Leserbrief

Leserbrief Zum Artikel „Mann schlägt Stadtmitarbeiter“ (FN, 26. September)

Bürger von städtischem Bediensteten in Zange genommen

Als Verantwortlicher, auf dessen Namen die Demonstration gegen die Abfallaufbereitungsanlage der Firma Konrad Bau am 24. September in Lauda angemeldet war, möchte ich zur Meldung „Zwischenfall bei Demo. Mann schlägt Stadtmitarbeiter“, Stellung nehmen. Nach einem Gespräch mit dem angeblichen Schläger und sechs (auch der Polizei zur Verfügung stehenden) Zeugen, stellt sich der Sachverhalt folgendermaßen dar.

Der 76-jährige Mann aus Gerlachsheim, der schwerbehindert ist und dringend auf die Toilette musste, fand die eigentlich für die Benutzung durch die Demonstrationsteilnehmer vorgesehene öffentliche Einrichtung im Untergeschoss beim Parkhaus des Rathauses nicht. Dass auch andere Menschen bei ihrer Suche nicht fündig wurden, und die Demonstrationsleitung ihnen behilflich sein musste, zeigt ein grundsätzliches Problem, das die Stadt dringend angehen muss. Nebenbei: Die einzige öffentliche Toilette ist dermaßen verdreckt und versifft, dass man eigentlich niemand deren Benutzung zumuten kann und man als Bürger sich dafür schämt..

Als besagter Mann dann im Vorraum des Rathaussaales zur Toilette zu gelangen versuchte und die Tür öffnete, wurde er von den dahinter postierten, in ihre schwarzen Ordnerwesten gekleideten, Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamtes tätlich aus der Tür gedrängt. Dagegen wehrte er sich zuerst verbal, ohne Erfolg. Als man ihn dann packte und den Arm nach hinten drehte, so dass er ins Straucheln kam, schlug er sanft um sich. Wenn er dabei tatsächlich den Mitarbeiter der Stadt getroffen haben sollte, dann war es - nach eigener Aussage – ganz sicher nicht die gezielte Ohrfeige, von der in der Zeitung steht. Ich kam dann übrigens auch schnell zu dem Vorfall hinzu und sah noch, wie der Mann von einigen Ordnungsamt-Mitarbeitern in die Zange genommen wurde.

Mehrere von ihnen hinzugerufene Polizeibeamte standen dabei.

Auch dann noch war es nicht möglich, den Mann auf die Toilette im Rathaus zu lassen. Ich bin dann mit ihm gegangen und habe ihm die öffentliche Toilette gezeigt.

In der auf die Kundgebung folgenden Gemeinderatssitzung wies ich bei der Bürgerfragestunde auf die so demütigende und unmenschliche Behandlung des Mannes hin und benannte auch die unhaltbare Situation der öffentlichen Toilette.

Auch Stadtrat Marco Hess hat das gehört. Und wie klug und menschenfreundlich ist es, wenn er dann – ohne überhaupt selbst etwas gesehen zu haben – (er war ja zu der Zeit in der nichtöffentlichen Sitzung) zur Strafanzeige auffordert? Als Jurist sollte er den Grundsatz kennen: „Audiatur et altera pars“ („Man muss auch die andere Seite hören“).

Bevor die Stadt sich weiter lächerlich macht und ihr das alles auf die Füße fällt, sollte der (inzwischen krank gemeldete) Mitarbeiter sich gut überlegen, ob er tatsächlich die angekündigte Anzeige stellt. Und sollten auch bei zukünftigen Veranstaltungen die Mitarbeiter des Ordnungsamtes wie Rausschmeißer eingesetzt werden?

Der hier zum Schläger gemachte Mann hat gleich am nächsten Tag beim Bürgermeister angerufen und um ein Gespräch gebeten. Bisher ohne jegliche Resonanz.

Nebenbei: Welch große Angst muss ein Bürgermeister vor seinen Bürgern haben, wenn er die Türen des Rathauses verrammeln lässt und Order erteilt, nicht einmal eine Einzelperson reinzulassen, die einfach nur das dringende Bedürfnis hat, auf die Toilette zu gehen!