Lauda / Königshofen

Rückläufige Rinderhaltung Im vergangenen Jahr wurden im Main-Tauber-Kreis noch knapp 19 000 Tiere gehalten

Ställe werden sich wohl weiter leeren

Archivartikel

Rund 11,95 Millionen Milchkühe, Mastrinder, Zuchttiere, Mutterkühe oder Kälber stehen nach der jüngsten Zählung hierzulande in Ställen und auf Weiden – rund 332 000 weniger als 2017.

Main-Tauber-Kreis. Im Main-Tauber-Kreis geht die Rinderhaltung ebenfalls zurück: aktuell werden 18 917 Tiere gehalten, 125 weniger als vor einem Jahr. Ob’s ein anhaltender Trend ist, ist allerdings unklar, aktuell ist der geringere Bestand in den Ställen laut Bauernverband eher eine Wetterfolge: „Die Ursache liegt in den 2018 gestiegenen Kuhschlachtungen. Aufgrund der Futterunsicherheit nach der langen Trockenheit selektierten viele Landwirte verstärkt Kühe und Färsen aus.“

Langfristiger Trend

Trotzdem werden die Ställe wohl weiter leerer: „Längerfristig wird sich allerdings der Trend der sinkenden Erzeugung von Rindfleisch in Deutschland fortsetzen“, steht im Situationsbericht 2018/19.

Zugkraft, Milch, Fleisch – so hat das Rind vor etwa 8000 bis 10 000 Jahren, Herz und Magen der Menschen erobert. Sein Vorteil: Es kann komplett verwertet werden, ist nicht nur ein sehr nahrhaftes, sondern auch ein sehr nachhaltiges Tier, wie das heute im Öko-Deutsch heißt. Trotzdem zieht es im „Fleischatlas 2018“, den Heinrich-Böll-Stiftung, der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und die Monatszeitung „Le Monde Diplomatique“ herausgeben, gegenüber Insekten den Kürzeren: Vom Rind sind 40 Prozent essbar, vom Insekt 80 Prozent – allerdings lassen sich aus Heuschrecken keine Schuhe machen.

Rindern geht’s dabei ein wenig wie Dieseln, es gibt Forderungen, sie zu verbieten. Massentierhaltung macht Feinstaub heißt ein Klimakiller-Vorwurf, Rinder produzieren das Klimagas Methan als Verdauungsprodukt und die Fleischproduktion braucht zu viel Fläche heißen drei Hauptvorwürfe. Hat die Debatte den hiesigen Tierbestand in den vergangenen fünf Jahren verändert? Momentan gibt es im Main-Tauber-Kreis 18 917 Rinder (Stichtag: 3. November 2018) und von denen sind 6160 Milchkühe.

Bestandszahlen im Kreis

Nimmt man die Entwicklung der letzten fünf Jahre als Maßstab, um einen Trend zu erkennen, hat man folgende Bestandszahlen im Main-Tauber-Kreis: 2013 registrierten die Statistiker hier 20 097 Rinder (Milchkühe: 6289). Zwölf Monate später waren es 20 249 Rinder (Milchkühe: 6444). Im Jahr darauf registriert die Statistik 19 698 Rinder (Milchkühe: keine Angabe), zum Stichtag 2016 waren es 19 380 Rinder (Milchkühe: 6180), zum Stichtag 2017 dann 19 042 Rinder (Milchkühe: 6258) und im letzten November nun 18 917 Rinder (Milchkühe: 6160).

Was vermarktet sich am besten? Die Landwirte haben grob gesagt die Wahl zwischen Zuchtvieh, Milchvieh und Masttieren, gut koppeln lassen sich Milcherzeugung und Fleischproduktion. Im Kreis standen zuletzt 6160 Milchkühe in den Ställen. Sie machen damit momentan rund 32,6 Prozent des gesamten Rinderbestands aus (2013: 31,3 Prozent). Deutschlandweit kletterte dieser Anteil in den vergangenen fünf Jahren von 33,6 (2013) auf 34,3 Prozent (2018).

Milchbauern standen dabei im letzten Wirtschaftsjahr auf der Sonnenseite der Landwirtschaft: „Mit 90 600 Euro lag das durchschnittliche Unternehmensergebnis der auf Milchviehhaltung spezialisierten Betriebe im Wirtschaftsjahr 2017/18 um etwa zwei Drittel höher als ein Jahr vorher. Damit hat sich die wirtschaftliche Erholung nach den beiden Krisenjahren 2014/15 und 2015/16 weiterfortgesetzt. Hauptursache für die Ergebnisverbesserung waren die weiter deutlich erholten Milchpreise“, heißt es in der Bilanz des Bauernverbandes.

Die Milch macht’s in dem Fall wirklich. Von der wurde ja mal behauptet, dass sie auch müde Männer munter macht.

Aber das ist nicht das Hauptproblem derer, die unter dem Banner des Klimaschutzes das Rindersteak vom Grill holen wollen: Es „. . . gibt eine Gruppe von rund fünf Prozent Vielfleischessern unter den Männern, die fast dreimal so viel Fleisch verzehren wie die Durchschnittsdeutschen. Sie folgen Trends und Moden wie Wintergrillen, ’Paleo-Diät’, Protein-Drinks und Bodybuilder-Ernährung“ und gleichen damit den Fleischverzicht von vier Prozent Vegetariern locker aus, klagt der Fleischatlas.

Für gezielte Belastung

Dafür sollen sie bezahlen (aber nicht nur sie): Zu einer „gezielten finanziellen Belastung des Fleischverbrauchs“, raten Heinrich-Böll-Stiftung, Bund und Le Monde Diplomatique. Wer sich jetzt wundert, warum die Franzosen den Abschied vom Chateaubriand forcieren: Das tun sie nicht. Hinter der deutschen Ausgabe von Le Monde Diplomatique stecken die deutsche Tageszeitung taz und die Schweizer Wochenzeitung „WoZ“.

Gut getarnt? Geht noch weiter. Denn der Plan, die Kuh vom Grill zu holen, „müsste gut begründet sein und gleichzeitig gezeigt werden, wofür die Einnahmen verwendet werden“, sagen die Fleischatlas-Autoren: „Tierschutzabgabe“ wirkt positiver als „Fleischsteuer“.

Das Ergebnis ist allerdings dasselbe: Der kleine Mann kann sich kein großes Steak mehr leisten und wahrscheinlich reicht’s am Ende nicht mal mehr, auf Schweinhals auszuweichen. teb/zds