Leserbrief

Leserbrief Zum Gastspiel des "Alberti-Show-Circus" in Lauda

Mittelalterlicher Bärentanz?

Die Stadt Lauda-Königshofen gibt sich ja gerne fortschrittlich und modern. Präsentiert sich mit Projekten wie Melap und parallelem G 9 als Vorzeigemodell der Baden-Württembergischen Landregion und will aktuell sogar den Stadteingang Laudas zum betonierten Willkommensgruß umgestalten. Image und Optik sind eben wichtig heutzutage.

Verwirrend an der Sache ist nur, dass sich die Stadt gleichzeitig völlig unzeitgemäss, um nicht zu sagen gänzlich ignorant verhält und sich vor den Toren Laudas gerade ein trauriges Schauspiel ereignet. "Circus Alberti" ist zu Gast, im Gepäck neben einer Menge verschiedener Huftiere auch Kamele und einen Braunbären.

Nun ist die optische Irritation beim Anblick der Höckertiere in unseren Breitengraden noch das kleinere Übel. Die grasen ja nur friedlich. Oder verirren sich gelegentlich auf Aldiparkplätze - wie im April 2011 im bayerischen Roding. Bär "Ben" ist die wahre Attraktion. Der ist allerdings nicht immer so friedlich und muss daher zum Frieden gezwungen werden - eine Drahtschlinge im Maulkorb zum Luft abschnüren, wie es Zirkusleiter Harry Frank angibt, ist sicherlich ein legitimes Mittel dazu. Ben sorgt auch immer wieder dafür, dass der Zirkus im Gespräch bleibt: Anzeigen wegen Verstößen gegen das Tierschutzgesetz, Aufführungsverbote wegen eines mangelhaften Sicherheitskonzeptes, massive Kritik von Tierschutzorganisationen.

Deutschlandweit diskutieren Politiker aller Parteien ein Haltungsverbot von Wildtieren in Zirkussen. Möchte die Stadt nun als positives Beispiel ganz vorne dran stehen und ihrem gewünschten Image gerecht werden oder heißt es hier lieber doch mittelalterlicher Bärentanz?