlagerten Wertstoffcontainern. Romantisch eben? Die versprochene Sanierung fürs kommende Jahr darf deshalb kein Lippenbekenntnis bleiben: Hier ist deutlich mehr gefordert als Straßenbelag und Kanalisation zu erneuern!

Ähnliches gilt für die Tauber-Franken-Halle, die wohl bekannteste Veranstaltungs-Location der Gesamtstadt. „Falls die Zuschüsse fließen“, heißt es immer wieder, werde die dringend notwendige Sanierung angegangen. Sich mit aller Vehemenz dafür einzusetzen, sehe ich als Aufgabe der Stadtverwaltung und der Gemeindevertretung. Wir benötigen eine funktionsfähige Veranstaltungshalle – vor allem aber eine Sportstätte, die diesen Namen auch verdient hat. Wie eine gelungene Kombination aussehen könnte, wäre Teil eines Stadtentwicklungskonzeptes, das es so leider nicht zu geben scheint.

Weil die Umgehungsstraße weiter in ferner Zukunft liegt, haben täglich immerhin Tausende Autofahrer die Möglichkeit, beim Durchfahren in Schrittgeschwindigkeit zu bewundern, wie florierend Königshofen doch ist. Man fragt sich nur, was die Leute hier eigentlich machen: Schließlich liegt die „beste Lage zwischen Tauberbischofsheim und Bad Mergentheim“ doch in Lauda, wie Bürgermeister Maertens in der letzten Gemeinderatssitzung betonte.

Weiterhin keine erkennbare Stadtentwicklungskonzepte, keine Seniorenwohnanlage, brachliegende Gewerbeobjekte, zugeparkte Anfahrtswege zum Turmberg – manches wäre noch zu sagen! Weil die Stadtverwaltung ihre volle Aufmerksamkeit nun ausnahmsweise mal nach Lauda lenkt, müssen wir Königshöfer wohl einfach gelassen bleiben.

Nachdem in Lauda dann noch zusätzlichen Schuhläden, Sportgeschäfte und ein Seniorenheim entstanden sein werden, kommt bestimmt auch mal Königshofen dran.