Leserbrief

Leserbrief Zu Dorfgemeinschaft Gamburg "Schmuckstück im Herzen Gamburgs" (FN 20. April)

Gamburger Seele für Bau mit zweifelhafter Notwendigkeit verkauft

Es erhebt sich die Frage für den nachdenklichen und mündigen Gamburger, wem und für was dieses Bürgerhaus nun dienen soll. Eine Million Steuergelder wurden hier investiert, obwohl die Notwendigkeit dafür zweifelhaft ist. Ein dringlicher Wunsch der Gamburger Bevölkerung, wie in dem Zeitungsbericht erwähnt, war das Bürgerhaus mit Sicherheit nicht.

Den Verantwortlichen müsste eigentlich klar sein, dass sich keine einzige junge Familie wegen des Bürgerhauses in Gamburg niederlassen wird. Ganz andere Voraussetzungen sind da gefragt, wie das Vorhandensein eines Kindergartens und einer Grundschule. Diese stehen an erster Stelle als Grund für einen Zuzug und Verbleib junger Familien. Beides ist in Gamburg nun nicht mehr vorhanden. Für die örtliche Gastronomie bedeutet das Bürgerhaus einen Konkurrenten, der mit Steuergeldern finanziert wurde und mit den darin dann abgehaltenen Veranstaltungen/Feiern diese schwächen wird. Die örtlichen Vereine werden sicher kaum dazu beitragen können, das Bürgerhaus mit Leben zu füllen, da bei vielen Vereinen der Bestand schon jetzt gefährdet ist, geschweige denn in der Zukunft, aufgrund der Überalterung der aktiven Mitglieder.

Dazu wird die Gebührenordnung der Gemeinde (umsonst ist der Tod) auch dazu beitragen, die Vereine von einer Nutzung des Gebäudes abzuschrecken. Eine Nutzung durch die Ortsverwaltung erübrigt sich auch, da es vor Ort nichts mehr zu verwalten gibt, da alles zentralisiert ist in der Hauptgemeinde Werbach. Die Behauptung, dass das Schulgebäude marode gewesen wäre ist falsch. Ein paar Jahre vor dem Abriss wurden neue Fenster eingebaut und die sanitären Anlagen erneuert und der Schulhof neu angelegt. Nun hat man mit dem Abriss, ohne über Alternativen dazu nachzudenken, den seit Jahrhunderten bestehenden Schulstandort Gamburg ausradiert. Wie ich aus meinem Archiv gesammelter Zeitungsberichte von Gemeinderats- und Ortschaftsratsitzungen der jüngeren Geschichte und von Zeitzeugen entnehmen kann, war um dieses Ziel zu erreichen, einem Teil der kommunalpolitischen Vertretern der Gemeinde Werbach jedes Mittel recht, verbunden mit so manchen fadenscheiniger Behauptungen. Hintergrund war die Stärkung und Aufwertung einer anderen Grundschule in einem Teilort der Gemeinde, die es galt, koste es was es wolle, als einzige zu erhalten. Die Gamburger und Niklashäuser Grundschulkinder sollten dann, trotz einer weiten Fahrtstrecke, dort die Schülerzahlen erhöhen und so den Standort für alle Zeiten sichern.

Doch diese Rechnung ging nur zum Teil auf, da den Gamburger Eltern die Fahrtstrecke zu weit war, und sie ihre Kinder lieber in der naheliegenden Grundschule Uissigheim unterbrachten, wo sie sich heute noch befinden.

Nachdem die Sanierung und der Erhalt des Schwimmbades Wenkheim vom Gemeinderat abgesegnet und durchgewunken war und weitere Baugebiete in Werbach erschlossen waren, konnte man jetzt auch der Schulstraße und dem Bürgerhaus gnädigerweise zustimmen. Ein paar Jahre vorher hatte man noch den schon vom Gemeinderat beschlossenem Ausbau der Schulstraße, wegen der Schwimmbadsanierung in Wenkheim und weiterer vorgeschobener Gründe, kurz vor der Ausschreibung die Maßnahme, hintertrieben (s. damaligen FN -Bericht "Schulstraße muss Baugebiet weichen"). Es drängt sich für den nachdenklichen, heimatverbundenen und die Historie Gamburgs kennenden Bürger der Verdacht auf, dass mit der Zustimmung zu der "Entsorgung" der Gamburger Grundschule ein Teil von Gamburgs Seele, für den Bau eines Bürgerhauses mit zweifelhafter Notwendigkeit, verkauft wurde.