Lauda / Königshofen

FN-Interview Andreas Lebbing kommt am Dienstag, 19. September, mit seiner Gruppe "Wind" nach Königshofen in die Tauber-Franken-Halle

"Singen muss Spaß machen"

"Für alle" und "Lass die Sonne in dein Herz" sind längst Evergreens. Am Dienstag kann man die Hits von "Wind" live in Königshofen erleben.

Königshofen. Zweimal holte sich die Band den zweiten Platz beim "Grand Prix Eurovision de la Chanson", wie der "Eurovision Song Contest" damals noch staatstragend hieß. Mit Hanne Hallers Lied "Für alle", mit dem sie 1985 beim Musikspektakel Göteborg Silber holten, startete die Karriere von "Wind".

Zwei Jahre später, und diesmal schon mit Andreas Lebbing, verfehlte das Quintett mit "Lass die Sonne in Dein Herz" von Ralph Siegel und Bernd Meinunger in Brüssel erneut knapp den Sieg.

Das ist alles lange her, doch die Gruppe ist immer noch gefragt. "Wind", das sind jetzt neben Andreas Lebbing Sängerin und Texterin Carolin Frölian sowie Lena-Marie Engel. Zum Telefoninterview erreichten wir Andreas Lebbing gestern in seinem Tonstudio in Bocholt.

Andreas, kann es wirklich sein, dass Sie jetzt schon seit 30 Jahren bei "Wind" sind?

Andreas Lebbing: Sogar schon seit über 30 Jahren, seit 1986.

Fragen Sie sich manchmal auch, wo denn die Zeit geblieben ist?

Lebbing: Das stimmt, aber es kommt stets was Neues, es geht immer weiter. Musik hält gewaltig jung. Alles um uns herum verändert sich, aber die Musik bleibt.

Die Welt wird nicht besser, so scheint es.

Lebbing: Oh ja, das ist richtig problematisch, auch was das Klima betrifft. Ich war gerade ein paar Tage in Holland und hatte nicht nur schlechtes Wetter, das waren schon richtige Weltuntergänge.

Musik dient vielen Menschen wohl immer mehr auch als Rückzugsort.

Lebbing: Sie ist wichtiger denn je. Die deutsche Musik ist mir vor allem im Popbereich zu negativ, zu melancholisch. Uns fehlt in der Musik die aufbauende Aufbruchstimmung. Mir geht es nicht immer um den Erfolg. Es geht mir um die Musik und darum, den Leuten eine Freude zu machen. Der Erfolg kommt, oder er kommt nicht, das kann man nicht planen.

Sie sind nicht nur Leadsänger der Gruppe "Wind", sondern arbeiten auch als Coach, besitzen ein eigenes Tonstudio - sind für Sie die Auftritte trotzdem auf der Bühne immer noch das Schönste?

Lebbing: Das finde ich fantastisch, es macht richtig Spaß - und das wird man auch am Dienstag sehen. Allerdings muss ich zugeben, dass lange Anreisen über hunderte von Kilometern nicht mehr mein Ding sind. Da hängt man länger im Auto 'rum als man auf der Bühne steht. In solchen Fällen wünscht man sich manchmal, die "bezaubernde Jeannie" zu sein (lacht). Aber wenn man dann da ist, gute Bedingungen vorfindet, dann macht es Freude. Königshofen ist für uns kilometermäßig jedoch völlig okay.

Was haben Sie dort beim Seniorennachmittag denn so vor?

Lebbing: Wir haben unser Programm danach ausgerichtet und werden ein paar schöne Sachen machen.

Verraten Sie ein bisschen mehr?

Lebbing: Wir präsentieren einen bunt gemischten Querschnitt, singen zum Beispiel Lieder von unserem 50er und 60er Jahre-Album und weitere ältere Songs, die wir neu arrangiert haben. Unsere Hits sind natürlich auch dabei. Das wird eine runde Sache.

Also grob die Richtung "Capri-Fischer"?

Lebbing: (lacht) Nicht ganz. Aber wir werden zum Beispiel "Ganz Paris träumt von der Liebe" singen. Es wird bestimmt lustig, denn wir wollen sehr interaktiv mit unserem Publikum arbeiten. Wir werden aus den Leuten einen großen Seniorenchor machen. Ich bin ja sehr chorerfahren, denn ich leite in Bocholt einen Kinderchor. Gerade habe ich auch noch einen Erwachsenenchor dazugenommen. Das macht einen Riesenspaß. Der Kinderchor tritt sehr oft auch in Seniorenheimen auf, und da haben alle immer viel Vergnügen. Viele gehen in einen Schul- oder Kirchenchor und dort geht es dann sehr ernst zu.

Bei uns läuft alles spielerisch ab. Die Kinder sind zwischen sechs und elf, da muss Singen Spaß machen. Die dürfen sich aussuchen, was sie singen wollen, und wir erarbeiten das zusammen.

Die Besetzung Ihrer Gruppe "Wind" hat oft gewechselt.

Lebbing: Ja, das ist immer unser Problem, das wird mir manchmal vorgeworfen. Viele sagen: Das sind aber gar nicht mehr die von früher! Wenn ich aber die Mitglieder von früher auf die Bühne stellen würde, hätte ich fünf ältere Leute dort stehen. Die Mädels haben geheiratet, Kinder bekommen.

Wir waren lange zu fünft, zu viert und dann zu dritt. Natürlich gibt es immer auch Auf und Abs. Wenn die Zeit beendet ist, ist sie beendet. Ich aber habe immer weitergemacht und als alleiniger Produzent versucht, den typischen "Wind"-Sound immer schön beizubehalten. Und Carolin Frölian schreibt einfach wunderschöne Texte - das passt perfekt.

Sie steht ja auch mit der Bühne.

Lebbing: Ja, und sie ist auch meine Lebensgefährtin. Im Januar kommt unser Baby, ein Junge. Ich brauche ja Nachwuchs für meinen Kinderchor! (lacht)

Wenn Sie nicht auf der Bühne stehen oder im Studio arbeiten, reisen Sie gerne, stimmt's?

Lebbing: Das ist richtig. Mit "Wind" habe ich insgesamt über 20 Kreuzfahrtfahrten gemacht und dadurch die Welt gesehen. Ich liebe es, auf Schiffen zu sein. Das ist mein Steckenpferd. Es gibt nichts Schöneres, als abends in einem Hafen abzulegen und morgens wieder woanders aufzuwachen.

Das ist genau mein Ding.