Leserbrief

Leserbrief Zum Ausverkauf von Kulturgütern

Traurige Nachricht

Schätze aus Schubladen" - so tituliert ein ganzseitiger Artikel aus der Badischen Zeitung vom 11. Januar 2014. Was verbirgt sich hinter diesem wohlklingenden Titel mit dem Untertitel "In einem Freiburger Laden sind historische Kunstblumen gelandet, die Geschichte dokumentieren"?

Für den kritischen Leser wohl mehr der Ausverkauf Odenwälder Industriegeschichte. Reich bebildert mit Impressionen von Perl- und Papierblumen wird von einem Laden in Freiburg berichtet, in dem seit kurzem historische Kunstblumen aus den 20er Jahren feilgeboten werden. Es wird von Kunden berichtet, die in Erinnerungen schwelgen und die filigranen Kunstwerke bewundern.

Die BZ fragt "Wie aber kommen diese zahllosen, hübschen, handgefertigten Schätze nach Freiburg?". Kurz gefasst: ein auf den Handel von historischen Baustoffen und Einrichtungsgegenständen spezialisierter Unternehmer hat diese bei einer Entrümpelungsaktion der Firma Wilhelm Hess in Walldürn erworben - dies auch gleich einschließlich alter Musterkästen, Kundenkarteien und Lohnabrechnungsbücher. In der Würdigung des industriekulturell bedeutenden Kunstblumengewerbes in Walldürn berichtet die BZ von der Arbeitsweise vor über 100 Jahren und darüber, dass bis zu 1000 Menschen in Heimarbeit diese Kunstwerke hergestellt haben.

Für mich ist dies jedoch eine traurige Nachricht, fehlt es den lokalen Unternehmern und den Verantwortlichen in der Stadt Walldürn am Verständnis der Bedeutung dieses Teils Ihrer Geschichte? Es ist bedauerlich, dass ein derartiger Ausverkauf unserer Kultur noch im 21. Jahrhundert stattfindet. Anderen Ortes wird die Industriekultur mit viel Aufwand erhalten.

Ich kann nur an die Verantwortlichen der Stadt Walldürn und alle Unternehmer appellieren, ihr Profitinteresse zugunsten ihrer Kulturgeschichte zurückzustellen. Die nächsten Generationen werden es Ihnen danken.