Main-Tauber

Vermietung 29 Prozent weniger Wohnungen als 2016 wurden im vergangenen Jahr im Main-Tauber-Kreis gebaut

Der Wohnungsbau braucht mehr Impulse

Vom Single-Apartment bis zum Bungalow: Im Main-Tauber-Kreis sind im vergangenen Jahr 327 Neubauwohnungen entstanden – 175 davon in Ein- und Zweifamilienhäusern.

Main-Tauber-Kreis. Das Verbändebündnis Wohnen, in dem sich die Baugewerkschaft IG Bau und die Bauwirtschaft zusammengeschlossen haben, weist darauf hin, dass damit im vergangenen Jahr 29 Prozent weniger neue Wohnungen gebaut wurden als noch im Vorjahr. Das Bündnis beruft sich bei den Zahlen auf die aktuelle Bau-Bilanz der fertiggestellten Wohngebäude vom Statistischen Bundesamt.

Insgesamt haben die Bauherren im Main-Tauber-Kreis demnach im vergangenen Jahr 120,3 Millionen Euro in den Neubau von Wohnungen investiert.

„Das klingt viel. Tatsächlich müsste es aber mehr sein, wenn der Main-Tauber-Kreis seinen Beitrag zur Wohnraum-Offensive der Bundesregierung leisten will. Denn der Neubau von bezahlbaren Wohnungen ist die einzige effektive Antwort auf steigende Mieten und hohe Immobilienpreise, von denen auch Baden-Württemberg betroffen ist“, sagt Andreas Harnack vom Verbändebündnis Wohnen.

Insgesamt seien bundesweit im vergangenen Jahr lediglich nicht einmal 285 000 Wohnungen neu gebaut worden. Dabei habe die Große Koalition von CDU/CSU und SPD eine ganz andere Messlatte gelegt: 1,5 Millionen Neubauwohnungen bundesweit bis 2021 – also 375 000 pro Jahr. „Das bedeutet, dass der Wohnungsneubau schon in diesem Jahr um satte 32 Prozent zulegen müsste. Danach sieht es allerdings bislang weder in Baden-Württemberg noch bundesweit aus“, so der Regionalleiter der IG Bau in Baden-Württemberg, Andreas Harnack.

Effektive Förderung wichtig

Das Verbändebündnis Wohnen fordert daher jetzt den Bund, das Land und auch die Kommunen auf, mehr für den Wohnungsbau zu tun. Vor allem für den bezahlbaren Wohnraum. Auch das Wohneigentum im Main-Tauber-Kreis müsse endlich wieder effektiv gefördert werden. Wohneigentum sei eine wichtige Altersvorsorge. „Die eigenen vier Wände sind da und haben Bestand – unabhängig davon, wie die Rentenhöhe im Alter schwankt. Sie bieten die Sicherheit eines dauerhaften ‚Daches über dem Kopf‘ – ohne Angst vor Mieterhöhungen oder vor einer Kündigung“, sagt Andreas Harnack.

Bessere steuerliche Abschreibung

Die Kanzlerin habe angekündigt, sechs Milliarden Euro für den Wohnungsbau bis 2021 bereitzustellen – also 1,5 Milliarden Euro pro Jahr. Tatsächlich benötigt würden aber mindestens vier Milliarden Euro jährlich.

Eine „Goodwill-Wohnungsbaupolitik“ der Länder, bei der die Zahl der Sozialwohnungen von der Kassenlage abhänge, sei fatal. Auch die geplante Förderung für den altersgerechten Umbau lasse „jede Hoffnung auf einen Sanierungsschub für mehr Seniorenwohnungen gegen Null laufen“. Aber gerade altersgerechte Wohnungen brauche auch der Main-Tauber-Kreis.

Der Bund müsse dem Wohnungsneubau jetzt „Turbo-Impulse“ geben: Dazu gehören, so das Verbändebündnis Wohnen, zusätzliches Fördergeld und mehr steuerliche Anreize. Wirksam sei vor allem eine bessere steuerliche Abschreibung – konkret die Erhöhung der AfA von zwei auf dauerhaft drei Prozent. Denn der Bau brauche vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, um Fachkräfte und technische Kapazitäten aufbauen zu können. Ebenso müssten alle engagierten und im Kern guten Punkte, die Union und SPD zum Wohnungsbau im GroKo-Koalitionsvertrag vereinbart haben, schnell angepackt werden. Im Verbändebündnis Wohnen setzen sich die IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU), der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerks- und Wohnungsbau (DGfM) gemeinsam für bessere Rahmenbedingungen beim Wohnungsbau ein. vbw