Leserbrief

Leserbrief Zu Leserbrief "Gute Nachrichten aus der trauten Heimat" (FN 25. August)

Nicht reden, sondern handeln

Die aktuellen Diskussionen zur Flüchtlingsunterbringung und Fluchtursachen werden momentan täglich in den Medien verschieden beleuchtet und thematisiert.

In diesem Jahr wird mit über 800 000 Flüchtlingen, die nach Deutschland kommen, gerechnet - eine beachtliche Zahl, die vermutlich noch weiter ansteigen wird. Hier kann man in der Tat von großen Bevölkerungswanderungen sprechen. Krieg, politische Verfolgung oder Gewalt an Frauen in mehreren Ländern machen uns Sorgen und sind oft die Hauptursache für die Flucht ins Ungewisse.

Selbstverständlich haben diese Menschen ein Anrecht auf unsere Solidarität, unsere Unterstützung und unseren Schutz. Besonders die Kommunen stehen jedoch angesichts der rasant angestiegenen Flüchtlingsströme vor einer gewaltigen Herausforderung, die ohne die oft ehrenamtliche Hilfe und Unterstützung aus der Bevölkerung kaum zu bewältigen ist. Um den zahlreichen Schutzbedürftigen nachhaltig helfen zu können, müssen aber auch der Missbrauch des Asylrechts (etwa von Menschen aus sicheren Ländern ohne Bleibeperspektiven, wie den Balkanstaaten) sowie die Fluchtursachen unmittelbar vor Ort bekämpft werden, um das System nicht langfristig zu überlasten und die momentan breite Akzeptanz in der Bevölkerung nicht zu verspielen.

Deshalb hilft hier zwar die angesprochene Diskussion über die mögliche Kulturfremdheit der betroffenen Menschen sicherlich nicht weiter, aber auch ironisch verfasste Leserbeiträge erscheinen bei einer so wichtigen Thematik nicht wirklich sachdienlich.

Auch wenn man beim Lesen an der ein oder anderen Stelle zugegebener Maßen zunächst schmunzeln kann, tragen solche Beiträge auch dazu bei, die Bürger zu verunsichern und verschaffen dadurch - entgegen ihrer Intention - Pegida und anderen rechtsorientierten Gruppierungen einen fruchtbaren Nährboden.

Des Weiteren hilft hier auch Reden nicht weiter - sondern Handeln. Deshalb ist die große Politik dringend gefordert, eine europaweite Gesamtstrategie zu erarbeiten.

Die Flüchtlingsverteilung innerhalb der Europäischen Union ist im Moment ein Armutszeugnis unserer Solidar- und Wertegemeinschaft, in der eigentlich der Zusammenhalt großgeschrieben werden sollte. Stattdessen wird in dieser wichtigen Angelegenheit die Last auf den Schultern weniger verteilt.

Hier sollte Europa Geschlossenheit ausstrahlen - das verdienen die Menschen, die aufgrund von Krieg und Gewalt in ihrer Heimat keine Perspektive haben und in Europa auf Hilfe hoffen.