Main-Tauber

Mietwohnungsbau Landrat Reinhard Frank legte dem Kreistag einen umfassenden Bericht zur Situation im Main-Tauber-Kreis vor

Bedarf an bezahlbaren Wohnungen

Archivartikel

Einen umfassenden Bericht zum Mietwohnungsbau, den die SPD-Fraktion im Dezember beantragt hatte, stellte Landrat Reinhard Frank dem Gremium bei seiner Sitzung am Mittwoch vor.

Main-Tauber-Kreis. Hatte die Prognos-Studie aus dem Jahr 2017 im Main-Tauber-Kreis einen entspannten Wohnungsmarkt mit überdurchschnittlicher Arbeitsplatzdichte festgestellt, besteht aktuell aus Sicht der Kommunen durchaus ein Bedarf an Mietwohnungen. 15 von 18 Kommunen im Landkreis haben einen Bedarf, Kommunen entlang der Taubertalschiene gar einen hohen Bedarf vor allem für Arbeitnehmer und weniger für sozial Schwächere ermittelt.

Der Wohnungsbau liegt vornehmlich in privater Hand, woraus sich die Forderung ergibt, dass sich die Kreisbau kreisweit engagieren solle. Einige Bürgermeister, so der Landrat, hätten das Thema Werkswohnungen aufgegriffen und führten Gespräche mit Unternehmen. Leerstände seien in erster Linie in privater Hand, eine Bereitschaft zum Verkauf bestünde nicht.

Die Baugenossenschaften und Bauträger stellen nüchtern fest, dass sich der Mietwohnungsbau derzeit nicht rechne, weil er erst dann wirtschaftlich sei, wenn die Kommune den Grundstückspreis stunde und Mieten ab 7,50 Euro und aufwärts pro Quadratmeter gezahlt würden. Bemängelt wird zudem, dass die Wohnungsbauförderung des Landes im ländlichen Raum nicht greife.

Der Deutsche Mieterbund im Main-Tauber-Kreis mit Sitz in Wertheim konnte keine belastbare Aussage zum Bedarf an Sozialwohnungen treffen, attestierte für Wertheim aber eine rege Bautätigkeit. Dort würden auch Wohnungen zum Quadratmeterpreis von sieben Euro rasch vermietet. Der Mieterbund sieht seine steigende Mitgliederzahl allerdings als Indikator für den höheren Bedarf an preiswertem Wohnraum.

Das beim Landratsamt angesiedelte Sozialdezernat konstatiert eine Nachfrage nach barrierefreiem und seniorengerechtem Wohnraum sowie nach Wohnraum für Menschen mit Behinderung und geringem Einkommen. Den Wohngeldbezug, der seit Jahren relativ konstant zwischen 630 und in der Spitze bei 763 Euro (2016) liegt, wertet das Sozialdezernat nicht als entscheidenden Hinweis, um Schlüsse auf den Wohnraumbedarf zu ziehen.

Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege ergänzt die Liste der nach günstigem Wohnraum Suchenden um Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund. Deren Bedarf steige gerade vor dem Hintergrund des Familiennachzugs. Zudem fehlten im Landkreis aktuell zehn bis 20 Wohneinheiten für ambulant betreutes Wohnen.

Als Handlungsempfehlungen nennt die Liga der Freien Wohlfahrtspflege, die Zuordnung der Kommunen zu den Richtwerten „angemessene Unterkunftskosten“ zu überprüfen, bei größeren Bauvorhaben anteilig Sozialwohnungen zu fordern, öffentliche Wohnungsbauträger einzubinden sowie Baugrund kommunal zu bezuschussen oder kostenfrei zur Verfügung zu stellen und den Landkreis als Moderator in die Pflicht zu nehmen.