Main-Tauber

Biomüll Seit Dienstag ist die Firma Seger mit Störstoffe erkennenden Entsorgungsfahrzeugen im Main-Tauber-Kreis unterwegs

Der „Müllsheriff“ kreischt in den Ohren

Archivartikel

Die Qualität des Bioabfalls zu verbessern, hat sich der Abfallwirtschaftsbetrieb auf die Fahnen geschrieben. Erste Ergebnisse zeigen: Zwölf bis 13 Prozent der braunen Tonnen weisen Störstoffe auf.

Main-Tauber-Kreis. Orange bedeutet seit Monatsbeginn Bioabfall. In dieser Farbe nämlich sind die nagelneuen Fahrzeuge des Münnerstädter Entsorgungsunternehmens Seger lackiert, die seither den Biomüll im Main-Tauber-Kreis abfahren. Sieben Jahre lang läuft der Vertrag, der unter der Bedingung geschlossen wurde, mit Detektoren zu arbeiten. Das sind nicht etwa irgendwelche Bohrer, die sich in den Bioabfall fräsen und dort nach Fremdstoffen forschen, sondern 30 mal 40 Zentimeter große Platten in einer Dicke von rund vier Zentimetern. In denen steckt die patentierte Technik des Tübinger Spezialisten Maier und Fabris. Wie sie genau funktioniert, ist ein Geheimnis. „Aber sie funktioniert“, bestätigt Geschäftsführer Joachim Seger. Selbst eine metallene Teebeutelklammer weiß das System bei feiner Einstellung zu orten, so seine Erfahrung.

39 Abstufungen kennt die Skalierung. Im Main-Tauber-Kreis ist das Gerät auf der mittleren Stufe 19 eingestellt.

Gestern Vormittag in Tauberbischofsheim: Mit zwei Fahrzeugen ist das Unternehmen in der Kreisstadt unterwegs. 47 Mal schlägt der Detektor allein im Altstadtbereich an. Die braune Tonne wird auf die Platte gestellt und in Richtung Wagen gekippt. Plötzlich kreischt ein hoher Ton auf, eine gelbe Lampe blinkt auf: Störstoff erkannt.

Um was es sich handelt, wissen die ebenfalls in orange gekleideten Biomüllentsorger nicht. Doch sie handeln nach Anweisung. Die Tonne wird zwar entleert, unter den Deckel aber eine gelbe Karte geklemmt.

Dort wird erläutert, was in die Biotonne kommt und was nicht. Brot- und Gebäckreste, Kaffeefilter, Obstschalen oder verdorbene unverpackte Lebensmittel sowie Unkraut, Blumen, Wurzeln dürfen selbstverständlich in den brauen Tonne landen. Auch Küchentücher, Papiertüten und Papierservietten finden den Weg ins Gefäß, weil sie kompostierbar sind.

Nicht hinein gehören jedwede Art von Metallen, Plastik und auch die vorgeblich kompostierbaren, weil aus Maisstärke hergestellten Biofolientüten. Letztere machen nicht nur im Würzburger Kompostwerk, sondern in allen Verwertungseinrichtungen deutschlandweit Probleme. Der Grund, so Michael Schinnagel, Technischer Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs Main-Tauber (AWMT): Die Kompostwerke arbeiten in einem Umschlagzyklus von fünf bis sechs Wochen, die vorgeblichen Biobeutel aus Maisststärke aber brauchen bis zu einem halben Jahr, um sich zu zersetzen.

Vor zwei Jahren haben Mitarbeiter des AWMT in Bad Mergentheim und Wertheim bereits Sichtkontrollen beim Biomüll vorgenommen und Mahnkarten verteilt. „Diejenigen, die eine gelbe Karte erhalten haben, riefen häufig an und fragten, was sie denn falsch gemacht hätten“, so Schinnagel. „Von denjenigen mit den roten Karten kam kein einziger Anruf“, erinnert er sich. Die Qualität des grünen Abfalls hatte sich schon damals erheblich verschlechtert.

Biomüll immer mehr verdreckt

„In den vergangenen Jahren wurde der Biomüll immer mehr verdreckt und lag bei 20 bis 25 Prozent der Gesamtmenge“, berichtet der Technische Leiter des AWMT. Rund 1400 Tonnen des Braune-Tonne-Inhalts wurden vom Kompostwerk Würzburg deshalb allein im vergangenen Jahr zur Verbrennung im Müllheizkraftwerk heraussortiert. Kosten pro Jahr: zwischen 150 000 und 200 000 Euro. Die möchte man in Zukunft deutlich reduzieren.

Die klassischen ländlichen Gebiete, so Schinnagel, seien die sorgsamsten beim fachgerechten Sortieren der Bioabfälle. Im städtischen Bereich nehme das Problem der Störstoffe zu. „Gerade in Gebieten mit Wohnblocks, wo nicht genau zuzuordnen ist, wer welches Gefäß befüllt, häufen sich die Probleme“, fügt Joachim Seger an.

In die Bioabfallentsorgung im Main-Tauber-Kreis hat sein Unternehmen kräftig investiert. Sechs neue Fahrzeuge mit Pro-Stück-Kosten von 220 000 Euro wurden angeschafft.

Aus seinen Erfahrungen in den Landkreisen Bad Kissingen und Miltenberg, die den „Müllsheriff“ – so hat ihn sein Erfinder selbst genannt – seit Jahren einsetzen, ist sich Seger sicher, dass sich auch im Main-Tauber-Kreis die Qualität verbessern wird. „Es wäre schlimm, wenn wir ab Mai die Tonne stehen lassen müssten.“

Von da ab wird es nämlich ernst: Die rote Karte greift nach zwei Warnschüssen in Gelb. Das Entsorgungsfahrzeug wird dann so eingestellt, dass die Kippfunktion in den Wagen blockiert und die Tonne ungeleert abgelassen wird.

Einsicht der Bürger wichtig

Dem Bürger bleibt dann nur, den Inhalt der Tonne auf eine Plane oder in eine Schubkarre zu kippen und nachzusortieren oder ihn in einen Main-Tauber-Restmüllsack, der vier Euro kostet, umzuschütten.

Beides keine wirklich erstrebenswerten Aussichten. Der AWMT setzt auf die Einsicht und die Mitwirkung der Bürger, von denen das System letztlich komplett finanziert wird. „Nur so“, argumentiert Michael Schinnagel die erzieherischen Maßnahmen der Landkreisverwaltung, „können die Müllgebühren niedrig bleiben.“