Leserbrief

Leserbrief Zur geplanten Aufbereitungsanlage in Gerlachsheim

„Etwas mehr Demut in der ganzen Diskussion tut der Sache gut“

Sehr geehrte Frau Böser, liebe Co-Leserbriefschreiber, FN-Kommentatoren und Redakteure, meine Einstellung zur Umweltverschmutzungsanlage in Gerlachsheim dürfte hinreichend bekannt sein und hat sich auch nicht geändert. In meinen Augen ist es jedoch so langsam an der Zeit, sprachlich wieder etwas abzurüsten.

Es ist ja durchaus bekannt, dass unser Bürgermeister den einen oder anderen Diskussionspunkt aufwirft. In meinen Augen ist es auch legitim und teilweise notwendig, die einzelnen Themen anzusprechen und zu diskutieren. Alles völlig unbenommen. Aber es gibt auch hier Grenzen in der Themen- und Wortwahl.

Vielleicht liegt mein Aufruf zur Mäßigung darin begründet, dass ich kürzlich in Dachau war. Der Gang über die KZ-Gedenkstätte macht, gerade in der heutigen politischen Situation, nachdenklich und man reflektiert das derzeitige (weltweite) Geschehen. Hier ein paar Gedanken, die an alle Seiten gerichtet sind: Wie gehen wir mit denen um, die nicht unsere Meinung vertreten? Ist jedes Mittel recht, um zu seinem Ziel/Ergebnis zu kommen?

Wo ist, auch gegenüber Mandatsträgern, die zumutbare Grenze in der Sprachwahl? Wer ist der Schuldige und wer nur der Sündenbock? Nur so nebenbei: Genehmigt wurde die Anlage übrigens vom Landratsamt in Tauberbischofsheim. Wo ist die Rücktrittsforderung an den Landrat? Wo ist der Kommentar in der Diktion, dass der Landrat den Gerlachsheimern schon wieder ein Ei an die Schiene nageln will? Ist die Demo für die nächste Kreistagssitzung schon geplant? Vielleicht kann man den ersten Termin des Runden Tisches, den ich ausdrücklich begrüße, an einen solchen bedeutungsvollen Ort verlegen? Diese Orte haben einen schrecklichen Zauber inne, der zum Nachdenken und reflektieren anregt. Jeder Mensch mit einem Fünkchen Empathie wird sich hier hinterfragen.

Vielleicht hilft es den Disputanten vor Augen zu führen, wohin jegliche Art von Hetze, Lüge und Unwahrheit, respektlosem Umgang, unversöhnlichem Beharren auf Standpunkten, etc. führen kann. Etwas mehr Demut in der ganzen Diskussion würde sicherlich gut tun. Auch den Vertretern dieser Zeitung.