Lauda / Königshofen

Runder Geburtstag Paul Faulhaber, ehemaliger Rektor der Realschule in Lauda und Leiter der VHS Mittleres Taubertal, wird heute 90

Verdienste um die Bildung in der Region

Königshofen.„Nicht der Mensch hat am meisten gelebt, welcher die höchsten Jahre zählt, sondern derjenige, welcher sein Leben am meisten empfunden hat“: Diese vom Schweizer Pädagogen Rousseau stammende Aussage, die er sich als Leitspruch erkor, weist bereits auf eine seiner Grundeinstellungen hin – nämlich die von Paul Faulhaber, Realschulrektor im Ruhestand und Leiter der Volkshochschule (VHS) von 1979 bis 1996, der nach einem durchaus bewegten Werdegang am heutigen Montag in Königshofen seinen 90. Geburtstag feiert. Dort, in der Messestadt, wohnt er auf dem Turmberg gemeinsam mit seiner Ehefrau Elfriede Wirth-Faulhaber, nachdem man sich nach 32-jähriger Lebenspartnerschaft 2013 das Ja-Wort gab.

Geboren am 14. Januar 1929 in Ballenberg, heute ein Stadtteil von Ravenstein, wuchs Paul Faulhaber als Sohn eines Lehrers in den Schulhäusern von Rauenberg und später Grünsfeld auf, wobei der Kriegseinsatz ab Herbst 1944 den Besuch der Oberrealschule in Würzburg jäh unterbrach. 1951 legte er dann als sogenannter „Konviktler“ das Abitur am Matthias-Grünewald-Gymnasium in Tauberbischofsheim ab.

Im Anschluss an das Studium der Pädagogik in Heidelberg fand Faulhaber 1953 seine erste Anstellung als Lehrer in Hardheim, wo er auch ab 1956 die Außenstelle der Volkshochschule leitete. Ab 1955 mit Rosel, geborene Kögler, aus Grünsfeld verheiratet, die im Oktober 2012 starb, erfolgte nach der zwischenzeitlichen Versetzung an die Mittelschule in Eberbach/Neckar 1966 die Ernennung zum ersten Rektor – als damals Jüngster in Baden-Württemberg – an der ehemaligen Mittelschule in Lauda, die 1969 als Realschule Einzug in den Neubau hielt.

Nach knapp 40-jähriger Tätigkeit als Lehrer, davon 25 Jahre als Leiter der heutigen Josef-Schmitt-Realschule Lauda-Königshofen verabschiedete man Paul Faulhaber am 31. Januar 1992 in den Ruhestand.

Der heutige Jubilar, der als späterer Außenstellenleiter der VHS in Lauda von 1966 bis 1977 schon ab 1958 Farblichtbilder-Vorträge in mehreren Landkreisen hielt (in der Summe weit über 900), übernahm außerdem im Oktober 1979 die ehrenamtliche Führung der neu gegründeten VHS Mittleres Taubertal in Tauberbischofsheim mit zwölf Außenstellen, die er bis nach der 50-Jahr-Feier zum 31. Dezember 1996 innehatte, also 17 Jahre.

„Unter meiner Leitung entwickelte sich die Volkshochschule, quasi vom Nullpunkt aus, zur größten nichtkommerziellen Bildungseinrichtung für Erwachsene im Main-Tauber-Kreis mit zuletzt rund 12 000 registrierten Unterrichtseinheiten jährlich“, betonte Faulhaber im Rückblick.

Der jetzt 90-Jährige, der während seiner mehr als vier Jahrzehnte dauernden Tätigkeit in der Erwachsenenbildung fast 70 kulturelle Studienreisen inner- und außerhalb Europas organisierte und begleitete, hielt ebenso fest, dass man 1984 auf seine Anregung hin die bis noch vor einiger Zeit aktive Fotogruppe der VHS gründete; auch die Einrichtung eines Fördervereines für die Realschule sei auf ihn zurückzuführen. Paul Faulhaber, der über fünf Jahre als Vorsitzender des Kreiskuratoriums für Erwachsenenbildung fungierte, engagierte sich politisch ab 1971 in der CDU, aus der er allerdings nach 39 Jahren austrat. Anlässlich seines 60. Geburtstages 1989 stiftete er zudem den auch über sein Lebensende hinaus gültigen „Förderpreis Rektor Faulhaber“ in Höhe von 500 Mark, heute 256 Euro und inzwischen summiert auf 7680 Euro, überreicht alljährlich an den Notenbesten des Abschlussjahrganges der Realschule. Er betrachte dies als einen kleinen Beitrag zur beruflichen beziehungsweise schulischen Ausbildung, unterstrich der Jubilar, der seine Vortragstätigkeit mit zunehmendem Alter zuletzt endgültig einstellte.

Paul Faulhaber, der klassische Musik (Mozart) liebt, beschäftigte sich darüber hinaus lange intensiv damit, Ordnung in seine umfangreiche Video- und Diasammlung zu bringen, wobei auch die digitale Bildbearbeitung am Computer zu seinen Hobbys zählte. Der im Februar 2010 mit der Ehrennadel des Landes Baden-Württemberg gewürdigte 90-Jährige, den die örtliche Gruppe Historisches & Kulturelles als vorherigen stellvertretenden Vorsitzenden im Dezember 2012 zum Ehrenmitglied ernannte (eine Auszeichnung, die er mit seinem Austritt zurückgab), gehört unter anderem dem Deutschen Roten Kreuz sowie dem Grünsfelder Heimat- und Kulturverein an.

Gerne in Grünsfeld bei seiner Tochter Sabine (57) sowie den beiden Enkelinnen Katja (27) und Lisa (22), wohnt die jüngste Tochter Friederike (52) in Lauda, während die älteste, Susanne (62), schon seit über 35 Jahren in Indien lebt und wirkt – und dies mittlerweile sogar als Guru. Gemeinsam mit der vierjährigen Urenkelin Paulina gratulieren sie alle mit weiteren Verwandten, vielen Freunden und Bekannten zum heutigen Geburtstag; Glückwünsche, denen sich auch die Fränkischen Nachrichten anschließen. bix