Leserbrief

Leserbrief Zum Umgang mit Flüchtlingen

Die Herausforderung positiv annehmen

Es brennt mir auf der Seele: Was mich beunruhigt, ist das ungehaltene und unverfrorene Umgehen mit fremdenfeindlichen Kommentaren in der Öffentlichkeit von Wertheim mit Blick auf die Flüchtlingsproblematik.

Was den Ablauf der Schließung der Polizeiakademie betrifft, kann ich mir kein Urteil erlauben, aber wundern darf ich mich - lag es an den generierten Wählerstimmen von Rot-Grün in unserem Landkreis?

Tut jetzt aber auch letztlich nichts zur Sache. Denn es geht darum, wie wir Wertheimer Bürgerinnen und Bürger mit der Situation umgehen, die mit der Einrichtung einer Landeserstaufnahmestelle (Lea) im Stadtteil Reinhardshof auf uns alle zukommt.

Ich bin Teilhaber eines Unternehmens im Hotspot am Reinhardshof, das ohne Export, ohne Multikulti einfach nicht überleben könnte. Wir sind handwerklich orientiert, 110 Mitarbeiter.

Ich persönlich habe mich darauf gefreut, eventuell neue Mitarbeiter aus den Einwanderern zu bekommen, die bei uns ein neues Zuhause suchen, denen wir eine menschenwürdige Aufnahme und ein humanes Leben ermöglichen müssen, und die auch unsere dramatischen Defizite an Arbeitskräften, die insbesondere im Ausbildungsbereich schon Realität sind, ausgleichen könnten.

Deshalb mein Appell, was im Vorfeld auch politisch immer schief gelaufen sein mag: Wir Wertheimer haben es immer verstanden, das Beste auch aus schwierigen Situationen zu machen. Was wären wir ohne die "Puszta", was wären wir ohne unsere "Ilmenauer", ohne spanische, italienische, türkische, portugiesische . . . Bürger, was wären wir ohne die neuen Bundesländer, ohne russische Emigranten? Die Bestenheider Höhe ist für mich ein positives Beispiel für Integration.

Und ganz generell, schwarze Schafe gibt es übrigens überall . . .

Was auf uns zukommt, ist eine wahnsinnige Herausforderung. Mit der Einrichtung der Lea haben wir leider weniger Chancen für eine wirkliche Integration der Flüchtlinge vor Ort.

Gleichwohl, es gilt, den Menschen, die zu uns kommen, ein würdiges Bleiben und Leben zu ermöglichen. Lasst uns damit positiv umgehen. Wir werden daran wachsen, lasst es in Eurem Umfeld nicht zu, dass fremdenfeindliche Parolen selbstverständlich werden. Das sind wir auch unserer Demokratie schuldig, die wir 70 Jahre lang genießen durften, und die uns Freiheit und Toleranz gewährleistet hat.