Lauda / Königshofen

Freiluft-Kabarett Rosenberg Lipinsky bot im Weinhof Ruthardt in Lauda sein Programm: „Wir werden alle sterben! – Panik für Anfänger“

Tägliche Frage: „Worüber regen wir uns heute auf?“

Archivartikel

Lauda.Kabarett auf höchstem sowie gänzlich unterhaltsamen und humorvollen Niveau bot Lutz von Rosenberg Lipinsky im Weinhof Ruthardt in Lauda. „Wir werden alle sterben! – Panik für Anfänger“ lautete der Titel seines aktuellen Programms im fast ausverkauften Weinhof Ruthardt, in dem Rosenberg Lipinksy erstmalig gastierte. Dabei ging er als „Pilot der ´Panik International“ auf einen Flug „vom Diesseits ins Jenseits“ vor allem der Frage nach, ob sowie gegebenenfalls weshalb Deutschland und seine Bürger voller Pessimismus bis hin Panik stecken würden.

Er sei Ehrengast bei Gesundheitstagen in Bad Wörishofen gewesen, die sich vier Tage lang um lebensverlängernde Maßnahmen für Seele und Körper gedreht hätten. „Und dann komme ich“, berichtete er lakonisch in Hinblick des dazu gegensätzlichen Titels seines Programms.

Deutschland sei in Aufruhr und jeden Morgen gebe es dieselben Fragen, nämlich „Worüber regen wir uns heute auf?“ und „Womit beginnen wir?“. Wir wachen schweißgebadet auf und schlafen, wenn überhaupt, aufgebracht ein, fühlen uns bedroht wie selten zuvor, denn ein Schreck jage den nächsten und keiner lasse nach.

Ob Finanzkrise, Wetter, Klimawandel, Zuwanderung und Flüchtlinge, Verkehrsmittel und Stuttgart 21, Ernährung oder Handy – überall sind die Bürger besorgt und werden pessimistische Diskussionen geführt, die öffentliche Panik ist groß und wächst stetig an. Das Leben werde immer schlechter, das Abendland gehe unter und die SPD gleich mit. Selbst die Weltuntergangvisionen im Jahr 2012 seien von einem pessimistischen „das wird ja doch nichts“ begleitet worden.

Früher sei Deutschland das Land der Ingenieure gewesen. „Kann mir einer das letzte große Bauwerk nennen, das fertig geworden ist?“, fragte Rosenberg Lipinsky gleichsam voller Ironie. Selbst gute Nachrichten wie etwa die 2016 erstmalig wieder angestiegene Geburtenrate würden nicht ankommen oder von Manchen wie etwa von der Pegidia ins Negative gezogen. Schlechte Nachrichten würden sich in Facebook zwölf Mal schneller verbreiten als gute. Sei Kanzlerin Angela Merkel etwa der einzige optimistische Mensch im Land? Die Hysterie nehme überhand und ebenso Äußerungen wie „das gab es doch früher nicht“ wie etwa Terroranschläge und Amokläufe.

Gleichzeitig seien viele Menschen von den zahlreichen Panikangeboten überfordert. Lutz von Rosenberg Lipinsky deckte in seinen kabarettistischen Gesellschafts-, Alltags-, Lebens- und Politikrundumschlägen vieles auf, was nur vermeintlich angebrachte „Panikmache“ sei. Zum Beispiel, dass früher in Hinsicht Terror vielleicht alles noch viel schlimmer gewesen sei, es jedoch lediglich kein Internet und andere digitale Medien gegeben habe, durch die sich die Nachrichten so rasch und zahlreich und weit verbreitet hätten, gab er zu bedenken.

Gleichzeitig stellte „Deutschlands lustigster Seelsorger“ die Politik zur Rede und deren Polemik bloß, die uns trostlos in Schrecken versetzen wolle. Denn die ausgiebige ängstliche und panische Terrorismusdebatte sei politisch „von oben“ aufgedrängt. „Angst und Panik sind kein Zustand, sondern eine Methode. Wer Panik hat, verliert die Empathie, und dass zählt zu den Zielen dieser Strategie wie auch etwa Neid und Missgunst“, lautete ein allerdings kaum lustiges, statt dessen sehr nachdenkliches Fazit Rosenberg Lipinskys gegen Ende seiner mitreißend begeisternden, scharfzüngig und sehr intelligent analysierenden sowie ansonsten sehr heiteren Show, in der er mit einem schieren Feuerwerk von Pointen das zahlreiche Publikum geradezu reihenweise zum Lachen brachte.

Dies war zugleich Abschluss der 19. Saison der Freiluftbühne des Weinhofs Ruthardt, das auch in diesem Jahr wieder an drei Wochenenden insgesamt sechs Veranstaltungen mit renommierten Kabarettisten und Comedians präsentierte. Einhergehend gaben die erneut sehr vielen Besucher dem jeweiligen Künstler wieder per Votum eine Bewertung zwischen einem und fünf Sterne. Nach Ende der Saison bekommt der sowohl vom Publikum als auch von einer Fach-Jury am besten bewertete Akteur abermals den Kabarett- und Comedy-Preis „Korken-Zieher“ des Weinhofs Ruthardt verliehen, den bei seiner Premiere im vergangenen Jahr Philipp Weber erhalten hatte.

Resultierend bot Jochen Ruthardt, Organisator und Veranstalter sowie Inhaber des Weinhauses mit dem arrangierten Programm auch in diesem Jahr erneut einen kulturellen Höhepunkt im kulturellen Veranstaltungskalender der „Kabarett-Stadt“ Lauda-Königshofen in ganz besonderen Atmosphäre der Open-Air-Klein-Kunst-Bühne, die im kommenden Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiert.

„Wir waren überwältigt, wie gut die sechs Abende wieder frequentiert wurden und wie sich unsere Kleinkunstserie im Laufe der Jahre entwickelt und etabliert hat“, zog Ruthardt eine überaus zufriedene Bilanz. Seinen Angaben nach wurden für das Jubiläumsprogramm 2019 bereits einige renommierte Kabarettisten gewonnen, die schon auf der Bühne im Weinhof Ruthardt zu Gast gewesen seien.