Main-Tauber

Teilzeit-Gesetz Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten kritisiert Gesetzentwurf

37 Prozent profitieren nicht

Main-Tauber-Kreis.Mal etwas weniger arbeiten, um Zeit für Kinder, Angehörige oder sich selbst zu haben – dann aber wieder voll beruflich einsteigen: Für Tausende Beschäftigte im Main-Tauber-Kreis soll das ab 2019 per Gesetz möglich sein.

Tatsächlich dürften jedoch 23 400 Arbeitnehmer im Landkreis nicht vom sogenannten Rückkehrrecht in Vollzeit profitieren, weil ihr Betrieb weniger als 45 Mitarbeiter hat. „Das sind 37 Prozent aller Beschäftigten, an denen das Gesetz komplett vorbeigeht“, kritisiert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Die NGG Heilbronn beruft sich dabei auf aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Ein Großteil der Beschäftigten in Bäckereien und Metzgereien dürfte danach nichts von der geplanten Brückenteilzeit haben. Im Gastgewerbe wären laut Statistik im Main-Tauber-Kreis sogar 91 Prozent des Personals vom Gesetz ausgenommen.

Auf die Untergrenze von 45 Beschäftigten hatte sich die Große Koalition verständigt. Die Unionsparteien setzten sich hier gegen die SPD durch.

„In den vielen Kleinbetrieben im Handwerk und in der Gastronomie ist die Teilzeit-Novelle damit reine Makulatur“, sagt NGG-Geschäftsführer Burkhard Siebert. Er fordert die heimischen Bundestagsabgeordneten auf, sich in Berlin für Änderungen am Gesetz stark zu machen. „Die Einschränkung für kleine Betriebe muss wegfallen“, so Siebert.

Hinzu kommt: Rund 22 400 Beschäftigte im Main-Tauber-Kreis arbeiten bereits jetzt in Teilzeit. Nach Angaben der Arbeitsagentur ist ihre Zahl in den letzten zehn Jahren um 22 Prozent gestiegen.

„Diesen Menschen bringt das Gesetz auch keine Verbesserungen“, bemängelt Siebert. Denn einen Anspruch auf eine Vollzeit-Stelle habe nach den Plänen der Großen Koalition nur, wer vorher schon einmal in Vollzeit gearbeitet hat. Das sei aber in vielen Branchen die Ausnahme. So liegt die Teilzeitquote hier laut Statistik bei 35 Prozent. In Hotels, Pensionen und Restaurants ist der Anteil mit 70 Prozent besonders hoch.

Nach Einschätzung der NGG hilft das Gesetz auch kaum gegen Altersarmut, von der Frauen besonders häufig betroffen sind. „Denn Frauen arbeiten überdurchschnittlich oft in Kleinbetrieben – oder haben seit vielen Jahren nur einen Halbtagsjob“, so Siebert. pm