Leserbrief

Leserbrief Zu „Fragen-Marathon fordert Kandidaten“ (FN 26. Juni)

Vorstellungsrunde wäre wichtig gewesen

Am Montag vor einer Woche fand die öffentliche Kandidatenvorstellung zur Bürgermeisterwahl in Tauberbischofsheim statt, die auf großes öffentliches Interesse bei den Bürgern stieß: Sowohl Stadthalle als auch Grünewaldhalle waren laut Berichterstattung bis auf den letzten Platz besetzt.

All diejenigen, die jedoch an der Teilnahme der Veranstaltung verhindert waren, so wie meine Person, erhofften sich eine neutrale und umfassende Berichterstattung aus der Lokalpresse. Medien im Allgemeinen und bei einer bevorstehenden Kommunalwahl insbesondere auch die lokale Presse nehmen eine wichtige Funktion in demokratischen Willens- und Entscheidungsbildungsprozessen ein.

Einige Tage vor der Vorstellung wurde der Ablauf der Veranstaltung in den Fränkischen Nachrichten erläutert: bevor die offene Fragerunde an die Kandidaten starten sollte, bekäme jeder der Kandidaten acht Minuten zur Verfügung, um sich selbst und seine Ziele der Kandidatur vorzustellen. Kurze Schlussstatements sollten die Veranstaltung beenden.

Die Berichterstattung der FN vom 26. Juni geht allerdings nur auf die Fragenrunde ein. Meiner Meinung nach sind insbesondere die eingehenden Statements der Kandidaten ein wichtiger Bestandteil einer solchen Veranstaltung, da hierbei alle Kandidaten wirklich gleiche Ausgangsbedingungen haben, um die Bürger von ihrer Person sowie den Visionen und Zielen für unsere Stadt zu überzeugen.

Keine Frage: auch die nachfolgende Fragenrunde liefert Einblicke über die Vorhaben für die Stadt sowie die Kompetenz der Kandidaten für die Position als Bürgermeister und ist somit der Berichterstattung würdig. Allerdings – ohne Partei für den einen oder anderen Kandidaten zu ergreifen – wird hierbei der Amtsinhaber zu großen Teilen immer im Vorteil bleiben, da er ganz andere Einblicke in bereits getätigte und geplante Vorhaben der Stadt hat.

Durch Berichterstattung gerade von so einer Veranstaltung hat die Presse die Aufgabe, die Öffentlichkeit immer möglichst umfassend zu informieren und somit zur freien und individuellen Meinungsbildung beizutragen.

Ist dies wirklich gewährleistet, wenn solch entscheidende Teile wie die achtminütige Vorstellung der Kandidaten zu Beginn der Veranstaltung einfach weggelassen werden? Unabhängige und neutrale Berichterstattung sieht meiner Meinung nach anders aus.