Main-Tauber

Arbeitslosengeld II Zahl der Arbeitslosengeld-II-Bezieher ist im Main-Tauber-Kreis deutlich angestiegen

416 Euro beträgt der Satz vom Amt

Archivartikel

416 Euro im Monat, knapp 14 Euro am Tag – kann man davon leben? So hoch nämlich ist der Regelsatz von Hartz IV. Doch wen es trifft, der hat keine Wahl, wenn er keinen Job hat.

Main-Tauber-Kreis. Im Main-Tauber-Kreis ist die Zahl der Hartz-IV-Empfänger gegenüber dem Vorjahr sogar leicht gestiegen. Zum Stichtag 31. Dezember 2017 hatte das Statistische Landesamt 4287 Männer, Frauen und Kinder in den Akten, denen Hartz IV oder das Arbeitslosengeld II – zwei Begriffe für dieselbe leistung – den Lebensunterhalt sicherte. Dabei waren die meisten erwerbsfähig und im Alter bis zu 50 Jahren.

Der Frauenanteil beträgt 49,6 Prozent, wobei alleinerziehende Mütter stark vertreten sind. Rund 29,6 Prozent der Empfänger sind Kinder und Jugendliche (Vorjahr: 26,8 Prozent). Die 416 Euro sind der Hartz IV-Satz für eine erwachsene Person, der seit Jahresanfang 2018 gilt. Kinder erhalten, je nach Lebensalter, weniger.

Eigentlich ist die Idee von Hartz IV ganz einfach: Gerät ein Mensch in Deutschland unverschuldet durch Arbeitslosigkeit in Not, wird er nach den Regeln des Sozialgesetzbuches vom Staat durch die Hartz IV-Hilfsleistungen unterstützt, bis er wieder einen Job hat. Das setzt voraus, dass es einen passenden Job gibt.

158 Fälle mehr

Zum Stichtag 31. Dezember 2017 gab es im Main-Tauber-Kreis insgesamt 4287 dieser „Leistungsberechtigten, die Grundsicherung für Arbeitssuchende nach dem Sozialgesetzbuch II“’ bezogen. Das waren 158 mehr als Ende 2016 mit 4129. Im längerfristigen Vergleich fielen die Zahlen in den beiden vorangegangenen Jahren hier folgendermaßen aus: Ende Dezember 2015 bezogen insgesamt 3622 Menschen Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld und zum Stichtag Ende 2014 waren es 3503 gewesen.

1267 Kinder beziehen Hartz IV

Insgesamt wurden Leistungen an 2126 Empfängerinnen und an 2161 Empfänger ausbezahlt. Zusätzlich zum Geschlecht wird unterteilt nach erwerbsfähigen Arbeitslosengeld- II-Beziehenden und nichterwerbsfähigen Sozialgeld-Beziehenden, wozu meist Kinder und Jugendliche zählen, die mit im Haushalt leben. Genau aufgeschlüsselt erhielten im Main-Tauber-Kreis 1489 Männer und 1512 Frauen Arbeitslosengeld II und weitere 1286 Empfänger Sozialgeld.

Unter denen waren 1267 Kinder und Jugendliche. Bezogen auf alle Leistungsberechtigten lag der Anteil der unter 15-jährigen Empfänger somit bei 29,6 Prozent.

Wird die Betrachtung auf Altersgruppen erweitert, waren von den Unterstützten 600 Empfänger jünger als 25 Jahre (Vorjahr: 589), weitere 1601 waren zwischen 25 und 50 Jahre alt (Vorjahr: 1610), 289 waren zwischen 50 und 55 Jahre (Vorjahr: 319) und 511 Leistungsberechtigte waren 55 Jahre und älter (Vorjahr: 482).

Aufstocker

Eine wichtige Besonderheit ist, dass es auch Fälle gibt, in denen jemand arbeiten geht, aber trotzdem das Arbeitslosengeld II bekommt. Manchmal reicht schlicht das Arbeitseinkommen nicht, um auf die 416 Euro netto zu kommen. Das macht sich besonders bei Teilzeitstellen bemerkbar, die Alleinerziehende häufig ausüben. Und wenn das regelmäßige Einkommen nicht zur Deckung des Grundbedarfs ausreicht, wird der Mensch zum sogenannten „Aufstocker“. Er erhält die Differenz aus der Sozialkasse dazu.

Zunehmend sind Ausländer auf Hartz-IV angewiesen. Auch anerkannte Asylbewerber, die keinen Job finden, haben wie jeder andere ein Recht auf Hartz IV. Im Main-Tauber-Kreis waren zum Stichtag insgesamt 1739 Ausländer auf Hartz-IV angewiesen, sprich 40,56 Prozent der Leistungsberechtigten. Ein Jahr vorher waren es 1476 ausländische Empfänger gewesen (33,49 Prozent) und Ende 2015 noch 832 (22,97 Prozent).

Bildungsfalle schnappt zu

Der hiesige Ausländeranteil an der Bevölkerung liegt niedriger. Aber an der Nationalität lässt sich das Hartz-IV-Dilemma nicht festmachen, denn es müssen mehr Deutsche als Ausländer mit Hartz IV leben. Dazu tragen der hohe Alleinerziehendenanteil und die Bildungsfalle bei: kein oder niedriger Schulabschluss bedeutet häufig eben ein eher geringes oder überhaupt kein Entkommen aus Hartz IV. teb