Limbach

Maler und Autor „SchwarzMalerei“ heißt das neue Buch des Balsbacher Künstlers Wilfried Georg Barber

Farbe des Lichts steht im Mittelpunkt

Archivartikel

Ins Schwarze getroffen getroffen und das Licht entdeckt – so könnte man das neue Buch von Wilfried Georg Barber umschreiben. Das dazu passend den Titel „SchwarzMalerei“ trägt.

Balsbach. „SchwarzMalerei“ – ein anderer Titel wäre kaum denkbar. Denn wenn ein Maler sich „Gedanken zu der Farbe Schwarz“ macht und das in einem Buch mit diesem Titel niederschreibt, kann eigentlich nichts anderes darüber stehen als eben „SchwarzMalerei“. Wilfried Georg Barber ist dieser Maler. Beinahe zeit seines Künstlerlebens aber ist er auch Autor. Angefangen hat es mit den Buchstaben.

Denn der gebürtige Kölner begann seine gestalterische Laufbahn als Schriftsetzer, mit der so genannten Schwarzen Kunst also. Gleich danach wechselte er an die Kölner Werkschulen und studierte dort Grafik, Kalligrafie und Malerei. Das Schwarze hat im Werk des gerade 77 Jahre alt gewordenen Künstlers stets einen Platz gehabt. Seit gut einem Jahr allerdings ist die Farbe Schwarz in den Mittelpunkt seines Interesses gerückt; wohl zwei Dutzend Bilder huldigen der „Farbe des Lichts“.

Diese Definition stammt von dem französischen Maler Pierre Soulages. Barber zitiert ihn ganz am Anfang eines Büchleins, das er nun in den „Folio-Editionen“ herausgegeben hat.

Wie viel sich über die Farbe Schwarz und das Schwarze in Geschichte und Gegenwart, in der Kunst, der Literatur, im alltäglichen Leben sagen lässt, das offenbart Barbers kleines „Schwarzbuch“. Den Anfang macht ein Vorwort von Künstlerkollegin Ulrike Thiele, die das Italienische an und in Barber als „Zugangscode“ wählt und das jüngste Buch des schreibenden Malers als „klein, stark… schwarz“ beschreibt.

Betrachtungen und Entdeckungen

Dem Vergleich mit dem italienischen Heißgetränk folgen auf den nächsten 110 Seiten Betrachtungen und Entdeckungen, Wohlbekanntes und Neues rund um die unbunte Farbe Schwarz. Vermutlich wird nicht vielen Lesern bewusst sein, wie viel Schwarz unser Leben enthält. Barber hat es zusammengetragen, blickt in die Geschichte (in der 1809 der „Schwarze Herzog“ Friedrich Wilhelm von Braunschweig-Lüneburg-Oels ein „Schwarzes Korps“ aufstellte), streift durch Wälder und Fluren (wo der Jäger auf Schwarzwild schießt), bittet zu Tisch (wo Schwarzwurzeln mit Apfelsauce serviert werden; ob der in diesem Zusammenhang erwähnte Schwarzriesling dazu passt, sei dahingestellt), kennt sich aus in Flora und Fauna (Schwarzdorn und Schwarzspecht grüßen), blättert in der Literatur („Schwarze Milch der Frühe“) und lässt auch den schwarzen Humor nicht zu kurz kommen.

Was die Farbe Schwarz dem Kunstschaffenden bedeutet, schreibt dieser aus Seite 51: „Sie eröffnet mir und dem unvoreingenommenen Rezipienten die Chance, dem Wesentlichen (…) nachzufolgen.“ Auch für Ulrike Thiele hat die „analysierende, strukturierende Farbe Schwarz in der Reduktion ihre große Bedeutung.“

Nebenbei ist das Büchlein ein Streifzug durch Barbers Schaffen, denn die darin geziegten Bilder mit deutlich schwarzer Note, manchmal Noten, reichen von den ersten aus schwarzen Lettern geschaffenen Kompositionen über hingetuschte Landschaftszeichnungen und die streng-konstruktiven Bilder 80er Jahre bis zu den freien Pinseltänzen der jüngsten Gegenwart.

„Attraktive Farbe“

Schon die Titel der Bilder verraten, dass Wilfried Georg Barber Schwarz als „attraktive, ja, bunte Farbe“ versteht, die – so wiederum Thiele – den „bunten Farben in Barbers Werk den grandiosen Auftritt ermöglicht.“ Da ist die „Elegante Kraft“ des Titelmotivs, der „Meditative Moment“ eines 2017 entstandenen, fast komplett schwarzen Bildes oder die „Freundliche Innenbetrachtung“, die ein zartes Rot hinter viel Schwarz und weniger Weiß durchleuchten lässt.

Dass das Schwarze in der Kunst gerade en vogue ist, belegt unter anderem die mit Erscheinen des Barber’schen Buchs fast zeitgleich eröffnete Ausstellung „Black & White“ im Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Sie zeigt mit Beispielen aus sechs Jahrhunderten, dass das zunächst eintönig Wirkende in Wirklichkeit enorm vielfältig ist.

Barbers „Schwarzbuch“ ist – wie sein Atelier – seine Einladung, „dem schwarzen Bild offen zu begegnen.“ (ubr)