Lauda / Königshofen

Leserbrief Zum Artikel „Schlamm rutschte auf Wohnhäuser“ (FN, 26. Juni)

Was nun, Herr Bürgermeister?

Kettenbagger, 2000 Sandsäcke, THW, „wirklich Wahnsinn“ was sich am Montag in Unterbalbach ereignete. Herr Maertens spricht von „mehreren zehntausend Euro“ Schaden. In Zeiten zunehmender Unwetterkatastrophen erscheint dies geradezu bescheiden. Wer ist für Unwetterkatastrophen und deren Schäden verantwortlich?

Herr Maertens spricht von rechtlicher Prüfung und davon, dass der Landwirt seinen Acker gegen Erdrutsch zu sichern habe. Dies hörte sich vor wenigen Wochen noch anders an. Bereits am 13. Mai kam es zu einem Erdrutsch an gleicher Stelle mit hohen Schäden an Gebäuden und Einrichtungen. Damals vertrat Herr Maertens die Ansicht, dass die Anlieger für den Eigenschutz ihres Eigentums verantwortlich seien. Da der Bebauungsplan jedoch Einfriedungen und das Errichten von Mauern verbietet, sind dem Eigenschutz behördlich sehr enge Grenzen gesetzt.

Bei einer Begutachtung der Schäden am Dienstag kam seitens Vertreter der Stadtverwaltung der Vorschlag auf, diese Einschränkung im Bebauungsplan zu löschen. Wird hier die Verantwortung wieder auf die Anwohner verschoben? Als das Wohngebiet seinerzeit erschlossen wurde, war den Behörden die landwirtschaftliche Fläche und deren Nutzung bekannt. Ein Erfordernis, sein Grundstück gegen Erdrutsch zu sichern, sah die Verwaltung offensichtlich nicht. Dies hat sich nach dem zweiten und wesentlich massiveren Erdrutsch innerhalb eines Monats grundlegend geändert. Wo liegt die Verantwortung der Stadt?

Vor vier Wochen dachte man noch, der Erdrutsch sei ein bedauerlicher Einzelfall. Von Maßnahmen zur Abwendung weiterer derartiger Katastrophenschäden war nicht lange zu hören und ich hatte das Gefühl, man sei zur Tagesordnung übergegangen. Die Realität hat uns schnell wieder eingeholt. Die Betroffenen hatten gerade ihre Gebäude und Außenanlagen wieder hergestellt, als nun wieder vieles zerstört wurde. Sicherlich wird man Unwetter nicht verhindern können. Wohl aber deren Folgen mildern.

Herr Maertens, es geht nicht darum, Verantwortungen hin und er zu schieben. Es geht darum, tragfähige Lösungen für die Zukunft zu finden. In Zeiten, in denen die öffentliche Hand sich aus der Pflichtversicherung von Wohngebäuden zurückgezogen hat und kein Kontrahierungszwang seitens der privaten Versicherungswirtschaft besteht, muss damit gerechnet werden, dass die Geschädigten nach dem nächsten Schadensfall die Kündigung des Versicherers erhalten werden. Was nun, Herr Bürgermeister?